Am 20. November war der Internationale Tag der Kinderrechte. Jährlich vergegenwärtigen sich weltweit Menschen an diesem Tag der aktuellen Lage der Kinderrechte. Ein besonderes Recht, das vor allem für Kinder von herausragender Bedeutung ist, ist das Recht auf Bildung. Heutzutage erhalten Kinder in vielen Ländern immer noch keinen Zugang zu Bildung, obwohl ihnen dieser als Grundrecht zusteht. Aber auch die momentanen Schulschließungen und die Homeoffice-Verpflichtungen in Industrieländern zeigen, dass auch in hochentwickelten Staaten das Recht auf Bildung keinesfalls als gesichert angesehen werden kann. Somit hat die Auseinandersetzung mit diesem Thema durch die derzeitige Pandemie nochmals an Relevanz hinzugewonnen.

Das Recht auf Bildung in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO

Zu sehen sind sechs Kinderhände, die nach oben ausgestreckt sind. Auf den Innenseiten der Hände steht jeweils ein Buchstabe des Wortes “RIGHTS”. Am 20. November ist internationaler Tag der Kinderrechte. 1948 wurde unter anderem das Recht auf Bildung in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO aufgenommen.

Als die Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 ihre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedeten, nahmen sie dabei auch das Recht auf Bildung im 26. Artikel des Beschlusses auf. In dieser Urkunde legten Sie fest, dass zumindest die grundlegende Bildung unentgeltlich und obligatorisch ist, dass Bildung der Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit, der Achtung der Menschenrechte und der Verständigung unter den Völkern dienen soll und dass Eltern ein vorrangiges Entscheidungsrecht über die Art der Bildung ihres Kindes besitzen.

Zusätzlich definierten sie vier Strukturelemente für die Einzelstaaten: Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Angemessenheit und Adaptierbarkeit. Mit Verfügbarkeit ist die Bereitstellung von Schulen und Lehrer:innen durch die Staat gemeint. Die Zugänglichkeit soll allen Kinder, also auch Armen, Kranken und sozial Benachteiligten, eine Perspektive ermöglichen. Die Angemessenheit soll die inhaltliche Qualität des Unterrichts sicherstellen. Und die Adaptierbarkeit soll schließlich die flexible Anpassung der jeweiligen Ausbildung an die sich permanent wandelnden, sozialen Strukturen gewährleisten.

Seit 1948 wurde dieses Recht immer wieder in darauffolgende Menschenrechtskonventionen aufgegriffen. Eine davon ist die UN-Kinderrechtskonvention von 1989, die auch von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet, ratifiziert und umgesetzt wurde. Auf diese Weise wurden die konkreten Festlegungen mit der Zeit immer weiter ausgebaut. So wurde beispielsweise seitdem die Diskriminierung in der Bildung immer stärker fokusiert und bekämpft. Daran erkennt man, dass das Recht auf Bildung nicht nur sich selbst dient, sondern auch den anderen Menschenrechten zuarbeitet.

Das Recht auf Bildung in unserer heutigen Zeit

Zu sehen ist ein offenes Buch, auf dem ein kleiner Globus liegt. Das Recht auf Bildung wird in den verschiedenen Weltregionen unterschiedlich stark umgesetzt.

Trotz all dieser Bemühungen existieren bis heute einige Defizite im Bereich der Lehre und Erziehung. Dies zeigt sich besonders deutlich seit dem Beginn der Corona-Pandemie. Schüler:innen müssen sich seit fast zwei Jahren immer wieder neu an Schulschließungen, Wechselunterricht und Homeschooling anpassen. Ein politisches Mitspracherecht besitzen sie dabei aufgrund ihrer Minderjährigkeit nicht.

