Das Abitur ist abgeschlossen, die Schullaufbahn beendet und nun stellt sich die große Frage: Welche Karriere soll ich einschlagen? Ausbildung oder Studium? Und damit ist es noch lange nicht getan. Die Fragen und Entscheidungen, die sich den Schüler:innen nach der Schule eröffnen, sind beinahe endlos: Vom Studienfach über den Studienort bis hin zur Wohnungssuche muss so einiges im Vorhinein geklärt werden.

Bis heute ist das Lehramtsstudium eine beliebte Wahl unter jungen Erwachsenen. Im Jahr 2018 entschloss sich jeder achte Studienanfänger bundesweit für eine Karriere als Lehrkraft, Tendenz steigend. Aber wie genau läuft das Studium überhaupt ab? Welche Stationen müssen abgeschlossen werden, bis ich tatsächlich als ausgebildete Lehrkraft vor eine eigene Schulklasse treten darf? Alle Antworten rund um den Ablauf des Studiums – vom Bachelor über den Master bis hin zum Referendariat – findet Ihr im heutigen Artikel.

Disclaimer – was es im Vorhinein zu beachten gibt!

Ein aufgeschlagenes Buch, auf dem sich ein Globus befindet.

Bildung ist Ländersache. So herrschen innerhalb des Lehramtsstudiums einige fundamentale Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern, die es bereits vor Beginn des Studiums zu beachten gilt. Mittlerweile hat sich das Bachelor-Master-System in den meisten Bundesländern Deutschlands eingebürgert, wobei die Länder Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Sachsen nach wie vor das traditionelle Studium mit dem Staatsexamen als finale Prüfung beibehalten haben. Grundsätzlich ist der Aufbau der Studienlaufbahn irrelevant. Am Ende zählt lediglich, entweder einen Master of Education oder das erste Staatsexamen in der Tasche zu haben. Beide Abschlüsse werden in sämtlichen Bundesländern vollständig anerkannt.

Bei einigen Vorgaben der einzelnen Bundesländer kann es jedoch zu Problemen kommen. Einige Universitäten bieten Studienfächer an, die in ihrer jeweiligen Form in anderen Bundesländern überhaupt nicht existieren. Andere setzen verpflichtende Fächerkombinationen voraus oder haben unterschiedliche Fächerbestimmungen, insbesondere beim Grundschullehramt. Bereits bei der Wahl deines Studienortes solltest Du daher im Hinterkopf behalten, ob ein Länderwechsel für Dich in Zukunft infrage kommt oder gar notwendig ist. Beachtest Du all diese Faktoren entsprechend bei der Universitäts- und Fächerwahl, ersparst Du Dir von vorn herein Mühen und vermeidest unnötige Probleme auf Deinem persönlichen Weg ins Lehramt.

In diesem Artikel beschränken wir uns auf das weit verbreitete und modernisierte Bachelor-Master-System. Interessierst Du Dich hingegen für ein Lehramtsstudium mit Staatsexamen, findest Du am Beispiel des Bundeslandes Bayern in diesem Artikel genauere Informationen.

Alles in allem ist die Grundvoraussetzung für sämtliche Lehramtsstudiengänge die allgemeine Hochschulreife, beziehungsweise das Abitur. Ein paar wenige Fächerverbindungen ermöglichen das Studium auch mit einer fachgebundenen Hochschulreife. Viele Hochschulen und Universitäten besitzen für bestimmte Fächerkombinationen lokale Zugangsbeschränkungen, die universitätsintern individuell festgelegt werden. Zudem erfordern einige Fächer, wie beispielsweise Sport, Kunst oder Musik, eine zusätzliche Eignungsprüfung.

Lasset die Reise beginnen: Das Bachelorstudium

Ein Abschlusshut steht auf einem Bücherstapel, im Hintergrund ein Globus

Das Bachelorstudium setzt sich gemäß der Regelstudienzeit aus insgesamt sechs Semestern zusammen. Die meisten Universitäten bieten heutzutage sämtliche Studienfächer mit Lehramtsoption an. Somit erhältst Du innerhalb des Studiums mehr Flexibilität und musst Dich nicht direkt zu Beginn des Studiums entscheiden, ob das Lehramtsstudium oder vielleicht doch eher ein reguläres Studium das Beste für Dich und Deine Karriereziele ist. Auf diese Weise erwarten Dich bei der Wahl der Lehramtsoption sämtliche pädagogische Lehrinhalte erst im Master. Je nach Fächerkombination und angestrebter Schulform hast Du mit Abschluss des Studiums den Bachelor of Arts, Science oder Education in der Tasche. 

