Diesen Oktober ist es wieder so weit. Wie jedes Jahr starten die meisten Studiengänge in das Wintersemester. Die letzten drei Semester standen stark im Zeichen der Pandemie. Aufgrund der Notsituation waren größtenteils alle Universitäten und Fachhochschulen für Student:innen und Besucher:innen geschlossen. Die Lehre wurde komplett von Präsenzveranstaltungen an das digitale Homeoffice angepasst. Das kommende Wintersemester besitzt aber derzeit eine ganz andere Ausgangslage. Angesichts der Entwicklungen in der Pandemiebekämpfung können sich Hochschulen nun Mitteln, wie etwa Impfungen oder Testungen, bedienen. Hier stellt sich nun die Frage, wie das aktuelle Semester gestaltet werden soll. Soll die Lehre in Form von aktuellen Online-Regelungen angeboten werden oder begeben sich die Studierenden und Mitarbeiter:innen wieder persönlich auf das Campusgelände?

Ausnahmesituation für eineinhalb Jahre

Zu sehen ist auf einem Tisch ein Schild mit der Aufschrift “CLOSED DUE TO COVID-19!” neben einer Pflanze.

Die letzten drei Semester waren keine einfache Zeit für Student:innen, vor allem für Studienbeginner:innen. Alle Vorlesungen, Seminare und Übungen wurden beispiellos von heute auf morgen auf den digitalen Betrieb umgestellt. Die Gebäude wurden geschlossen und alle Veranstaltungen, Materialien und Informationen wurden nur noch per Internet angeboten. Die Studierenden waren in dieser Situation partiell auf sich allein gestellt. Der soziale Austausch mit anderen Kommilitoninnen und Kommilitonen, sowie mit Professor:innen kam zum Großteil zum Erliegen. Neue Bekanntschaften konnten kaum geschlossen werden. Auf das gemeinsame Lernen und Vorbereiten wurde weitestgehend verzichtet. Je nach Studienfach mussten manche Kurse sogar verschoben oder abgesagt werden. So konnten zum Beispiel infolge der staatlichen Verordnungen viele Naturwissenschaftler nicht ihre Arbeit in einem Labor antreten.

All diese Umstellungen, Unsicherheiten und Isolierungen haben gravierende Folgen auf die Studierenden. Zum einen verlieren sie die Kontrolle über ihr Studium. Es fehlt ihnen an Organisationssicherheit. Praktika, Studienwechsel und Auslandssemester ließen sich kaum planen. Auch bildeten sich teilweise Lern- und Leistungsrückstände, die nachgeholt werden müssen. Dadurch verlängert sich die Studienzeit allgemein. Der Druck, der ansonsten schon spürbar auf den Heranwachsenden lastet, wird zusätzlich vergrößert.

Zu sehen sind ein Haufen Bücher und der Hinterkopf von einer verzweifelt aussehenden Frau.

Zum anderen ist die Belastung für die Psyche der Student:innen immens. Laut einer forsa-Umfrage, die von der Kaufmännischen Krankenkasse KKH beauftragt wurde, fühlen sich 40% der Studierenden und Auszubildenden durch die Corona-Krise gestresst. Die Ursachen sind eine Kombination aus den Corona-Schutzverordnungen und den neuen Problemen an den Hochschulen. Das Gefühl der Ohnmacht, das durch die Auflösung der Alltagsstrukturen entsteht, verbindet sich mit der Einsamkeit aufgrund der Isolation und mit der Furcht vor dem Versagen oder vor dem Virus. Die Folgen können Depressionen, Stress und Motivationslosigkeit sein.

Zu sehen ist ein Diagramm, das zeigt, welche Themen Studierenden und Auszubildenden mit Blick auf die kommende Monate Sorgen bereiten.

Quelle: https://www.kkh.de/content/dam/kkh/presse/bilder-grafiken/infografiken/KKH_Stress%20Stuzubis_Sorgen%20kommende%20Monate.jpg

Diese beide Diagramme aus der forsa-Umfrage zeigen zum einen die Sorgen, die die Corona-Pandemie den Studierenden und Auszubildenden bereiten, zum anderen die aus diesen Befürchtungen entstehenden körperlichen, geistigen oder emotionalen Folgen. Beide Grafiken beziehen sich dabei auf die Vor-Corona-Zeit und vergleichen die jetzige Situation mit der vorherigen.

Jetzt wird alles anders

Zu sehen sind Holzklötzchen, die das Wort “PRESENCE” ergeben.

Umso größer wird der öffentliche Ruf nach Entlastungen für Student:innen. Diese Forderung kommt teilweise von den Hochschulen selbst. Aktuell öffnen viele Universitäten und Fachhochschulen wieder ihre Türen in Form von Präsenz-Begrüßungsveranstaltungen. Die Bildungseinrichtungen wollen wieder Menschen in die Hörsäle, Labore und Bibliotheken lassen. Allerdings müssen sie sich den gegenwärtigen Corona-Regelungen anpassen.

