Am Wochenende sind Bundestagswahlen. Deswegen haben wir die  Kandidat:innen für das Bundeskanzleramt ein paar Fragen gestellt, wie sie sich die Zukunft der Bildung in Deutschland vorgestellt haben. Für Armin Laschet hat die CDU Deutschland geantwortet.

Innerhalb der Distanzlehre infolge der Schulschließungen sind große Unterschiede im Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler entstanden. Inwiefern plant die CDU, Schulen und Lehrkräfte im Umgang mit diesen Disparitäten zu unterstützen? Wie können mögliche Benachteiligungen in Zukunft konkret ausgeglichen werden?

Die CDU-geführte Bundesregierung hat das „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche für die Jahre 2021 und 2022“ aufgelegt. Wir stellen damit insgesamt 2 Milliarden Euro zur Verfügung, um Corona bedingte Benachteiligungen der jungen Menschen auszugleichen. Allein eine Milliarde Euro fließen in Nachhilfe vor allem in den Kernfächern Mathematik und Deutsch, die insbesondere Leistungsschwächeren zugutekommen sollen. Hierbei handelt es sich um eine Empfehlung der Ständigen wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz. Wenn Grundlagen in diesen beiden Fächern fehlen, wirkt sich dies negativ auf die gesamte Schulzeit aus. Es liegt im Ermessen der Länder, die Bundesmittel aufzustocken. Nordrhein-Westfalen beispielsweise wird die Bundesmittel verdoppeln, so dass an Rhein und Ruhr vor allem leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler von Fördermitteln in Höhe von 430 Millionen Euro profitieren werden.

Mit Näherung der kalten Jahreszeit häufen sich die Sorgen um die Verbreitung diverser Mutationen. Welche Konzepte und Regulierungen würde die Union den Ländern in Reaktion auf potentiell erneut steigende Inzidenzen vorschlagen?

Die in der S3-Leitlinie formulierten „Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS- CoV-2-Übertragung in Schulen“ leisten nach wie vor einen wichtigen Beitrag zum Gesundheits- und Infektionsschutz sowie zur Sicherstellung von Präsenzunterricht. Zudem 1 gilt der KMK-Beschluss vom 6. August 2021, wonach kontinuierlichem Präsenzunterricht im Schuljahr 2021/2022 höchste Priorität eingeräumt wird. Dies ist ein realistisches Szenario, denn zum einen haben die Schulen ihre Konzepte zum Infektionsschutz deutlich ausgebaut. Zum anderen empfiehlt die Ständige Impfkommission die Immunisierung gegen Covid-19 inzwischen auch für alle 12- bis 17-Jährigen. Es kommt hinzu, dass Kinder und Jugendliche nach aktuellem Kenntnisstand unabhängig von den Varianten selten schwer von Covid-19 betroffen sind. Allerdings wäre eine höhere Impfquote der Erwachsenen sicherlich hilfreich, um die Kinder und Jugendlichen noch besser zu schützen

Wie Covid-19 gezeigt hat, nimmt die Digitalisierung im Bildungswesen eine zunehmend wichtige Rolle ein. Wie schaut Aus Sicht der CDU die Zukunft deutscher Schulen aus? Was sind Ihre konkreten Ziele und Maßnahmen zur Umsetzung?

Mit dem DigitalPakt Schule (2019-2024), dem Sofortausstattungsprogramm und den beiden Zusatzprogrammen investiert die CDU-geführte Bundesregierung 6,5 Milliarden Euro in die Digitalisierung der Schulen. Neben der besseren Ausstattung der Schulen muss es jedoch vor allem darum gehen, allen am Schulleben Beteiligten, also Lehrkräften und Schüler, mit den benötigten digitalen Kompetenzen zu versehen und ihnen dazu die entsprechenden Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen. Denn unsere Kinder lernen auch heute nicht für die Schule, sondern für das Leben. Darüber hinaus sollten wir den Schulen mehr Freiräume eröffnen als sie heute tatsächlich haben, damit sie eigene Schwerpunkte entwickeln können. Auch müssen die Ergebnisse der Bildungsforschung schneller im Unterricht ankommen. Zudem sollte die Teamarbeit im Kollegium gestärkt werden

Vielen Schuleinrichtungen und Familien fehlen die finanziellen Mittel für die nötige technische Ausstattung in Hinblick auf die Digitalisierung im Bildungssektor. In welchem Ausmaß und mit welchen finanziellen Mitteln plant die potenziell von CDU/CSU geführte Regierung diese Lücken zu schließen?