Üblicherweise setzt sich das Bachelorstudium mit Lehramtsoption aus zwei Teilstudiengängen zusammen, wobei diese jeweils dem ersten und zweiten Unterrichtsfach an der jeweiligen Schulform entsprechen. Beim Bachelor of Arts ist zudem auch die Wahl eines dritten Faches optional möglich. Je nachdem an welcher Schulform Du in Zukunft unterrichten möchtest, eröffnen sich Dir unterschiedliche Möglichkeiten zur Kombination der Unterrichtsfächer. Einen Überblick über sämtliche Möglichkeiten an Gymnasien und Gesamtschulen findest Du in diesem Artikel. Der Artikel stammt von der Universität Wuppertal, ist aber für die meisten anderen Bundesländer repräsentativ. Grundsätzlich ist es jedoch empfehlenswert, sich konkret auf der Website der Wunschuniversität zu informieren, um auch hier Fehler und Abweichungen zu vermeiden.

Eine Besonderheit im Studienaufbau stellt der Bachelor of Education dar, der für die sonderpädagogische Förderung eingeschlagen werden muss. In diesem Fall setzt sich der Bachelor aus insgesamt drei Teilstudiengängen zusammen: Sonderpädagogik sowie wahlweise Mathematik oder Deutsch sind bereits fest vorgesehen. Im dritten Teilstudiengang ist die freie Wahl eines zweiten Unterrichtsfaches möglich.

Der Endspurt an der Universität beginnt: Das Masterstudium

Eine Schulklasse hört aufmerksam der präsentierenden Lehrerin zu

Das Masterstudium besteht laut Regelstudienzeit insgesamt aus vier Semestern, wobei die Fächerkombination aus dem Bachelorstudium identisch fortgeführt wird. In vielen Bundesländern erfolgt an dieser Stelle zudem die Spezialisierung auf eine spezifische Schulform. Die Wahl besteht hierbei aus Grundschulen, Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen. Auch das Berufskollegs und die sonderpädagogische Förderung sind mögliche Spezialisierungswege. 

Im Zentrum des Masters stehen neben den Vertiefungen der fachspezifischen Kenntnisse vor allen Dingen die fachpädagogische, beziehungsweise -didaktische Ausbildung. Nach Abschluss des Masterstudiums hast Du schließlich Deinen Master of Education in der Tasche und bist bereit für den finalen Schritt: das Referendariat.

Mehr als nur Theorie: Verpflichtende Praxiserfahrungen außerhalb des Studiums

Häufig wird am Lehramtsstudium der Mangel an Praxiserfahrungen kritisiert. Der Fokus des Studiums liegt klar auf den theoretischen Inhalten: das Fachwissen gleichermaßen wie die pädagogische und didaktische Weiterbildung. Dennoch beinhaltet das Lehramtsstudium in den allermeisten Bundesländern sowohl im Bachelor als auch im Master einige Praktika, um den Lehrerberuf auch tatsächlich von der anderen Seite kennenlernen zu können und dadurch tiefgründige Einblicke in die alltägliche Arbeit zu erhalten. 

Im Bachelor ist zumeist ein erstes Eignungs- und Orientierungspraktikum von mindestens 25 Praktikumstagen vorgesehen. Optimalerweise sollte dieses Praktikum entweder noch vor dem Beginn des Studiums oder unmittelbar nach dem Abschluss des ersten Fachsemesters absolviert werden, um sich hinsichtlich des Lehrerberufs als Ganzes, sowie der gewählten Schulart, orientieren zu können. Zudem soll es den jungen Studierenden dazu verhelfen, aus der gewohnten Schülerrolle auszutreten und die Perspektive der Lehrkräfte einzunehmen. Im Zentrum dieses Praktikums stehen neben der Beobachtung und Vorbereitung des Unterrichts die Bewältigung anderer “versteckter” Aufgaben hinter den Kulissen des Lehreralltags. In wenigen Bundesländern, wie beispielsweise Bayern oder Nordrhein Westfalen, kann ein solches Praktikum gar als Studienzugangsvoraussetzung erwartet werden. 

Mehrere Schüler:innen sitzen vor einem Laptop und besprechen sich freudig.

Zusätzlich muss innerhalb des Bachelors ein außerschulisches Berufsfeldpraktikum mit einer Dauer von vier Wochen abgeschlossen werden. Dieses kann entweder im pädagogischen Bereich oder im Gebiet der gewählten Studienfächer liegen. Dabei soll es den Studierenden die Möglichkeit geben, eine andere Schulart oder gar einen anderen Karriereweg kennenzulernen und die Studienwahl erneut zu reflektieren. So ist es beispielsweise für Lehramtsstudierende der Sekundarstufe möglich, ein Praktikum in einer Grundschule abzuleisten. Wer jedoch mehr Variationen möchte oder Einblicke in einem von Grund auf andersartigen Beruf erhalten will, kann ein solches Praktikum auch in einem beliebigen Bereich der eigenen Studienfächer wählen. So könnten zum Beispiel Chemiestudent:innen genauso gut Praxiserfahrung in einem Forschungslabor sammeln und so vollkommen aus ihrer angestrebten Rolle als Lehrkraft austreten. Dieses Praktikum dient dementsprechend der Erweiterung des eigenen Horizonts und der Reflektion über die angestrebte Karriere als Lehrkraft. Gleichzeitig erhalten die Studierenden wertvolle Einblicke in viele diverse Teilgebiete ihres Studienganges, die sie nutzen können, um nach Abschluss des Bachelor of Arts oder Science ihre finale Entscheidung zu treffen: Wähle ich tatsächlich die Lehramtsoption und starte zukünftig als Lehrkraft durch oder schlage ich vielleicht doch einen anderen Weg ein und absolviere stattdessen einen regulären Master of Arts? 

