Leider gibt es heutzutage immer noch Vorfälle in Schulen, bei denen Schüler:innen oder Lehrer:innen rassistischen oder diskriminierenden Bemerkungen ausgesetzt sind. Deshalb ist es umso wichtiger, dieses Thema nicht zu vernachlässigen und interaktive Projekte gegen Rassismus und Mobbing mit Schüler:innen zusammen zu planen und durchzuführen. Ein Weg, um dies zu erreichen, ist die Teilnahme am Schulnetzwerk “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”. Mehr dazu erfährst du in diesem Artikel.

Was ist Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage?

Es ist ein Projekt für alle Schulmitglieder, egal ob Schüler:innen oder Lehrer:innen. Es soll zu einem besseren Klima in der Schule beitragen, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden. Das Schulnetzwerk “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” gibt es schon seit 1995. Mit rund 3.600 teilnehmenden Schulen und somit fast zwei Millionen Schüler:innen ist es das größte Schulnetzwerk Deutschlands. Außerdem werden Lehrkräfte und Schüler:innen von über 100 Koordinierungsstellen und 400 außerschulischen Kooperationspartnern unterstützt. Mehr Informationen zu “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” findest du hier.

Wie läuft das Projekt in der Praxis?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen haben wir ein Interview mit dem Schulleiter Niko Lamprecht und dem Leiter der AG zum Projekt Herr Bollinger von der Carl-von-Ossietzky-Schule in Wiesbaden geführt. Die Schule ist bereits seit 2019 Mitglied des Schulnetzwerkes “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”. Wir haben uns unter anderem darüber informiert, wie sie Teil dieses Netzwerkes wurden und wie die Schüler:innen auf die Projekte im Rahmen dieses Netzwerkes reagiert haben.

Wie die Carl-von-Ossietzky-Schule zu einer Courage-Schule wurde:

ZDB: Wie sind Sie auf die Organisation “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” aufmerksam geworden?

Carl-von-Ossietzky-Schule: Das Projekt war uns bereits seit vielen Jahren bekannt, u.a. durch die Mitgliedschaft anderer Schulen und durch die Medien.

ZDB: Was hat Sie dazu motiviert eine Courage-Schule zu werden? Welche Voraussetzungen gibt es um an diesem Projekt teilzunehmen?

Carl-von-Ossietzky-Schule: Im Rahmen einer Projektwoche 2018 wurde in einem Kurs der Entwicklungsphase  (E-Phase) das Thema „Rassismus“ behandelt. Mit einigen Schülerinnen und Schülern dieses Kurses entstand mit dem Tutor Herr Bollinger die Idee, die Schule zur Projektschule zu machen. Hierfür wurde eine breite Unterstützung der Schülerinnen und Schüler, der Lehrkräfte sowie weiterer an der Schule tätigen Personen eingeholt. Ein Großteil der Menschen an der CvO haben eine Selbstverpflichtung zum Thema Rassismus unterschrieben – dies ist Voraussetzung zur Teilnahme.

Welche Projekte das Schulnetzwerk bietet

ZDB: Welche nachhaltigen Projekte, Aktionen und/oder Veranstaltungen haben Sie durchgeführt, um diese Auszeichnung zu erhalten? 

Carl-von-Ossietzky-Schule: Inzwischen ist eine AG zum Projekt entstanden, darüber hinaus finden immer wieder Zeitzeugen- sowie Expertenveranstaltungen statt. Verschiedene Klassen haben das Thema in den Projektwochen aufgegriffen, zum Teil mit internationalen Besuchen im Rahmen des „European School Networks“. Mit unserem Bildungspartner „Spiegelbild“ aus Wiesbaden finden Workshops für die Klassen der E-Phase statt. Auch die Austauschprogramme mit Israel und Russland sowie im Rahmen des „European School Network“ lassen sich in diesen Bereich verorten, ebenso die Teilnahme von Kursen an Gedenkveranstaltungen in Wiesbaden.

Der Anteil der Schüler:innen an den Projekten:

ZDB: Welchen Anteil hatten die Schüler:innen an diesen Projekten, welchen die Lehrer.innen?

Carl-von-Ossietzky-Schule: Dies ist unterschiedlich. Zum Teil werden Infogespräche mit den Schülerinnen und Schülern durch Mitglieder der AG getragen, hier unterstützen die Lehrkräfte nur im Hintergrund. Andere Veranstaltungen werden durch die Lehrkräfte oder Fachschaften organisiert.

ZDB: Waren die Schüler:innen motiviert sich gegen Rassismus und für ein besseres Schulklima einzusetzen?

Carl-von-Ossietzky-Schule: Dies ist unterschiedlich. Sehr viele Schülerinnen und Schüler sind interessiert und zum Teil schockiert über den Rassismus, den Schülerinnen und Schüler im Alltag erleben, wenn die Thematik im Unterricht oder Workshops behandelt wird. Bei einigen führt dies dazu, dass sie sich auch in einer AG oder an anderer Stelle gegen Rassismus engagieren.

ZDB: Waren die Projekte interaktiv und was haben die Schüler:innen aus ihnen gelernt und mitgenommen? 

Carl-von-Ossietzky-Schule: Die Projekte sind zumeist interaktiv. Wir erhoffen uns, dass die Schülerinnen und Schüler Rassismus als Gefahr für die Gesellschaft wahrnehmen und sich im Alltag gegen Rassismus einsetzen. Was konkret mitgenommen wird, ist jedoch sehr individuell.

Welche Projekte in Zukunft geplant sind:

ZDB: Stehen in nächster Zeit weitere Projekte zum Thema “Schule ohne Rassismus” an?

Carl-von-Ossietzky-Schule: Eine Schülergruppe hat sich bereit erklärt als Ansprechpartner zu dienen, falls Schülerinnen und Schüler Opfer von Rassismus geworden sind. Dies wird in der AG und von Frau Conradi und Herr Bollinger begleitet. Ebenso ist eine Lehrkräftefortbildung sowie weitere Workshops für die Schülerschaft geplant. Sobald die Corona-Lage sicherer ist, sollen auch wieder vermehrt Veranstaltungen stattfinden – das hoffen wir zumindest sehr! In Kürze werden größere Plakattafeln im Schulgebäude ausgestellt, auf denen sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und der Schulleiter gegen Rassismus positionieren.

Welche Netzwerke sie schulintern nutzen und wie man sich über die Projekte informieren kann:  

ZDB: Wie und wo kann man sich über die verschiedenen Projekte informieren? Wurde bereits etwas veröffentlicht?

Carl-von-Ossietzky-Schule: Auf der Homepage der Schule, auf dem Instagram-Chanel der Schule.

ZDB: Ist ein Projekt besonders gut gelungen und hat viel Aufmerksamkeit bekommen

Carl-von-Ossietzky-Schule: Verschiedene Projekte finden Aufmerksamkeit – Veranstaltungen mit Zeitzeugen, die Verleihung des Titels „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ mit einer Diskussion zum Antisemitismus im  deutschen Hip-Hop, die Austauschprogramme.

ZDB: Welche Plattformen bzw. Netzwerke werden schulintern genutzt?

Carl-von-Ossietzky-Schule: Aktuell arbeitet die AG hauptsächlich analog und über das Schulportal, die Schülerinnen und Schüler sind natürlich enger vernetzt über WhatsApp etc.

Wie findet ihr das Schulnetzwerk? Ist es ein gutes Projekt, um den Schüler:innen dieses wichtige Thema näher zu bringen? Weitere Artikel zum Thema findet ihr hier und hier.