Wenn man sich über das Berufsbild von Lehrkräften informiert, bekommt man auf den ersten Blick schnell den Eindruck vermittelt, dass die Hauptaufgabe darin besteht, Lehrinhalte an Kinder oder Jugendliche zu vermitteln. Vormittags hat man Recht, nachmittags hat man frei und im Sommer sechs Wochen Ferien. Hinter diesem Klischee steckt aber weitaus mehr, denn als Lehrperson steht man ständig vor immensen Herausforderungen und einem enormen Druck. Daher ist es keine Seltenheit, wenn Lehrkräfte auf Grund eines Burnouts wegen Dienstunfähigkeit in den Vorruhestand gehen. In Berlin geht dabei jeder dritte Beamte wegen Dienstunfähigkeit in den in den Vorruhestand, wie aus dem Bericht der Innenverwaltung aus dem Jahr 2013 hervorgeht. (BZ; Versicherungsvergleich-beamte.de) Wenig Personal und die hohe Arbeitsbelastung wirkt sich eben schlecht auf die Gesundheit aus.

Burnout durch verschiedene Belastungsformen?

Die Herausforderung sich gegenüber einer sehr heterogenen Gruppe an Schülerinnen und Schülern gleichermaßen als Lehrvermittler und Vorbild zu geben, alle gleichermaßen mitzureißen, bei Bedarf zu fördern, sich durchzusetzen, Wissen schmackhaft zu vermitteln, aktuelle Ereignisse mit dem vorgegebenen Lehrplan zu verbinden und zeitgemäße Denkweisen zu vermitteln, kreuzen sich mit der physischen Belastung, einem ständigen Geräuschpegel ausgesetzt zu sein und sich auch in den Pausen nicht alleine zurückziehen zu können.

Burnout

Ein Burnout kann viele, auch kombinierte Ursachen haben. (Foto von Anna Tarazevich von Pexels)

Lehrkräfte bringen bestenfalls ein hohes Maß an Resilienz und Kraft mit und qualifizieren sich optimal fürs Berufsbild mit einem hohen Maß an Flexibilität, Selbstbewusstsein und einem Drang die Welt zu verbessern. Schließlich gibt der Staat durch die Verbeamtung die Sicherheit, nicht mehr gekündigt werden zu können. Der Staat will gleichzeitig aber auch, dass der Lehrer vor der Beamtung keine psychischen Diagnosen gestellt bekommen hat. Somit ist der ideale Lehrkörper ein Lehrkörper, der nie um Hilfe bitten musste. (Spiegel Online)
Viele Lehrerinnen und Lehrer sind herausgefordert, dieser Position gerecht werden zu wollen. Sie setzen sich der Gefahr aus, sich selbst als vermeintlich schwach zu stigmatisieren statt das System zu hinterfragen. Schnell gerät man unter Druck, überlastet sich und ist mit der Verantwortung auf sich allein gestellt. Dies führt dazu, dass Lehrkräfte einem erhöhtreren Risiko ausgesetzt sind ein Burnout zu erleiden. (Mehr als die Hälfte aller vorzeitigen Pensionierungen gehen auf psychosomatischen Ursachen zurück. (Berger /Schäfer: Was macht am Lehrerberuf krank?

Was muss sich ändern?

Es kann schon helfen sich darüber bewusst werden, dass immense Anforderungen an einen gestellt werden, und dass Burnout und psychosomatische Krankheiten ein Teil des Berufsrisikos sind, sich selbst zu ermächtigen und mit der Kraftlosigkeit einen Umgang zu finden. Man selbst ist nicht schwach, es ist das System, das einen auf lang- oder kurzfristig dazu zwingt, in die Knie zu gehen. Werden psychische Krankheiten wie physische Leiden behandelt? Wünschenswert, für einige wenige vielleicht. Aber für Lehrkräfte gilt das nicht. Würde es Lehrpersonen gestattet sein vor der Verbeamtung psychotherapeutische Leistungen in Anspruch zu nehmen, könnte das einen großen Stigmatabrocken nehmen. Wenn ich ein gebrochenes Bein habe, darf ich einen Gips haben und er heilt. Wenn ich ein gebrochenes Herz habe, darf ich Gespräche in Anspruch nehmen und heilen – im Gegenteil dazu, scheint ist verpönt psychotherapeutische Leistungen in Anspruch zu nehmen: Ich muss in der Lage sein es aus eigener Kraft zu schaffen, sonst werde ich nicht verbeamtet.
Lange Rede, kurzer Sinn: Durch die jetzige Pandemie stellt sich die Überforderung, Ermüdung und Hoffnungslosigkeit nicht nur als Folge eines Berufsrisikos ein, sondern erschöpft das ganze Land. Die Möglichkeiten sich zu erholen sind eingeschränkt und es gibt keine Aussicht, wann und ob das je wieder möglich sein wird.

