Bisexualität ist ein Thema, das vielleicht nicht allzu oft besprochen wird, aber dennoch viele Menschen betrifft. Laut der YouGov-Studie aus 2015 verorten sich rund 39%der jungen Menschen im bisexuellen Spektrum. Dennoch kommt gerade Bisexualität hinter anderen sexuellen Ausrichtungen in der Thematisierung oftmals zu kurz. Nicht nur im Hinblick auf eine objektive und offene Aufklärung kann das zum Problem werden. 

Was ist Bisexualität

Bisexualität beschreibt, wie bei allen anderen Sexualitäten auch, ein Spektrum, welches für jeden, der sich als bisexuell identifiziert, variieren kann. Dieses Spektrum umfasst alle Menschen, die sich emotional, romantisch und/oder sexuell zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlen. Dabei ist für manche Menschen die Grenze zwischen Bisexualität und Pansexualität fließend. Denn während es als bisexuell bezeichnet wird, sich zu beiden Geschlechtern hingezogen zu fühlen, spielt das Geschlecht für pansexuelle Menschen keine Rolle. Männer, Frauen, aber auch inter- oder genderfluide Menschen werden hier als anziehend empfunden.

Die Problematik

Bereits Sigmund Freud sprach am Anfang des 20. Jahrhunderts von Bisexualität. Er ging davon aus, dass jeder Mensch eine bisexuelle Neigung in sich trägt und erst im Verlauf psychosozialer Prozesse während der Entwicklung heterosexuell wird. Jugendliche, so Freud, die eine “gesunde” Entwicklung durchmachten, würden demnach im Erwachsenenalter heterosexuell sein. Sei dies nicht der Fall, wäre die Sexualität dieser Person laut dessen Theorie “unreif”.

Diese negative Grundeinstellung zu Bisexualität ist bisweilen leider auch heute noch in den Köpfen vieler Menschen verankert. Häufig werden bisexuelle Menschen, sowohl von Hetero- , als auch von Homosexuellen diskriminiert, ausgeschlossen oder nicht ernst genommen. Denn Sie sind nicht so leicht in eine Schublade zu stecken und gehören keiner der beiden Kategorien an. Das führt dazu, dass sie häufig Vorwürfen, wie ”Sie können sich nicht entscheiden, befinden sich nur in einer sexuellen Orientierungsphase oder wollen sich einfach nicht eingestehen, dass sie eigentlich schwul oder lesbisch sind (…)” ausgesetzt sind.So ist es wenig verwunderlich, dass es gerade bei bisexuellen Menschen häufig zu einem Gefühl von Einsamkeit kommt.

Der Eindruck, nicht ernst genommen oder permanent missverstanden zu werden führt häufig dazu, dass ein Outing schwerfällt. Nicht ohne Grund zeigen diverse Studien, dass sich bisexuelle im Schnitt nur zu 28% vor ihrem Freundeskreis outen, was verglichen mit Homosexuellen, von denen sich immerhin rund 75% outen, sehr wenig ist. So ist es dann auch so, dass Bisexuelle noch häufiger von Angststörungen, Depressionen und Suizidalität betroffen sind.

Doch was ist eigentlich der Grund für die große Skepsis gegenüber bisexuellen Menschen?

Die Antwort auf diese Frage ist möglicherweise simpel: mangelnde Aufklärung!Weil nur vergleichsweise wenige Bisexuelle offen mit ihrer sexuellen Ausrichtung umgehen und sich in der Folge auch weniger Menschen mit dem Thematik auseinandersetzen, hat sie in der Öffentlichkeit auch einen geringen Stellenwert und wird nicht wirklich ernst genommen. Teil dieses fatalen Kreislaufes ist, dass es Betroffenen noch schwerer fällt, sich zu outen, da sie kaum Vorbilder haben. So gibt es nur wenige Menschen, die Sie auf Basis eigener Erfahrungen unterstützen und ihnen Mut machen können.

Zu sehen ist eine Grafik, mit den Vorurteilen gegen Bisexuelle.

Was muss sich ändern

Um Bisexualität zu einem alltäglichen Thema zu machen, muss es sowohl in Kitas, als auch an Schulen mehr zur Sprache kommen. Genau wie Homosexualität und Transsexualität muss es als ernst zu nehmendes Thema behandelt und nicht als eine Art Unterkategorie dargestellt werden. Bereits Kinder und Jugendliche müssen damit konfrontiert und diesbezüglich aufgeklärt werden. Denn gegenseitige Akzeptanz und Respekt sind wichtige Werte, deren Vermittlung nicht früh genug beginnen kann. Besonders hilfreich wäre es hierfür, wenn sich mehr Lehrer:innen und Betreuer:innen als Bi- oder Pansexuell outen würden. Denn biisexuelle und pansexuelle Schüler:innen benötigen für den offenen Umgang mit ihrer eigenen Orientierung Vorbilder und eine diskriminierungsfreie Umgebung. So können sie dabei unterstützt werden, eine selbstbestimmte Sexualität zu entwickeln.

Um Lehrkräfte bei der spezialisierten Bildung zu Bisexualität zu unterstützen, stellt das “Bisexuelle Netzwerk e.V” Infomaterialien und Arbeitsblätter für verschiedene Jahrgangsstufen bereit. Diese können für den Unterricht genutzt werden und bringen den Schüler:innen alles rund um die Thematik näher. Lehrkräfte können Diversität sichtbarer im sozialen Umfeld von Schüler_innen machen, indem sie beispielsweise in Gesprächen selbstverständlich den gleichgeschlechtlichen Partner eines Freundes erwähnen oder Poster aufhängen, die Vielfalt sichtbar machen. Es ist sehr wichtig, dass die Schüler:innen begreifen wie alltäglich diese Vielfalt ist. Dies kann aber eben nur geschehen, wenn die Konfrontation mit Themen, wie Bisexualität ein alltäglicher Begleiter ist.  Dazu gehört auch die Verantwortung von Lehrer:innen den Schüler:innen die eigene Ablehnung von Diskriminierung deutlich deutlich zu machen und sie dahingehend aufzuklären.

 

Hast du auch schon einmal Erfahrung mit Diskriminierung gemacht? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen! Weitere Informationen zu Themen wie diesem und weitere Artikel findest du hier und hier.