Der Hype

Als Pokemon Go im Sommer 2016 in den AppStore kam war der Hype riesengroß. Seit 2016 wurde das Spiel von über eine Milliarde Menschen (Stand 2018) auf der ganzen Welt heruntergeladen, die die Taschenmonster aus ihrer Kindheit auf der Straße jagen gehen wollten. Auch ich kann nicht bestreiten das Spiel damals gespielt zu haben. Tatsächlich spiele ich es immer noch ab und zu, denn trotz in Game Käufe ist das Spiel zunächst anscheinend kostenfrei. Doch es gibt einen Haken, denn die Nutzer:innen zahlen. Nur nicht mit Geld, sondern mit Daten.

Auf dem Bild ist der Avatar eines Spielers neben seinem Pokemon zu sehen. Das Spiel Pokemon Go steht wegen des Sammelns von Daten der Spieler:innen unter Kritik.

Spielspaß, doch um welchen Preis?

Trotz der riesigen Begeisterung kam schnell Kritik auf. Besonders das Thema “Surveillance Capitalism” schwebte groß über dem scheinbar so harmlosen Spiel. Die Professorin Shoshana Zuboff schrieb in ihrem Buch Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus, dass Menschen glauben würden, dass der Digitalen Überwachung nicht zu entkommen sei. Gegen diese Idee will sie ankämpfen. Pokemon Go kritisierte sie hierbei besonders. Das Spiel ist tatsächlich ein”Daten Monster” und sammelt fleißig Daten der Spieler. Pokemon Go macht davon zunutze, dass der Spieler durch die Kombination aus virtuellem Spielen und wirklicher Umgebung und Bewegung wertvolle GPS Daten und Informationen gesammelt werden können. Wann, wohin und wie bewegen sich die Nutzer von einem Ort zum anderen? Wo hält er sich oft auf? Wie lange bleiben sie? Besonders diese GPS Daten sind für die Unternehmen besonders nützlich und sehr gefragt, so Sicherheitsforscher Mike Kuketz. Insbesondere, da das Spiel den gesamten Tag über im Hintergrund läuft, zeichnet es ein sehr präzises Bewegungsprofil der Nutzer:innen auf. Diese Daten werden dann weitergeleitet, und das an Server, die in der Datenschutzerklärung gar nicht genannt werden.

 

 

 

Auf dem Bild sind zwei Jugendliche in der Stadt zu erkennen. Der Jugendliche auf der rechten Seite läuft mit dem Handy in der Hand. Bei Pokemon Go läuft man durch die Gegend und versucht möglichst viele Pokemon zu fangen.

Der Wert der Daten

Daten sind für Unternehmen so wichtig, da anhand dieser beispielsweise benutzerspezifische Werbungen generiert werden. Die Konzerne möchten beispielsweise herausfinden, was die Präferenzen der Nutzer:innen sind, im Online Kauf zum Beispiel. Mithilfe dieser Informationen können Unternehmen wie unter anderem Google ihre Werbung an die Nutzer:innen anpassen und Online Verkäufe und somit ihre Einnahmen steigern. Der sogenannte Überwachungskapitalismus nutzt dabei, was die Menschen online von sich preisgeben. Besonders Geräte wie Alexa oder Google Home entwickelten sich dabei zu Kernaspekten bei der Überwachung von einzelnen Personen bis zu gesamten Haushalten. Diese Geräte bieten eine “Personalisierung” an, und könnten laut Zuboff das “operating system” im Leben der Nutzer:innen werden. Zuboff(2019) erwähnt zudem, dass mithilfe solcher Geräte, die quasi 24 Stunden am Tag Zugang zu Dialogen sowie Anweisungen der Nutzer:innen haben, unser Verhalten und unsere Aktionen beeinflussen, sowie formen sollen. Alle Interaktionen der Nutzer:innen werden aufgezeichnet und gespeichert, manchmal weiterverkauft. Durch den Einfluss den diese Geräte auf uns ausüben sollen, soll der Umsatz der Konzerne gesteigert werden. Nun haben die Konzerne einen weiteren Weg zur Überwachung gefunden, einer der nicht auf die eigenen Vierwände der Spieler:innen limitiert ist. 

