In NRW sollen Schüler:innen ab Beginn der zweiten Woche nach den Herbstferien keine Masken mehr im Unterricht tragen, wenn das Infektionsgeschehen dies zulassen sollte. Masken müssten dann nur noch getragen werden, wenn Schüler:innen oder Lehr- und andere Arbeitskräfte sich im Schulgebäude nicht an ihren festen Plätzen befinden. Außerhalb des Schulgebäudes herrscht bereits keine Maskenpflicht mehr. Das Schulministerium von NRW kündigte an, dass am 25. Oktober, dem ersten Schultag nach den Ferien, und am 2. November alle Schüler:innen, so wie das Schulpersonal auf Corona getestet werden, wenn diese nicht bereits genesen oder geimpft sind, oder keinen aktuellen negativen Corona-Schnelltest vorweisen können. Laut der Schulministerin NRWs, Yvonne Gebauer (FDP), sei die Lockerung der Maskenpflicht eine Reaktion auf die steigende Impfquote und den sinkenden Infektionszahlen. In der Tat scheint die Anzahl der bereits geimpften Personen größer zu sein als bisher angenommen. So gab das Robert-Koch-Institut bekannt, dass die Impfquote doch höher sein könnte, als bisher angenommen.

Keine Maskenpflicht auch in anderen Bundesländern

Auch in vielen anderen Bundesländern haben die Kultusministerien die Maskenpflicht abgeschafft oder planen zumindest, sie nach den Herbstferien abzuschaffen. In Berlin müssen seit Monatsbeginn Schüler:innen bis zur 6. Klasse und in Bayern aller Jahrgangsstufen keine Masken mehr während des Unterrichts tragen. Ebenso ist dies der Fall in Brandenburg und dem Saarland. Auch in Baden-Württemberg sollen ab dem 18. Oktober keine Mund- und Nasenbedeckungen mehr nötig sein, um am Unterricht teilzunehmen.

Experten und Expertinnen warnen vor der Abschaffung von Masken im Unterricht

Zusehen sind mehrere grafische Darstellungen eines Virus.

Der Präsident des RKIs, Lothar Wieler, hingegen sieht die Lockerungen der Maskenpflicht im Unterricht kritisch. Es gäbe keinen Anlass, um mindestens bis zum Frühjahr 2022 die Empfehlungen zu den Corona-Schutzmaßnahmen an Schulen aufzuweichen. Es sei ab Herbst wieder mit einer Zunahme von Kontakten in Innenräumen und somit auch mit einer steigenden Infektionszahl zu rechnen. Gerade wegen des Risikos von Langzeitschädigungen durch den Covid-Virus sei man der Ansicht, dass die Kinder vor Corona geschützt werden müssen. „Wir wollen, dass Kitas und Schulen aufbleiben, aber bitte unter Beibehaltung von Schutzmaßnahmen“, betonte Wieler. Außerdem rief er die Bevölkerung nochmals zur Solidarität mit den Kindern (unter 12 Jahren) auf, die sich noch nicht impfen lassen können. Diese Kinder zu schützen gehöre zu der Verantwortung aller. „Dazu gehört auch, dass alle, die es können, die mit den Kindern umgehen, sich impfen lassen gegen Covid-19 und auch die anderen Maßnahmen einhalten.“

Auch die Virologin Prof. Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, die dem Beraterstab der Bundesregierung seit 2020 angehört, kritisiert den Verzicht auf Masken im Unterricht. Sie hält die Abschaffung der Maskenpflicht angesichts der hohen Anzahl an Nicht-Geimpften, wozu die Kinder zählen, für verfrüht „und ehrlich gesagt auch für ziemlich dumm.“

Der Virologe Ulf Dittmer, der Direktor des virologischen Instituts der Universitätsklinik Essen, meinte dazu, „[n]och vor den Ferien zu entscheiden, die Maskenpflicht an Schulen aufzuheben, grenzt für mich an Dummheit […] [w]ir kennen die Situation nach den Ferien. Wir wissen, dass es nach Urlaubsreisen einen erheblichen Eintrag des Virus gegeben hat, der immer auch Schulen und Kitas getroffen hat.“

Was sagen Lehrerverbände zu der Lockerung der Maskenpflicht?

Viele der Lehrerverbände NRWs befürchten, dass das Wegfallen der Maskenpflicht verfrüht beschlossen wurde, sind aber dennoch froh, dass zumindest 2 Wochen nach den Ferien gewartet wird. Laut Sabine Mistler, der Vorsitzenden des Philologenverbandes NRW, muss das Infektionsgeschehen nach den Herbstferien und nach der Rückkehr vieler Urlauber genau beobachtet werden, erst dann sollte entschieden werden, ob die Maskenpflicht aufgehoben werden kann.

Ähnlich sieht es der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW, Michael Schulte. Laut Schulte könne über die Maskenpflicht auch noch im November entschieden werden.