Anders als in den letzten eineinhalb Jahren stehen aktuell verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Mittlerweile haben viele Studierende eine Covid-19-Impfung erhalten. Dafür sorgen die Hochschulen teilweise selbst. Immer wieder organisieren Universitäten und Fachhochschulen Impfaktionen, bei denen sich jede:r ohne Termin oder Anmeldung impfen lassen kann.

Zu sehen ist ein Schreibtisch mit einer Tastatur, einem Kalender, einem Wecker und einem Covid-19-Test in der Mitte.

Gleichzeitig herrscht in den Fakultäten die Maskenpflicht und die 3G-Regelung. In manchen Einrichtungen wurde deswegen speziell ein neuer Campuspass eingeführt. Nur wer geimpft, genesen oder getestet ist, erhält diesen. Das stößt bei manchen auch auf Kritik. Vor allem da die kostenlosen Tests von der Regierung abgeschafft wurden, fragen sich viele Student:innen, die sich nicht impfen lassen möchten, wie sie die regelmäßigen Gesundheitsbescheinigung finanzieren sollen. Vor kurzem stellten deshalb Studierende einen Eilantrag an das Mainzer Verwaltungsgericht, mit dem sie gegen die Testpflicht vorgehen wollen. Unter anderem beklagen deren Anwälte, dass lediglich Hochschulen kostengünstige Selbsttests ablehnen und einen Nachweis von geschultem Personal verlangen.

Auch der aktuelle Wohnungsmarkt bereitet vielen Student:innen Sorgen. Während der Lockdowns sparten sich viele Heranwachsende die Miete für eine Wohnung, die ihnen sowieso keinen Zugang zu einem Studium vor Ort bot. Stattdessen blieben sie in ihrem Elternhaus. Die Folge ist, dass nun der Bedarf an Wohnungen steigt. Gleichzeitig verhindert die immer noch vorherrschende pandemische Lage die Schaffung neuer Optionen. Was schon vor zwei Jahren ein Problem war, wird jetzt weiter verschärft.

Außerdem sind viele Studiengänge wegen der noch nicht bewältigten Pandemie nicht in der Lage, wieder vollkommen zur Präsenzlehre zurückzukehren. Viele Kurse müssen zumindest für die nähere Zukunft weiterhin digital stattfinden. Davon sind vor allem größere Versammlungen betroffen. Vorlesung mit mehreren hundert Zuhörern sind beispielsweise zurzeit zu risikobehaftet. 

Was kommt also in den Unis und FHs auf uns zu?

Zu sehen ist ein Laptop und ein Terminkalender auf einem Tisch, die beide gerade genutzt werden.

Wie wird also das zukünftige Hochschulstudium aussehen? Durch die erzwungene Umstellung auf den digitalen Betrieb brachte man auch mehrere Vorteile zum Vorschein. Zum einen konnten Professor:innen und Student:innen unabhängig von ihren Aufenthaltsorten an Online-Meetings teilnehmen. Zum anderen wurde Lern- und Arbeitsmaterial online hochgeladen, was für manche den Zugang vereinfachte. Ein Video von einer Vorlesung kann man sich mehrmals ansehen. Bei einer Präsenzveranstaltung ist das Filmen, das Mitschneiden oder das Veröffentlichen verboten. Ergo ergaben sich für manche auch Vorzüge.

Aus all diesen Gesichtspunkten geht hervor, dass es wahrscheinlich in Zukunft weder eine vollständige Rückkehr zum Zustand vor Corona mit der persönlich Anwesenheit geben wird, noch eine Beibehaltung der derzeitigen pandemiebedingten Digitallehre. Die Universitäten und Fachhochschulen werden beide Optionen miteinander kombinieren und schlussendlich eine hybride Form, die die Vorteile von beiden Varianten beinhaltet, anbieten. Denn immerhin sind Institute Innovationsträger: sie verstehen sich als Orte, an denen wissenschaftliche Neuheiten entwickelt und die nachfolgenden Generationen ausgebildet werden. Somit ist die Digitalisierung für sie unerlässlich. Allerdings bleibt die Frage, wie lange das Umstrukturieren dauern wird. Gerade die Studierende waren in der Corona-Pandemie die, die bei der Planung der gesetzlichen Öffnungen und Schließungen unbeachtet blieben. Während über Schülerinnen und Schülern wenigstens noch in der Öffentlichkeit breit diskutiert wurde, gab es kaum einen Diskurs über die Schließung der Hochschulen. Vermutlich liegt das unter anderem daran, dass Kinder, die zu Hause bleiben müssen, eine Betreuung benötigen. Eltern mussten teilweise auf ihre Arbeit verzichten, da sie ihre Kinder beaufsichtigen mussten. Bei Studierenden ist dies kein Problem. Als eigenverantwortliche Erwachsene, die noch dazu keine Steuern für den Staat generieren, sind sie auf sich allein gestellt. Inwieweit also die Veränderungen konkret für das nächste Wintersemester reichen werden, wird sich somit erst noch zeigen.

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