Hast Du Dich nun dazu entschlossen den Master of Education in Angriff zu nehmen, erwartet Dich auch in diesem Abschnitt deiner Universitätslaufbahn ein gewisser Praxisanteil. So fordern viele Bundesländer den Abschluss eines Praxissemesters an einer Schule in der Ausbildungsregion der Universität, das sich mindestens über fünf Monate erstreckt. 

Solltest Du Dich dazu entscheiden, eine moderne Fremdsprache, wie etwa Französisch, Englisch oder Spanisch, mit Lehramtsoption zu studieren, ist an vielen Universitäten der Auslandsaufenthalt von mindestens drei Monaten ebenfalls eine Voraussetzung für den Abschluss des Studiums.

Sämtliche Praktika, die im Laufe des Lehramtsstudiums übernommen wurden, müssen in Portfolios dokumentiert und reflektiert werden. In Anbetracht der Tatsache, dass die Dauer des Referendariats in vielen Bundesländern von Zeit zu Zeit gekürzt wird, ist der Bedeutung der Praktika umso mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Innerhalb dieser Praxisphasen sollten die Studierenden die Chance erhalten, unmittelbar am Schulalltag teilzuhaben – und das auch über die Unterrichtsstunden hinaus. Von der Unterrichtsplanung über interne Konferenzen bis hin zu Korrekturen sollten im Idealfall sämtliche Facetten des Lehrerberufs in Erfahrung gebracht werden, um als Praktikant:in einen realistischen und allumfassenden Eindruck des Arbeitsalltags als Lehrkraft sammeln zu können.

Der finale Schritt: Das Referendariat

Mehrere Schüler:innen werfen ihre Abschlusshüte feierlich in die Luft

Das Studium ist nun geschafft, nun steht Dir nur noch das Referendariat bevor. In diesem Abschnitt Deiner Ausbildung sammelst Du innerhalb von insgesamt 18 bis 24 Monaten unmittelbar praktische Erfahrungen im Schulalltag. Als Referendar:in erhältst Du die Möglichkeit zu eigenständigen Unterrichtseinheiten, die in regelmäßigen Abständen im Zuge von Lehrproben durch Fachleiter:innen geprüft werden. Zusätzlich besuchst Du Unterrichtsstunden Deiner Kolleg:innen und kannst damit wertvolle Erfahrungsberichte bereits ausgebildeter und aktiv praktizierender Lehrkräfte sammeln.

Parallel zum Referendariat an den Schulen finden an bestimmten Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung sogenannte Studienseminare statt, die sich je nach Bundesland und Studienfachkombination auf die fachdidaktische, pädagogische und schulrechtliche Weiterbildung fokussieren.

Obwohl diese Phase des Referendariats von den Studierenden häufig als sehr stressig und arbeitsintensiv wahrgenommen wird, kann sie Dich auf Deinem persönlichen Werdegang zur Lehrkraft entscheidend weiterbringen. Sie gibt Dir die einzigartige Möglichkeit, Stück für Stück im Lehrerberuf und -alltag anzukommen, sich Tipps und Tricks von erfahrenen Kolleg;innen anzueignen und den persönlichen Unterrichtsstil an der eigenen Unterrichtsklasse zu erproben und individuell weiterzuentwickeln.

Im Anschluss an den Vorbereitungsdiensten folgt das zweite Staatsexamen, dessen Note sich aus mehreren Prüfungsteilen zusammensetzt: aus den Unterrichtsbewertungen und aus einer schriftlichen Arbeit. Anschließend steht Deiner Verbeamtung als Lehrkraft nichts mehr im Wege!

Wir hoffen, Dir mit diesem Artikel einen guten Überblick über den Ablauf des gesamten Lehramtsstudiums geboten und mögliche Verwirrungen aus dem Weg geschaffen zu haben! Denke dennoch daran, Dich sorgfältig bei Deiner Wunschuniversität zu informieren, die möglicherweise Besonderheiten im Lehr- und Prüfungsprozess aufweisen. Also dann, worauf wartest Du noch? Ab geht´s an die Universität! Beginne schon bald Deinen Werdegang als Lehrkraft und bleib hier bei LehrerNews rund um die digitale Bildung immer auf dem neuesten Stand! Erfahre beispielsweise in diesem Artikel, welche Rolle Psychotherapien in der Verbeamtung von Lehrkräften spielen. Du möchtest in Deinen Unterrichtseinheiten innovative, digitale Lehrmethoden einbinden, dann findest Du hier, hier und hier einige hilfreiche Infos zum Einsatz von Videospielen!