Kinder gehören zu den Hauptleidtragenden in der Corona-Pandemie. Durch Schulschließungen wurde nicht nur ihr Recht auf Bildung indirekt eingeschränkt, sie wurden auch aus ihrer gewohnten Tagesstruktur gerissen. Aufgrund der Notsituation wurde von heute auf morgen das komplette Schulsystem auf die Distanzlehre umgestellt. Es gab dazu keinerlei Vorbereitungen. Dies belastete unter anderem die Psyche der Kinder. Bereits ein Jahr nach Beginn der Pandemie zeigten ein Drittel aller Kinder psychische Auffälligkeiten. Deshalb ist aktuell eine weit verbreitete Forderung an die Politik, weitere Schulschließungen zu verhindern.

Geringe Impfquote bei den Minderjährigen

Zu sehen ist ein kleines Kind, dem eine medizinische Maske im Gesicht gerichtet wird.

Die Minderjährigen bilden die größte Gruppe der ungeimpften Menschen in der Bevölkerung. Alle Corona-Impfstoffe sind erst ab 12 Jahren zugelassen. Gleichzeitig ist die Impfquote der 12 – 17 Jährigen im Vergleich zur Quote der Erwachsenen um einiges geringer. Die Zulassung für die Impfung von Jugendlichen kam erst, nachdem alle älteren Bevölkerungsschichten bereits eine erhalten haben. Als Begründung für dieses Vorgehen gaben Ärzt:innen, Virolog:innen und Politiker:innen an, dass Kinder von Natur aus ein besseres Immunsystem besitzen. Durch ihr junges Alter ist die Wahrscheinlichkeit für Kinder, an einem schweren Covid-19-Verlauf zu erkranken, deutlich geringer. Durch die Impfstoffknappheit bevorzugte man zunächst die Ältesten der Gesellschaft. Allerdings sind auch Kinder nicht immun gegen das Virus. Sie können sich dennoch infizieren. Im schlimmsten Fall erkranken sie an Long-Covid oder Post-Covid. Dann haben sie mit erheblichen Langzeitfolgen zu kämpfen. Zu den häufigsten Symptomen bei Kindern gehören Abgeschlagenheit, Konzentrationsprobleme und Muskelschmerzen. Bei Vorerkrankungen ist das Risiko deutlich höher. Da das SARS-CoV-2 Virus erst vor relativ kurzer Zeit entstand, gibt es noch kaum Forschungen zu Therapiemöglichkeiten bei Langzeitfolgen.

Auffällig hohe Inzidenzzahlen bei Kindern

Zu sehen ist ein krank aussehendes Kind auf einem Flur, das ein Thermometer im Mund hat.

Deshalb dürfen sich Schulen nicht zu Infektionsherden entwickeln. Zum einen, um die Kinder zu schützen, zum anderen, um die Pandemie allgemein einzudämmen. Aktuell sind die Inzidenzzahlen in keiner Altersgruppe so hoch wie bei den Minderjährigen. Laut dem Robert-Koch-Institut liegt die Inzidenz in der 42. Kalenderwoche 2021 bei den 5 – 7 Jährigen bei 194,39, bei den 10 – 14 Jährigen bei 236,39 und bei den 15 – 19 Jährigen bei 174,32. Zum Vergleich: Die Inzidenz der gesamten Bevölkerung beträgt 115,85. Man muss aber auch dazusagen, dass in keiner anderen Altersgruppe so regelmäßig flächendeckend auf Corona getestet wird. Auch die Zahl an wiederholten Corona-Ausbrüchen in den Schulen ist alles andere als gering. Allein in den Meldewochen 36 – 39, als die Inzidenzzahlen noch geringer waren als die aktuellen, gab es etwa 201 Ausbrüche in Kitas und 481 Ausbrüche in Schulen. Dabei gab es im Durchschnitt 5 Fälle pro Kita-Ausbruch und 4 Fälle pro Schul-Ausbruch. Wegen Nachmeldungen können sich diese Zahlen noch verändern. Ab zwei festgestellten Infizierten in einer Einrichtung gilt die Lage offiziell als Ausbruch.