Burnout und die Digitalisierung

Die Digitalisierung des Unterrichts und Distanzunterricht könnten eine Entlastung schaffen, sofern man eine stabile Internetverbindung hat, in einer ruhigen Wohnung lebt und eine gehörige Portion Gelassenheit mitbringt. Man spart sich den Weg zum Arbeitsplatz, ist den ganzen Tag über nicht einem extremen Lärm ausgesetzt und kann sich sogar erlauben in Jogginghose zu unterrichten. Gleichzeitig kann man nur darauf vertrauen, dass die Schüler eigenmotiviert und ein hohes Maß an Selbstverantwortung bereits mitbringen und pünktlich am Rechner sitzen – sofern sie einen haben. Die Realität sieht eben anders aus. Die Heterogenität einer Schülerklasse zeigt sich in den Privilegien, die diese mitbringen. Sprechen alle fließend deutsch? Haben alle ein stabiles Elternhaus und Umfeld? Haben alle gleich viel Geld und Mittel? Sind alle Einzelkinder? Sind alle gesund? Abgesehen davon: Zeit vorm Bildschirm ermüdet zunehmend. Man sieht lediglich Projektionen statt in Gesichter. Unmittelbar Energie geben und Energie zu schöpfen aus positiven Erfahrungen im Unterricht, dass beispielsweise nach einem bannenden Referat der Raum schweigt, lauscht und erleuchtet ist, fallen weg. Woher sich also die Kraft schöpfen?

Digitalisierung ist für die Burnout Prävention ein Zweischneidiges Schwert
(Foto von Konstantin Hermann von Adobe Stock)

 Entlastung im Digitalisierungsprozess will Lehrer News schaffen. Dieser Artikel soll auch entlasten, auch wenn er sich möglicherweise trübsinnig liest. Aber er will darauf verweisen, dass es nicht nur ausreicht, sich die Digitalisierung perfekt anzueignen, sondern, dass es dringend notwendig ist, sich jetzt in dieser Phase der Pandemie mental und psychisch Entlastung in der analog stattfindenden Welt zu entlasten.

Was kann ich tun um Burnout zu vermeiden?

Doch was kann helfen der Überforderung präventiv entgegenzuwirken, um ein Burnout zu verhindern? Da wäre zunächst der Austausch mit Kollegen über Probleme und Hürden. Dann kann man sich strukturierte Zeiten setzen und sich internetfreie Zeit zu geben. Zusätzlich sollte man regelmäßig in Bewegung bleiben und dabei zwischen entspannenden Techniken, wie zB Meditation, Yoga und aktivierenden Aktivitäten, wie zB.: Joggen, schnelles Fahrradfahren oder intensive Workouts abzuwechseln. So wird der innere Ausgleich gewährleistet und die Energie kann fließen. Ganz wichtig ist es, sich zumindest morgens oder abends 10 Minuten für sich zu nehmen. Wen die bisher aufgelisteten Möglichkeiten nicht ansprechen, nutzt diese Zeit ganz individuell für die eigenen Bedürfnisse und hält inne. Innehalten kann viele Formen annehmen: atmen, weinen, schreien oder auch tanzen. Diese Möglichkeiten hängen natürlich von den Lebensumständen ab. Dennoch ist es wichtig am Tag wenigstens etwas Zeit für sich zu haben. Wenigstens einmal 10 Minuten. Wenn die einzige Zeit für sich diese unter der Dusche ist, dann kann man auch dort innehalten und schenkt der Privatsphäre nochmal eine neue Bedeutung. 

Die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und sich diesen Raum einzufordern und Grenzen zu ziehen, ist ein Zeichen von Stärke. Wie sonst will man Stärke und Vorbildfunktion vermitteln und ausstrahlen, wenn man selbst nicht nach diesen Werten lebt?