In der Schule lernen Kinder Rechnen, Schreiben, Physik und eine Vielzahl an anderen Themen, die ihnen helfen sollen, später im Leben gebildet und erfolgreich zu sein. Doch ist es nicht wichtiger, glücklich im Leben zu sein? Genau deswegen rief Dr. phil. Ernst Fritz-Schubert im Jahr 2007 das Schulfach Glück ins Leben. Er kritisiert den Status quo der Schulen und befürwortet die Verstärkung der Persönlichkeitsentwicklung für Schüler:innen, bei der Glück als Schulfach behilflich sein soll.

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Glück anstatt Depressionen

Laut der World Health Organization (WHO) sind Depressionen eine weltweit häufig vorkommende Krankheit. Ungefähr 3,8% der Weltbevölkerung leidet unter dieser psychischen Erkrankung. Ca. 280 Millionen Leute leiden unter Depressionen. Außerdem begehen über 700.000 Menschen jedes Jahr Selbstmord. Im Alter zwischen 15 – 29 Jahren ist Suizid einer der 4 häufigsten Todesursachen. Dies ist für Tobias Rahm vom Institut für Pädagogische Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig bereits Grund genug, um für das Schulfach Glück zu plädieren, schreibt der National Geographic, welcher Tobias Rahm zum Thema Glück als Unterrichtsfach interviewte. Das Lebenszeitrisiko an einer Depression zu erkranken lege bei Männern bei ungefähr 20% und bei Frauen bei etwa 30%. Zwar gebe es Präventionsprogramme, aber trotzdem sollen laut einer 2015 veröffentlichten Studie der WHO Depressionen und Angststörungen durch Behandlung, Klinikaufenthalt, Abwesenheit vom Arbeitsplatz, etc., der EU-Wirtschaft jährlich 170 Milliarden Euro kosten. „Vor diesem Hintergrund halte ich es für absolut angezeigt, zu sagen, wir möchten mehr Menschen in den Zustand des Aufblühens bringen. Wenn wir das ganze gesellschaftlich verankern wollen, müssen wir dafür natürlich in die Bildungssysteme rein und es Kindern frühzeitig beibringen“, sagte Rahm.

Was ist das Schulfach Glück überhaupt und was sollen Kinder darin lernen?

Zusehen ist mehrere glückliche Schüler:innen.

Das Schulfach Glück soll den Kindern Kompetenzen und Methoden beibringen, die dazu führen, dass sie sich wohler und positiver fühlen und dass sich die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Depression verringert. „Glück kann man lernen“, sagte Rahm im National Geographic. Eine gute Übung sei es, eine Woche lang jeden Abend drei Dinge aufzuschreiben, die an diesem Tag gut waren und was man selbst dazu beigetragen hat, dass einem diese guten Dinge passiert sind. Laut Rahm haben mehrere Studien belegt, „dass sich positive Effekte auch ein halbes Jahr später noch zeigen. Wer nur sieben Mal fünf Minuten in die positive Wahrnehmung und in sein Glück investiert, kann hoffen, dass sich das nachhaltig auf das eigene Leben auswirkt.“ Außerdem sollen die Schüler:innen im Schulfach Glück lernen, Gefühle, wie zum Beispiel Angst, Trauer oder Aggression, nicht zu unterdrücken, aber zu regulieren und Widerstandskraft zu entwickeln, um psychische Probleme vorzubeugen.

Resilienz im Kampf gegen die Corona-Krise

Durch das Schulfach Glück ist es möglich, Schüler:innen Fähigkeiten zur Problembewältigung und zum Glücklichwerden beizubringen. Sie werden besser darin, Dinge zu bemerken, die sie fröhlich machen. Positive Emotionen helfen den Menschen dabei, mit negativem Stress umzugehen, der wiederum im schlimmsten Fall zu Depressionen oder zu anderen psychischen Krankheiten führen könnte. Mit anderen Worten: das Schulfach Glück soll die Resilienz der Schüler:innen fördern. In der Psychologie wird als Resilienz die Belastbarkeit einer Person bezeichnet. Auch in therapeutischen Arbeiten wird darauf geachtet, Resilienz aufzubauen, um so psychische Probleme vorzubeugen. Gerade in Zeiten von Corona und Distanzunterricht waren und sind immer noch viele Menschen, aber besonders Schüler:innen, von Stress, Angst und Vereinsamung betroffen. Das Schulfach Glück kann dementsprechend dabei helfen, die Corona-Situation erfolgreich zu bewältigen.

Positive Psychologie

Viele der Ansätze und Methoden aus dem Schulfach Glück stammen aus der positiven Psychologie. Diese beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der positiven Aspekte des menschlichen Lebens. Es geht also in erster Linie nicht darum, wie psychische Probleme behandelt werden, sondern um die Steigerung beziehungsweise Stabilisierung der psychischen Gesundheit. Dafür werden Methoden zur Messung von Zufriedenheit sowie Interventionen zur Verbesserung der Lebenszufriedenheit entwickelt. Kurz gefasst geht es um positive Emotionen anstatt negativen.

Die positive Psychologie mag viele Befürworter haben. Dennoch gibt es auch scharfe Kritik an ihr. So solle es sich mehr um eine Ideologie als um eine tatsächliche Schule der Psychologie handeln und nach der Überprüfung einiger Studien sollen positive Auswirkungen auf depressive Menschen nicht mehr feststellbar gewesen sein.

Trotz aller Kritik an der positiven Psychologie gibt es Untersuchungen, die belegen, dass Schüler:innen, die am Schulfach Glück teilnehmen, ein höheres Selbstwertgefühl besitzen.

Zusehen sind drei fröhliche Kinder, die Hefte und Stifte halten.

Glück wird bereits an über 200 Schulen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien unterrichtet. Außerdem bieten private Institute wie das Fritz-Schubert-Institut (FSI) Weiterbildungen für Lehrkräfte zum Schulfach Glück an.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit dem Fach Glück in der Schule gemacht? Wenn Ihr uns davon berichten wollt, könnt Ihr dies gerne in den Kommentaren tun. Wenn Ihr Euch für ausgefallene Schulkonzepte interessiert, dann schaut Euch diesen Lehrer-News Artikel über alternative Schulkonzepte oder diesen Beitrag über Videospiele im Unterricht an. Falls Ihr mehr zu psychologischen Themen lesen wollt, ist vielleicht dieser Bericht über Konditionierung in Schulen interessant für Euch.