Der Corona-Impfstoff für Kinder

Zu sehen ist ein kleines Kind mit einer medizinischen Maske, das gleich eine Spritze von einem Arzt mit einer Maske bekommt.

Umso lauter werden die öffentlichen Rufe nach einem Impfstoff für Kinder. Die Risiko-Nutzen-Abwägung spricht eindeutig für eine Zulassung der Corona-Impfstoffe für Kinder unter 12 Jahren. Ärzt:innen, Virolog:innen und Intensivmediziner:innen fordern eine baldige Zulassung. Nach der vorherrschenden Meinung von Expert:innen kommt diese auch noch vor Ende des Jahres. Das Pharmaunternehmen Biontech/Pfizer habe bereits eine Zulassung in der EU beantragt. Die Daten der Zulassungsstudien müssen noch ausgewertet werden. Man geht aber davon aus, dass es keine uneingeschränkte Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission geben wird. Diese wird vermutlich etwas länger dauern.

Andere Maßnahmen an Schulen

Zu sehen ist ein älterer Mann an einem Schreibtisch vor einer Tafel, der eine Maske trägt und in etwas notiert.

Daneben werden noch über zahlreiche andere Maßnahmen diskutiert. So spricht sich der Bundeselternrat für eine Impfpflicht für Lehrer aus. Diese soll gesetzlich festgeschrieben werden. Auf diese Weise könnten die Infektionszahlen in Schulen gesenkt werden. Allerdings lehnen sowohl der Verband Bildung und Erziehung als auch die Bundesregierung dies ab.

Auch beim Thema Maskenpflicht gibt es Streit. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe stellte sich gegen die Urteile von zwei Familiengerichten, die die Maskenpflicht an Schulen aussetzen wollten. In Weimar und in Weilheim legten im Frühjahr zwei Familienrichter:innen fest, dass die Maskenpflicht an Schulen rechtswidrig seien. Sie verwiesen auf die “Sorge um das Kindeswohl”. Höhere Instanzen kippten die Entscheidung, weshalb es keine Konsequenzen gab. Der BGH stellte nun fest, dass die Familiengerichte ihre Kompetenzen überschritten. Die Verwaltungsgerichte seien dafür zuständig.

Die aktuell geltenden Maßnahmen könnten sich ebenfalls ab dem nächsten Monat durch das Ende der “epidemischen Notlage von besonderer Tragweite” verändern. Die voraussichtlich neue Regierung aus SPD, FDP und Grünen legten den 25. November als den Tag fest, ab dem eine Übergangsregelung gelten soll. Somit wären erneute Lockdowns oder Schulschließungen ausgeschlossen. Aber auch hier gibt es Kritik. Der derzeitige Gesundheitsminister in Bayern, Klaus Holetschek verweist darauf, dass die Länder eine Grundlage brauchen, um Regelungen zur Infektionssenkung aufstellen zu können, die die Grundrechte der Menschen temporär außer Kraft setzen. Ohne diese könnten die Fallzahlen weiter steigen.

Wie sich die Gegebenheiten entwickeln werden und welche Maßnahmen dabei umgesetzt werden, wird sich noch zeigen. Fakt ist aber, dass die derzeitige Situation der Kinder kritisch ist. Steigende Inzidenzzahlen bei einer geringen Impfquote und bei weiteren Maßnahmen-Lockerungen stellen eine Gefahr für sie dar. Auch wenn sich die pandemische Lage durch die Verbreitung des Impfstoffes etwas entspannt, profitieren die Kinder am wenigsten davon. Deshalb ist es notwendig, dass deren aktuellen Probleme mehr in den Vordergrund geraten und dass das Wohl der Kinder besser umgesetzt wird.

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