Auch die Gewerkschaft Lehrer NRW sieht ein Risiko in der Lockerung der Maskenpflicht. Laut des Sprechers Jochen Smets kann es passieren, dass wie im vergangenen Jahr die Infektionszahlen im Herbst noch einmal drastisch steigen. Des Weiteren seien viele Kinder und Jugendlichen nicht geimpft und gleichzeitig der Inzidenzwert in diesen Altersgruppen relativ hoch. „Klar ist: Alle am Schulleben Beteiligten wünschen sich eine schulische Normalität ohne Maske […] allerdings ist der Zeitpunkt 2. November zu früh. Viele Lehrkräfte haben die Sorge, dass die Infektionszahlen an den Schulen hochschnellen könnten“, so der Vorsitzende Sven Christoffer.

Laut des Vorsitzenden des Verbandes Bildung und Erziehung NRW sei es richtig, nach den Ferien zunächst vorsichtig zu starten, da es gelte, Quarantänen zu vermeiden und den Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten. Die Kinder und Jugendliche hätten es mehr als verdienen, nach der ganzen Zeit gemeinsam in Schulen zu lernen und wenn möglich, auch ohne Maske.

Zusehen ist ein Stückpapier auf dem „Corona virus“ geschrieben steht.

Was sagen Ärzteverbände und Politiker zu der Abschaffung der Maskenpflicht?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, welche sich schon länger gegen eine Maskenpflicht an Schulen aussprachen, begrüßen die Entscheidung in NRWs. Laut Jakob Maske, dem Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, sei jetzt „endlich wieder Zeit, normalen Unterricht zu machen, normal durch Mund und Nase atmen zu können, ohne dass hier eine Beschränkung durch die Maske da ist“. Der Verband sei wenig besorgt über die schnellere Verbreitung des Virus durch die Abschaffung der Maskenpflicht, da Kinder sehr selten schwer erkranken würden. Sie sollten dennoch durch Impfungen des Schulpersonals geschützt werden.

Auch der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befürwortet generell die Abschaffung der Maskenpflicht. Er sei davon überzeugt, dass Schulen durch das Testen für Sicherheit sorgen können.

Im Gegensatz dazu sieht die Kultusministerkonferenz (KMK) die Maskenpflicht durchaus als weiterhin notwendig an. Es sei unerlässlich, die Schulen offenzuhalten und den Präsenzunterricht zu sicheren. Deshalb sei die Maskenpflicht, so wie das Testen an Schulen, wichtig. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) begründet die Maskenpflicht an Schulen unter anderem mit den steigenden Infektionszahlen im Winter des letzten Jahres. „Wenn wir ein ernstes Interesse daran haben, die Schulen offenzuhalten, dann nehme ich lieber eine Sicherheitsmaßnahme mehr (…), als dass es wieder zu erneuten Schulschließungsdebatten kommt“, so Rabe.

Helfen Masken bei der Bekämpfung von Corona?

Zusehen sind mehrere Masken.

Zwei Studien aus den USA zeigen, dass es in den USA nach dem Ende der Sommerferien an Schulen ohne Maskenpflicht deutlich häufiger zu Covid-19-Ausbrüchen kommt als an Schulen, die den Vorschlägen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) folgen und alle Schülerinnen und Lehrkräfte in Innenräumen Masken tragen. So berichtete das Ärzte-Blatt.

Dennoch scheint es so, als ob viele Bundesländer die Maskenpflicht so schnell wie möglich abschaffen wollen. Derweil sind die Inzidenzen in den Altersgruppen bei Schülern relativ hoch. In Dresden kommen in mittlerweile jeder dritten Schule Corona-Fälle auf und in Sachsen sind bereit, drei Schulen aufgrund von Covid-Infektionen wieder geschlossen worden.

ALT:Zusehen ist ein Balkendiagramm welches die anzeigt 7-Tage-Inzidenz der Corona-Infizierungen nach Altersgruppen sortiert anzeigt, wobei deutlich zusehen ist, dass Kinder im Schulalter stärker betroffen sind. Stand 7. Oktober 2021.

Zahlen nach dem Robert-Koch-Institut

Angesichts solcher Fälle und den steigenden Infektionszahlen im Winter des letzten Jahres stellt sich die Frage, ob die Länder wirklich Sicherheitsmaßnahmen abbauen sollten? Die Schulen offenzuhalten hat zwar Priorität, aber die Sicherheit der Schüler:innen muss dennoch gewährleistet werden. Zwar stimmt es, dass Kinder in den meisten Fällen nur einen milden Krankheitsverlauf bei einer Infektion durchlaufen, was aber nicht heißt, dass sie von Langzeitfolgen geschützt sind, ein Faktor, der zu selten erwähnt wird. Lehrer News hat bereits des Öfteren die mangelnde Sicherheit für Schüler:innen in Schulen kritisiert, wie dieser Artikel, der die mangelnde Vorbereitung zu Schulbeginn nach den Sommerferien bemängelt und dieser Beitrag über das Verhalten der KMK zeigt.

Was haltet Ihr von der Abschaffung der Maskenpflicht? Schreibt Eure Meinung gerne in die Kommentare. Und wenn Euch politische Themen zu Schulen interessieren, dann schaut doch bei diesem Artikel von Lehrer News vorbei.