Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert Bund, Länder und Kommunen auf, dem Fachkräftemangel im Bildungswesen entgegenzutreten. Anlass ist die erwartete Ankunft hunderttausender ukrainischer Kinder und Jugendlicher, die in Folge des Ukraine-Kriegs nach Deutschland fliehen.

Schulen mit steigendem Bedarf an Fachkräften

Dringend benötigt werde laut GEW die Einstellung von Lehrkräften im Bereich Deutsch als Zweit-/ Fremdsprache (DaZ/ DaF). Auch sich in Rente oder Pension befindliche Fachkräfte müssten angeworben werden. Eine Zunahme der Arbeitszeit von in Teilzeit arbeitenden Lehrer:innen sei hingegen kaum zu erwarten, äußerte GEW-Vorsitzende Maike Finnern gegenüber Deutschlandfunk Kultur. Nach Einschätzung der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Karin Prien (CDU), fehlen in Deutschland bis 2035 bis zu 24.000 Lehrer:innen. Nebst Lehrkräften bedürfe die Aufnahme ukrainischer Schüler:innen auch die zusätzliche Einstellung von Schulpsycholog:innen, Schulsozialarbeiter:innen, Schulgesundheitsfachkräften sowie Erzieher:innen, so Prien.

Die Grafik zeigt die Zahl der bis Mitte April 2022 an deutschen Schulen untergebrachten ukrainischen Schüler:innen.
Bereits 60.938 ukrainische Schüler:innen wurden bis Mitte April an deutschen Schulen aufgenommen. Die linke Spalte zeigt ihre Verteilung nach Bundesländern. Quelle: Kultusministerkonferenz

GEW fordert schnelles Handeln der Politik

Die Einrichtung von Willkommensklassen ist nach Ansicht der Gewerkschaft trotz des Lehrermangels das bildungs- und integrationspolitische Gebot der Stunde: „Bildung kann nicht warten, wenn Integration gelingen soll”. Bei der Eingliederung ukrainischer Schüler:innen sei außerdem darauf zu achten, keine Zweiklassengesellschaft entstehen zu lassen. Schüler:innen aus der Ukraine und anderen Herkunftsländern dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Des Weiteren „benötigen alle pädagogischen Fachkräfte Fort- und Weiterbildungsangebote zu dem Themenkomplex ‚Krieg, Flucht und Traumata’, damit sie mit den Problemen der Schülerinnen und Schüler angemessen umgehen können.”

Noch immer sind die Schulen auf Grund der Corona-Pandemie mit besonderen Belastungen konfrontiert. Vor diesem Hintergrund erwartet die GEW eine deutliche Aufstockung der vom Bund für die Eingliederung von Schüler:innen aus der Ukraine in Aussicht gestellten Mittel von einer Milliarde Euro: „Die Schulen brauchen jetzt so zügig wie möglich zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen, um die Herausforderung zu meistern.” Ein Fachkräftegipfel soll zeitnah Konzepte gegen den Personalmangel an Schulen erarbeiten.