Problematik Probejahr

Das Probejahr an Gymnasien: Ist der Schüler dem Pensum und der Materie gewachsen, oder sollte er seinen weiteren Bildungsweg doch woanders fortsetzen? Nun, 10 Jahre nach der Einführung des Probejahres, werden Stimmen laut, die die Abschaffung fordern. Lehrer News berichtet über die Situation und die Vor- sowie Nachteile dieses Systems.

Hintergründe 

Während dieser Zeit gelten bestimmte Voraussetzungen, anhand denen die Tauglichkeit des Schülers für das Gymnasium bestimmt wird. Hierbei gilt, dass der Schüler keine 6 auf dem Zeugnis haben darf undmaximal ein Fach mit einer 5 bewertet werden darf. 

Schafft es ein Schüler nicht, diese Richtlinien einzuhalten, wird er zwar versetzt, muss jedoch das Gymnasium verlassen und eine ISS (Integrierte Sekundarschule) besuchen.

Es gibt dabei diverse Möglichkeiten die Noten auszugleichen. Hierbei wird zwischen Kernfächern (Mathe, Deutsch, Fremdsprache 1&2) und den übrigen Fächern unterschieden. In den Kernfächern kann eine 6 nicht ausgeglichen werden, in den übrigen allerdings mit einer 2 oder besser. Zwei 5en können in Kernfächern nicht ausgeglichen werden. Eine 5 in einem Kernfach und einem anderen Fach können dagegen mit einer 3 in einem Kernfach und einem anderen Fach ausgeglichen werden.

Zu sehen ist ein leeres Klassenzimmer.

Corona Regelung

Während des Schuljahres 2020/21 wurde das Probejahr an Berliner Schulen verlängert. Die damalige Bildungsministerin Scheeres wollte den Schülern aufgrund der schwierigen Situation rund ums Homeschooling die Chance geben, sich später nochmal zu verbessern. Die Bildungspolitiker:innen der Grünen und vor allem der Linken positionierten sich dabei nochmal extremer und forderten eine komplette Abschaffung des Probejahres. Dabei sind die Vertreter:innen der Linken seit langem darum bemüht, alle Unterschiede zwischen Gymnasium und Sekundarschule zu egalisieren. Doch was würde die Abschaffung für die Schulen bedeuten? Wie würde sich diese Umstellung im Schulsystem bemerkbar machen?

Pros

Die positiven Effekte sind hierbei zunächst einmal der Wegfall der sogenannten Rückläuferklassen. Dies sind spezielle Klassen an Sekundarschulen, welche spezifisch für die Schüler:innen eingerichtet sind, welche das Probejahr an den Gymnasien nicht geschafft haben. Von diesen gab es 2020 etwa 550. Der damit verbundene Mehraufwand für die Sekundarschulen würde damit entfallen.  Zudem müssten sich Kinder und Lehrer nicht noch einmal komplett neu aneinander gewöhnen.  Außerdem würden sich die Schüler, die es unter den bestehenden Umständen nicht auf ein Gymnasium geschafft hätten, weniger ausgeschlossen fühlen. So entstehen keine zwei Lager und die Beziehungen und das Klima zwischen den Schüler:innen bleibt positiv.

Contras

Eine Abschaffung des Probejahres, oder sogar des Eignungstests hätte den Nachteil, dass sowohl Schüler als auch Schulen belastet werden. Die Schüler:innen, welche nicht Gymnasialtauglich sind, wären mit dem Stoff und dem Input überfordert, die Schulen mit Schüler:innen konfrontiert, auf die sie nicht eingestellt ist. Die Schulpolitiker:innen haben dann zwar schönere Zahlen mit einer höheren Anzahl von Kindern auf dem Gymnasium, jedoch wird die Bildungsqualität dadurch nicht besser, sondern eventuell sogar geringer, weil der Lehrer den Stoff nicht adäquat an die Lager der Schüler:innen vermitteln kann. Das Gymnasium würde seinem Zweck als Lernstätte eines gehobeneren Lernniveaus nicht mehr gerecht werden und sich kaum noch von Haupt-, Real- oder Sekundarschulen unterscheiden. Das Gymnasium könnte als Schulform, die einseitig auf den Intellekt setzt, Kindern mit anderen Begabungsschwerpunkten daher nicht gerecht werden. Ein weiteres Problem sieht die Leiterin des Gymnasiums Tiergarten Cynthia Seger, laut welcher im Probejahr die Basis für die Folgejahre gelegt werde. Eine Verschiebung, wie es aufgrund der Pandemie der Fall war, oder gar ein Wegfall des Jahres würde zu individuellen Dramen führen. 

Hierbei muss natürlich noch erwähnt werden, dass Real-, Haupt und Sekundarschulen dramatisch vernachlässigt wurden. Erst diese Vernachlässigung, sowie die elitäre Darstellung des Gymnasiums, führten zum großen Ansturm auf die Gymnasien, welche diesem Druck teilweise garnicht erst gerecht werden können. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Verschieben des Probejahres in der Pandemie auf zukünftige Schülergenerationen auswirkt und ob es in Zukunft dann zu einem kompletten Wegfall des Probejahres kommt.

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In diesem Beitrag stellt Regina Kittler (Die Linke) ihre Argumente gegen ein Probejahr vor.

Was haltet ihr von dem Probejahr? Wie würdet ihr damit umgehen und welche Ideen habt ihr rund um das Thema Schulsystem? Lasst es uns in den Kommentaren wissen! Hier findet ihr einen Artikel zum Thema Chancengleichheit in der Bildung.