Seit fast zwei Jahren hält das SARS-CoV-2 Virus bereits die komplette Welt in Atem. Die Pandemie erzwingt eine generelle Umstrukturierung der Lebensweisen in so gut wie allen Ländern. Durch Lockdowns, Homeoffice und Kontaktbeschränkungen ändert sich für viele Menschen der Alltag grundlegend. Dabei verursachten die Corona-Gegenmaßnahmen bisher auch einige Nebeneffekte, die primär nicht beabsichtigt waren. Eine der Begleiterscheinungen war die sinkende Zahl an Infektionen mit Erkältungsviren. Die Schutzmaßnahmen verhinderten nicht nur eine Ansteckung mit dem Corona-Virus, sondern auch mit den bereits zuvor existierenden Erregern, wie beispielsweise das Influenza- oder das Rhinovirus. Ein besonders weit verbreiteter Bazillus, der aktuell immer weiter in den Vordergrund tritt, ist das Respiratorische Synzytial-Virus (kurz auch RS-Virus genannt).

Das RS-Virus ist fast überall präsent. Ihm aus dem Weg zu gehen, ist kaum möglich. Unter normalen Umständen wäre diese Krankheit nichts Außergewöhnliches. Da die meisten Menschen bereits in Kontakt mit dem Virus kamen, besitzen sie Antikörper, die sie bei einer weiteren Infektion vor einem schweren Verlauf bewahren. Das problematische derzeit ist die große Bevölkerungsgruppe, die zu dieser Immunisierung noch nicht in der Lage war: die Kleinkinder. Ihre Immunsysteme besitzen noch keine Erfahrungen mit dem RS-Virus.

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Da während der Corona-Pandemie alle möglichen Vorkehrungen getroffen wurden, um die körperliche Nähe zwischen den Menschen zu vermeiden, blieb für viele Kleinkinder die erste Ansteckung mit einem Erkältungsvirus aus. Die Folge ist, dass vor allem die ganz Jungen noch keine Abwehrkräfte entwickeln konnten.

Nun entspannt sich seit dem Sommer 2021 die epidemische Lage etwas. Angesichts der Verfügbarkeit von diversen Corona-Impfstoffen verhalten sich immer mehr Menschen sorgloser als zuvor. Infolgedessen kann sich das RS-Virus auch wieder leichter ausbreiten. Anders als vor dem pandemischen Ausnahmezustand werden nun mehrere Jahrgänge zeitgleich zum ersten Mal mit diesem Erreger konfrontiert. Besonders die 0-4 Jährigen sind davon betroffen. Somit entwickeln sich Schulen und Kindertagesstätte während der Corona-Pandemie zunehmend zu Infektionsherde für etliche weitere Erreger, allen voran für das RS-Virus.

Zu sehen ist die Hand eines Kindes, an der ein Katheter angeschlossen wurde. Im Hintergrund erkennt man ein Bett und ein Krankenhemd. In den Kinderkliniken steigt aufgrund der RS-Pandemie die Anzahl an eingelieferten Kindern.

Dies zeigt sich bereits in den Kinderkliniken. Die Anzahl an Patient:innenaufnahmen nimmt derzeitig massiv zu. Manche Krankenhäuser befinden sich bereits an ihren Kapazitätsgrenzen. Die RS-Welle verläuft dabei dieses Jahr früher und heftiger, als es in der Vergangenheit pro Saison üblich war. Dieser Umstand kombiniert sich mit den Effekten der Corona-Pandemie zu einer noch größeren Belastung für Krankenhäuser. Laut Ärzt:innen ist das Hauptproblem für die Kliniken im besonderen Maße der gravierende Pfleger:innenmangel. Ohne das notwendige Personal kann weder ein Covid-19-Patient noch ein RS-Patient angemessen behandelt werden.

Symptome und Verlauf einer RS-Infektion

In den meisten Fällen verläuft eine RS-Infektion harmlos. Der Großteil der Erkrankten merken nur leichte Erkältungssymptome. Auch kleine Kinder verkraften normalerweise das RS-Virus relativ gut. Die meisten machen spätestens mit ihrem vierten Lebensjahr eine erste RS-Infektion durch. Das Problem liegt momentan bei der hohen Zahl an gleichzeitig Infizierten, die zusammen mit den Corona-Patienten vermehrt die Betten in den Krankenstationen belegen.

Zu sehen ist ein Mädchen, das sich in einem Bett liegend die Nase mit einem Taschentuch putzt. Die Hauptsymptome einer RS-Infektion sind Niesen, Husten, Fieber und Keuchatmung.

Das RS-Virus verursacht eine Atemwegserkrankung, zu deren häufigsten Symptomen Husten, Fieber, Keuchatmung und eine laufende Nase gehören. Die Ansteckung verläuft überwiegend über Tröpfcheninfektionen. Beim Niesen, Husten, Schnäuzen oder Sprechen werden keimreiche Tröpfchen in die Luft verströmt, die dann von einer gesunden Person eingeatmet werden. Auch Schmierinfektionen durch direkte Berührungen oder durch kontaminierte Gegenstände sind möglich.

Behandlungsmethoden und Maßnahmen gegen das RS-Virus

Wie bereits erwähnt gefährdet das RS-Virus aktuell vor allem Kleinkinder. Das liegt zum einen an ihrem rudimentären Immunsystem, zum anderen aber auch an ihren noch nicht ausgewachsenen Bronchien und Lungenflügel. Ihre kleinen, engen Atemwege können durch Sekrete oder durch Schwellungen blockiert werden. Die Kinder leiden dann unter Atemnot und Sauerstoffmangel. In seltenen Fällen entstehen dadurch entweder chronische Organschäden oder die Krankheit verläuft tödlich. Dieses Risiko besteht insbesondere bei jungen Menschen mit Vorerkrankungen.

Zu sehen ist ein Stethoskop, Fläschchen, Spritzen und Tabletten. Gegen das RS-Virus helfen keine Antibiotika, dafür aber Antikörper-Impfungen.

Allerdings bilden diese schwer verlaufenden Krankheitsverläufe deutlich die Minderheit bei den tatsächlich eintretenden Fällen. Angesichts des seit langem bestehenden Wissens über die Existenz des RS-Virus steht bereits eine Fülle an medizinischen Präventions- und Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Da es sich hier um eine durch ein Virus verursachte Erkrankung handelt, wirken Antibiotika dementsprechend nicht. Dafür kann man sich mit Antikörpern gegen den RS-Erreger impfen zu lassen. Da es sich um einen passiven Impfstoff handelt, ist die Schutzwirkung zwar nur von kurzer Dauer, dafür aber sehr effektiv. Deshalb ist die Verabreichung vor allem für Risikogruppen sinnvoll. Außerdem bleibt die medizinische Versorgung, zum Beispiel in Form einer künstlichen Beatmung, solange gewährleistet, wie die Krankenhäuser nicht vollständig ausgelastet sind. Deshalb ist es momentan umso wichtiger, sowohl die Ausbreitung von Covid-19 als auch die anderer Infektionskrankheiten auszubremsen. Nur durch gezielte Maßnahmen kann aktuell noch eine RS-Pandemie in der Corona-Pandemie verhindert werden.

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