Verschwörungstheorien in der Klasse, was können Lehrer dagegen tun?

Nach und nach öffnet sich die Bundesrepublik Deutschland wieder. Dies gilt unter anderem auch für die Schulen, die spätestens nach den Sommerferien wieder ihren normalen Betrieb aufnehmen. Doch wie in der gesamten Gesellschaft gibt es auch unter den Schüler*innen sogenannte Covidioten. Als Covidioten bezeichnet man Menschen, die verschiedensten Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus glauben und dadurch zu einer Gefahr für die Gesellschaft werden. Die Grenze zwischen sachlicher und notwendiger Debatte ist hierbei schwierig.

Verhaftung Hildmann

Vegankoch und Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann wird verhaftet. © picture alliance/dpa / Christophe Gateau

Verschiedene Ursprünge – Verschiedene Richtung

Zu allem Überfluss unterscheiden sich die verschiedenen Verschwörungstheoretiker und Demonstranten voneinander. Medienwissenschaftler Prof. Bernhard Pörksen rät in einem Deutschlandfunk – Interview davon ab, sie alle in einen Topf zu werfen. (DLF Mediathek, 12.05.2020, 8.30 Uhr). Doch nun stellt sich die Fragen, welche Gruppierungen und Strömungen es gibt. Einige werden im Folgenden genannt und genauer erläutert.

Rechtsextreme und Antisemiten

Wie unter allen Verschwörungstheorien sind auch im Fall Corona viele rechtsextreme und explizit antisemitische Strömungen unterwegs. Die wenigsten von ihnen sprechen den Juden direkt die Schuld zu. Dies erfolgt meistens subtiler. So wird der Virus beziehungsweise die Gegenmaßnahmen entweder Israel, dem Mossad oder aber bekannten jüdischen Personen wie George Soros angelastet.

Hier gibt es auch keinen Diskussionsspielraum. Wer behauptet die aktuelle Lage sei ein Komplott, in dem die genannten auftauchen, handelt antisemitisch. Dies gilt auch für Personen, die keine antisemitischen Absichten hegen. Gerade Schüler*innen probieren sich in – leider oft radikalen – Meinungen aus oder reden insbesondere, wenn sie noch jünger sind, Ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen nach.

 “Grundsätzlich ist es von hoher Wichtigkeit, bei antisemitischen Äußerungen in der Schule (und darüber hinaus!) nicht über die Sprüche oder Ausführungen hinwegzusehen.”

Zentralrat der Juden in Deutschland, Pressestelle

Auf eine Anfrage von lehrer-news.de hat der Zentralrat der Juden in Deutschland folgenden Rat über den Umgang mit Antisemiten gegeben:

“Grundsätzlich ist es von hoher Wichtigkeit, bei antisemitischen Äußerungen in der Schule (und darüber hinaus!) nicht über die Sprüche oder Ausführungen hinwegzusehen, sondern einzuschreiten, um den Schülerinnen und Schülern zu signalisieren, dass sie eine Grenze überschreiten. Eine ausbleibende Reaktion kann sonst als Zustimmung gedeutet werden und zu weiteren Äußerungen verleiten.

Zentralrat der Juden

Logo des Zentralrats der Juden

Empfehlen möchten wir Ihnen dahingehend die gerade erschienene Studie von Prof. Julia Bernstein, „Antisemitismus an Schulen in Deutschland. Befunde – Analysen – Handlungsoptionen“ (Beltz Juventa, 2020), (Link, Anm. d. Red.), die die Problematik von vielerlei Blickwinkeln beleuchtet und Hinweise zum Umgang mit Antisemitismus gibt.”

Die folgenden Websites sind eine Empfehlung des Zentralrats für alle, die sich weitgehend mit dem Thema Antisemitismus und Handlungsempfehlungen mit dem richtigen Umgang beschäftigen wollen:
www.kmk-zentralratderjuden.de
https://www.stopantisemitismus.de
https://www.anders-denken.info

Andere Verschwörungstheoretiker

Neben den Rechtsextremen, die sicherlich die gefährlichste Gruppe unter den Verschwörungstheoretikern bilden gibt es auch noch zahlreiche andere Gruppierungen. Die Bandbreite reicht von der Antifa bis hin zu Impfgegnern. Die wohl abstruseste und dennoch allgemein bekannte Strömung darunter nimmt an, dass das Bill Gates und weitere Personen versuchen durch den Einsatz von Zwangsimpfungen die Menschheit auf eine Bevölkerungszahl von 500 Millionen zu schrumpfen. Leider sind auch Lehrer nicht vor Verschwörungstheorien gefeit. Darunter beispielsweise Lehrer MaPhy, welcher auf Youtube Mathematik-Erklärvideos produziert.

 Letztendlich gilt aber für alle Theorien, die auftauchen: Hinterfragt diese kritisch, bildet Euch ein eigenes Bild und widerspricht ihnen gegebenenfalls. Es mag zwar mühsam sein und man erreicht nicht unbedingt den Schüler, der Sie verbreitet. Aber man kann dadurch verhindern, dass sich Verschwörungstheorien ausbreiten und das ganz unter dem Motto “Widerspruch ist die Atemschutzmaske gegen Covidioten”.

Wiederspruch gegen Verschwörungen

Dabei ist es wichtig zu schauen, woher kommt die Theorie? Wie ist die Schülerin oder der Schüler auf sie gekommen? Was ist Ihre oder seine Motivation sie zu verbreiten?

Erst, wenn alle Fragen geklärt sind, kann der Widerspruch wirklich nützlich sein. Wenn alles nichts nutzt und insbesondere, wenn die Theorien gefährlich oder rassistisch sind, können disziplinarische Maßnahmen notwendig werden.

Nicht jede Kritik ist gleich eine Verschwörungstheorie.

Weiterhin ist natürlich nicht jede Kritik an staatlichen Maßnahmen gleich eine Verschwörungstheorie. In einer liberalen Demokratie ist es ja grade wichtig, dass staatliche Maßnahmen sich auch der Kritik aussetzen müssen. Leider gehört auch ein gewisses Maß an Unsinn dazu, dass wir als Gesellschaft, und damit auch Ihr als Lehrer ertragen müsst. Doch wo zieht man die Grenze? Allem was eindeutig Antisemitisch, rassistisch oder sonst, auf welche Weise auch immer, menschenfeindlich ist muss eindeutig Einhalt geboten werden.

Hattet Ihr schon Erfahrungen mit Covidioten in der Klasse? Wie geht Ihr damit um? Schreibt es uns in die Kommentare.

Widerspruch ist wichtig (Quelle: pexels.com)