In allen Bundesländern geht das aktuelle Corona-Schuljahr diesen Monat zu Ende. Zeit, um einmal auf dieses besondere Schuljahr, das vor allem durch die Corona-Pandemie und Distanz- sowie Wechselunterricht geprägt war, zurückzuschauen. Wie haben Schüler:innen und Lehrkräfte das Schuljahr erlebt? Und was hat es in Sachen Digitalisierung gebracht?

Aktuell sind die Diskussionen um den Einbau von Luftfilteranlagen und möglichen Impfungen für Kinder und Jugendliche in vollem Gange, um im kommenden Schuljahr erneute Schulschließungen hoffentlich verhindern zu können. Dabei könnte es sich lohnen, auch mal einen Blick auf das vergangene Jahr vorzunehmen und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Erst vor wenigen Wochen hatte eine Studie der Frankfurter Goethe Universität zur Effektivität des Distanzunterrichts gezeigt, dass der Lernfortschritt für die Schüler:innen so gering sei wie in den Sommerferien; die Schüler:innen hätten eher Kompetenzen eingebüßt als dazu gewonnen. Besonders betroffen seien hier Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Doch woran liegt das? Und lief das vergangene Schuljahr wirklich so schlecht?

Das Corona-Schuljahr – Ein Jahr auf Distanz

Wie eine Umfrage des Philologen Verbands NRW zum Schuljahr 2020/2021 repräsentativ zeigt, spielen hier mehrere Faktoren eine Rolle – vor allem jedoch fordert die verschlafene Digitalisierung wieder einmal ihren Tribut. So gab fast ein Viertel der befragten Lehrkräfte an, dass keine digitale Infrastruktur in den Schulen und nicht mal der Hälfte der Schüler:innen ein digitales Endgerät zur Verfügung stünde. Doch nicht nur die technischen Voraussetzungen stellten bei der Umsetzung von Distanzunterricht ein Problem dar: Über 85 Prozent der Befragten sehen Fortbildungsbedarf im Bereich Digitalisierung, um den Anforderungen digitaler Lehre überhaupt gerecht werden zu können. Hierbei stehen neben dem technischen Know-how vor allem die methodischen und didaktischen Methoden im Mittelpunkt, denn wenn eines in diesem Schuljahr deutlich wurde, dann, dass sich der Unterricht nicht eins zu eins in den digitalen Raum übertragen lässt – digitale Bildung benötigt auch ihre eigenen Werkzeuge und Methoden.

Schülerin, die ein "Hilfe" Schild hoch hält

Den Vorwurf, Lehrer:innen hätten sich im Distanzunterricht ein entspanntes Leben gemacht, weisen die Ergebnisse der Umfrage ebenso zurück: Fast 90 Prozent der Befragten gaben an, durch den Distanzunterricht ein gesteigertes Arbeitspensum gehabt zu haben, wobei über 50 Prozent deutlich machten, dass diese Form der digitalen Lehre zu einer geringen Vereinbarkeit von Familie und Beruf geführt habe. „Da wurde vieles, was bei der Digitalisierung über das vergangene Jahrzehnt hinweg allein schon bei der Ausstattung versäumt wurde, auf die Lehrkräfte projiziert“, sagt auch Sabine Mistler, Vorsitzende des Philologenverbands NRW. Bei der Umsetzung des digitalen Unterrichts waren Lehrer:innen weitestgehend auf sich allein gestellt. Hier müsste man bereits im Lehramtsstudium ansetzen. Erschreckenderweise sind die genannten Mängel vorwiegend immer noch dieselben wie zu Beginn der Pandemie.

Ein Jahr voller Ungewissheit

Doch nicht nur den Lehrer:innen wurde in diesem Schuljahr viel abverlangt – wie die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina erst kürzlich bekannt gab, hat die Corona-Pandemie nicht nur bereits existente Defizite des deutschen Bildungssystems verstärkt, sondern sich zusätzlich auch negativ auf die Bildung, soziale Interaktion und das psychische Wohlbefinden vieler Schüler:innen ausgewirkt. Besonders bei den Abschlussjahrgängen kam zusätzlich noch eine Ungewissheit bezüglich der Zeit nach der Schule hinzu. Wird mein Abschluss als gleichwertig anerkannt? Bin ich nach Monaten des Distanzlernens überhaupt angemessen darauf vorbereitet? Und schlagen sich mögliche Lücken in meiner Abschlussnote nieder?

Wie sich das vergangene Schuljahr auf die Zahlen der Sitzenbleiber auswirken wird, bleibt bisher noch offen. Es kann noch mehrere Wochen dauern, bis den Schulministerien hier die endgültigen Zahlen vorliegen. Fakt ist jedoch, dass viele Schüler:innen die Bewertung in diesem Schuljahr als schwierig und unfair empfunden haben, denn oft wurde diese weiterhin nach denselben Maßstäben vorgenommen, wie in den Jahren vor der Pandemie. So wurden die zentralen Abschlussprüfungen für die Zehntklässler in diesem Jahr beispielsweise ungeachtet der besonderen Umstände wieder zentral abgehalten. Die Landesschüler:innen Vertretung in Nordrhein-Westfalen fordert die Anpassung der Lehrpläne sowie dezentrale Abschlussprüfungen, um im nächsten Jahr gerechtere Prüfungen und Bewertungen zu ermöglichen.

Tafel, an der "Back to school" steht

Neues Schuljahr, neues Glück?

Aber was kann man denn nun tun, damit das nächste Schuljahr besser wird? Laut der Empfehlungen der Leopoldina gibt es da so einiges, vor allem aber sollten weitere Schulschließungen möglichst verhindert und der Ausbau digitaler Infrastrukturen vorangetrieben werden. Immer wieder wird hier der Ruf nach mehr Lehrpersonal laut, um in kleineren Gruppen und mit individuell zugeschnittenen Förderprogrammen die entstandenen Lücken schließen zu können.

Welche Bilanz lässt sich also vom Corona-Schuljahr 2020/2021 ziehen? Obwohl Deutschland bereits ein Schulhalbjahr während der Pandemie hinter sich hatte, trafen die Schulschließungen viele scheinbar unvorbereitet. Sowohl Lehrer:innen als auch Schüler:innen und Eltern musste ein großes Maß an Flexibilität und Resilienz zeigen, um das Schuljahr zu meistern. Vielleicht sollte genau dieses Engagement zwischen all dem Mehraufwand und dem Chaos positiv im Gedächtnis behalten werden – in der Hoffnung, dass die aktuellen Debatten zu einer besseren Vorbereitung auf das kommende Schuljahr führen werden.

Wie habt Ihr das vergangene Corona-Schuljahr erlebt? Würdet Ihr den Erkenntnissen zustimmen oder habt Ihr vielleicht sogar etwas Positives mitnehmen können? Schreibt es uns in die Kommentare! Um im kommenden Schuljahr immer up-to-date zu sein, schaut unbedingt regelmäßig hier auf Lehrer News vorbei oder abonniert unseren Newsletter. Hier findet Ihr weitere Updates zur Schulpolitik.