Mittlerweile scheint sich die Lage durch die verschiedenen Corona-Impfstoffe und durch Alternativlösungen zum Lernen etwas entspannt zu haben. Allerdings trifft dies hauptsächlich auf reichere Länder zu. Staaten mit einem höheren Durchschnittseinkommen besitzen eher die technischen Voraussetzungen, das Knowhow und die finanziellen Mittel, um angemessen auf diese Ausnahmesituation reagieren zu können, als ärmere Länder, die bereits schon vor der Pandemie einige Probleme hatten und die sich nun zusätzlichen Belastungen ausgesetzt sehen. Sind nicht einmal die lebensnotwendige Verpflegung gesichert, dann bleiben keine Kapazitäten mehr frei, um sich beispielsweise einen Computer mit Stromanschluss und Internetzugang zum Online-Lernen anzuschaffen. Stattdessen müssen manche Kinder sogar arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen. Ihnen fehlen die Mittel, sich den Umständen entsprechend anzupassen. Die Folge ist, dass es international erhebliche Unterschiede bei der Dauer der Schulausfällen, bei der Schwere der Bildungsrückständen und bei der Anzahl an Schulabbrechern gibt. In Gebieten mit bereits bestehenden Bildungsdefiziten verschärft dementsprechend die pandemische Lage die Probleme zusätzlich. Die gesellschaftliche Spaltung in vermögende Gebildete und chancenlose Ungebildete wird dadurch vertieft.

Die Bedeutung des Rechts auf Bildung für das Recht auf körperliche Unversehrtheit

Zu sehen ist ein Mädchen, das in eine Decke gewickelt ist, im Dunkeln sitzt und ein Pappschild mit dem Wort “HELP” hoch hält. Mit dem Recht auf Bildung hängen noch weitere Kinderrechte zusammen, zum Beispiel das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Für Schüler:innen ist speziell das Recht auf Bildung von enormer Bedeutung. Dazu gehört aber nicht nur die Chance zu Lernen. Freizeit, Freunde und Erholung sind ebenso wichtig. Auch hier müssen Kinder aufgrund der aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen einige Ausfälle ertragen. Dies kann sich vor allem negativ auf ihre psychische Verfassung auswirken. Die Anzahl an Schüler:innen mit Depressionen, Angstzuständen und Neurosen ist während der Pandemie extrem stark angestiegen.

Nicht minder gefährden die Schulschließungen auch die körperliche Gesundheit der Schüler. Kinder haben das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Schutz vor Gewalt. Durch die Kontaktbeschränkungen und durch die Schulschließungen fällt für manche Kinder ein sicherer Rückzugsort weg. Sie leben derzeit stattdessen isoliert mit ihren Familien auf engstem Raum unter sozialen Spannungen. Deshalb wächst derzeit die Gefahr von physischen Übergriffen. Die Möglichkeiten, sich an einen geschützten Ort zurückzuziehen oder sich jemanden anzuvertrauen, werden durch die Corona-Schutzmaßnahmen unbeabsichtigterweise vermindert. Vielen Kindern drohen deswegen irreparable Schäden sowohl für ihre geistige Verfassung, als auch für ihr körperliches Wohlergehen.

Insgesamt gesehen müssen die Rechte der Kinder besser geschützt werden. Wenn sich, wie es momentan durch die Corona-Pandemie der Fall ist, Einschränkungen der Grundrechte zum Wohle von Menschenleben nicht vermeiden lassen, dann muss immerhin genau abgewogen und beobachtet werden, wie weit die Auflagen reichen dürfen, welche Nebeneffekte diese nach sich ziehen und welche Alternativlösungen angewendet werden könnten. Das Recht auf Bildung ist eng mit vielen weiteren Menschenrechten verflochten. Folglich bedeutet die zumindest temporäre Verweigerung oder Verminderung von diesem die Beschneidung der allgemeinen Rechte eines Menschen. Dies sollte bei der Planung der Corona-Gegenmaßnahmen berücksichtigt werden.

Was ist Deine Meinung zur Beschränkung der Kinderrechte aufgrund der Corona-Pandemie? Lass es uns gerne durch einen Kommentar wissen. Falls Dich noch weitere aufschlussreiche Artikel zum Thema Rechte, Bildung und Kinder interessieren, dann findest Du hier einen Artikel zur Menschenrechtslage in Afghanistan und hier findest Du einen Bericht über den aktuellen epidemischen Stand an deutschen Schulen.