 

Niantic, die Firma hinter Pokemon Go, speichert die Daten der Spieler:innen weltweit in den Vereinigten Staaten, einem Land, welches im Vergleich zu beispielsweise Deutschland weniger strenge Datenschutzregelungen hat. So können die Konzerne die Datenschutzabkommen wie etwa den “Privacy Shield” umgehen und somit Daten erhalten, an welche sie im jeweiligen Land der Nutzer:innen nicht herangekommen wären. All diese Daten und die benutzerspezifischen Anpassungen sorgen dafür, dass durch Verkäufe, Klicks und ähnliches mehr Gewinn erzielt werden kann. Dies geschieht ohne das Wissen des Nutzers, der die AGB’s meistens nicht komplett durchliest oder einfach wegdrückt. Diese Bedingungen fordern jedoch Zugang zu vielen persönliche Daten, über die schon genannten Standorteinstellungen, als auch Zugriff auf die Kamera und Speichermedien. 

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Dieser YouTube Beitrag behandelt die Sicherheitslücken und den Umgang mit Daten des Pokemon Go Betreibers Niantic, und wie sich diese auf die Nutzer:innen auswirken.

Sponsoring und Partnerschaften

Jedoch ist das nicht der einzige Weg wie Niantic Kapital aus der Ortung und Lokalisierung der Spieler:innen schlägt.In Japan stellte Niantic sogenannte “Arenen” an gesponsorten Filialen von McDonald’s auf. An diesen Arenen konnte man besonder seltene und begehrte Belohnungen erhalten.Die Spieler:innen pilgern zu den Filialen und bleiben dann meistens noch zum essen. So profitieren beide Seiten vom Deal, welcher besagt dass Partner 0.15 Cent für jeden angelockten Kunden zahlen. In Japan zogen Partnerfilialen im Durchschnitt 2.000 Besucher pro Tag an. Bei den rund 3000 Partnerfilialen ein Riesenumsatz, welcher sich schätzungsweise auf 900.000$ am Tag beläuft.

Auf dem Bild ist ein Schloss zu sehen, welches an ein Digitalen Bildschirm angelehnt ist. Die Sicherheit der Daten ist eine große Streitfrage im Fall Pokemon Go.

Wie kann man sich schützen?

Im Endeffekt speichert Niantic zwar Daten und leitet diese auch weiter, jedoch sind diese verschlüsselt und tatsächlich für das Spiel notwendig. Kritisch zu betrachten sind eher die schwammig formulierte Datenschutzerklärung und fragwürdige Klauseln. So ist zum Beispiel nur von der Weiterleitung an Drittanbietern die Rede, und auch welche Daten genau erfasst werden, wird nicht so richtig klar. Hier muss ganz klar gesagt werden, dass eine transparente Kommunikation mit den Spieler:innen kaum gegeben ist. Wer nicht möchte, dass Niantic anhand des Kontos Rückschlüsse auf die Identität der Spieler:innen zieht, sollte sich möglichst nicht über seine persönliche E-Mail Adresse, wie zum Beispiel der Google Mail anmelden, sondern einen separaten Account erstellen. Niantic untersagt dies zwar, jedoch wird es für das Unternehmen kaum nachzuvollziehen sein, welche E-Mail echt und welche ein Pseudonym ist. Zudem kann über die offizielle Niantic E- Mail Adresse verlangt werden, dass die Daten nicht an Dritte weitergegeben werden. Dennoch wird man beim spielen nicht ums Datenpreisgeben herumkommen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

In diesem Beitrag wird auf die Schwachstellen im Datenschutz bei Pokemon Go aufmerksam gemacht und auf legale Probleme hingewiesen.

Im Endeffekt gilt natürlich, dass jeder im Internet auf eigene Verantwortung handelt. Wie viel und was man von sich preisgibt, das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Trotzdem gilt wie immer, lieber einmal zu viel als zu wenig checken. So kann man auch im Internet Sicherheit und Privatsphäre genießen

 

Was ist eure Meinung zu Pokemon Go? Würdet ihr das Spiel trotzdem spielen oder schreckt euch der Datenhandel ab? Welche Themen wollt ihr in Zukunft bei uns lesen? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen! Hier findet ihr einen Bericht zum Thema Datenschutz an Schulen.

Werbung