Damit sich die Corona-Krise nicht zur Bildungskrise entwickelt, hat die CDU-geführte Bundesregierung bereits am 4. Juli 2021 ein Sofortausstattungsprogramm für Schülerinnen und Schüler beschlossen. Auch wenn der Präsenzbetrieb an den Schulen Priorität hat, kann nicht vollkommen ausgeschlossen, dass – entsprechend dem regionalen Pandemiegeschehen – der Unterricht vorübergehend auch wieder digital gestaltet werden muss. Da nicht alle Eltern ihren Kindern ein mobiles Endgerät für das digitale Lernen zur Verfügung stellen können, hat die CDU-geführte Bundesregierung dafür 500 Millionen Euro zusätzlich zur Basisfinanzierung des DigitalPakts

Zusehen sind mehrere Kinder und eine Frau, die den Kindern etwas auf einem Laptop zeigt. Insgesamt sind drei Laptops zusehen.

Wahlkampfplakat der CDU

Wie kann Kindern und Jugendlichen in der Bewältigung der psychologischen Konsequenzen der Pandemie geholfen werden? Welche Hilfsangebote erachten Sie als sinnvoll, um diesen Problemen an den Schulen entgegenzuwirken? Welche Maßnahmen schlägt die Union den Bundesländern vor? Gibt es außerhalb des schulischen Kontexts Planungen im Umgang mit der Zunahme psychischer Störungen unter Jugendlichen?

Prävention und Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche sind während der Pandemie besonders wichtig. Dafür gibt es bereits viele Angebote online und vor Ort. Dazu gehört bspw. die „Nummer gegen Kummer“. Der Bund hilft mit dem Programm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“: hieraus stehen eine Milliarde Euro bereit, um den Kindern und Jugendlichen dabei zu helfen, wieder in ihr früheres soziales Leben zurückzufinden. Für besonders belastete Kinder und Jugendliche sind die U- und J-Untersuchungen beim Kinder- und Jugendarzt oder beim Hausarzt und die Schuleingangsuntersuchungen beim Öffentlichen Gesundheitsdienst wichtig. Zudem müssen Fachkräfte und Ehrenamtliche im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch in Kita und Schule besonders geschult werden, um pandemiebedingte Belastungen früh und sicher zu erkennen. Sollte eine Therapie notwendig sein, kann über die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen ein Platz vermittelt werden. Ab dem 1. Oktober 2021 gibt es zudem ein neues niedrigschwelliges Behandlungsangebot der gruppenpsychotherapeutischen Grundversorgung. 

Das Thema künstliche Intelligenz gewinnt in unserem Alltag und Berufsleben zunehmenden Einfluss. Wie genau stellt sich die CDU die Implementation künstlicher Intelligenzen im Bildungssektor vor? Was sind konkrete Maßnahmen der Partei? Inwieweit profitieren Schüler:innen und Lehrkräfte vom Einsatz der KI-Systeme?

Künstliche Intelligenz birgt ein großes Potenzial für die Anwendung in unseren Schulen. Ein Beispiel ist das Adaptive Lernen, das individuelles Lernen und damit eine individuelle Förderung ermöglicht. In die Berechnungen der Software fließt nicht nur ein, was der Schüler lernt, sondern auch wie er lernt. Die Kultusministerkonferenz hat sich ebenfalls auf den Weg gemacht und sich im September 2020 auf ein Modellprojekt zur Künstlichen Intelligenz verständigt: Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen erproben seitdem ein intelligentes tutorielles Lernsystem für KI an Schulen. Ein weiteres Anwendungsfeld sind Learning Analytics. Sie können den Lehrerinnen und Lehrern helfen, Fehlermuster zu erkennen, so dass sie sich zielgenauer um jeden einzelnen Schüler kümmern können. Zugleich ermöglichen sie der Lehrkraft eine Übersicht über den Lernstand sowohl jedes einzelnen Schülers als auch der Klasse insgesamt. Allerdings gibt es auch Vorbehalte: Warnungen vor einem gläsernen Schüler werden vorgebracht genauso wie die Mahnung, den Datenschutz zu beachten. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgaben an, für Akzeptanz zu werben und gleichzeitig deutlich zu machen, dass es sich beim Lernen um einen sozialen Prozess handelt. Die Frage lautet also nicht, ob KI sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden kann, sondern wie dies geschehen soll. Dazu müssen wir alle Beteiligten mitnehmen: die Lehrkräfte, die Eltern sowie die Schülerinnen und Schüler. Aus Sicht der CDU könnten wir auf diesem Weg deutlich schneller werden.

Für viele Lehrkräfte kann die Digitalisierung aufgrund mangelnder technischer Kenntnisse eine große Herausforderung darstellen. Welche Maßnahmen plant die 4
Union, um Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit digitalen Medien und Lehrformaten zu unterstützen? Inwieweit ist hierfür der Einsatz von IT-Fachkräften notwendig? Was macht diese digitale Fortbildung für Schulen so attraktiv?

Mit dem DigitalPakt Schule unterstützt der Bund die Länder und Gemeinden bei Investitionen in die digitale Bildungsinfrastruktur. Im Gegenzug verpflichteten sich die Länder, digitale Bildung durch pädagogische Konzepte, die Anpassung der Lehrpläne sowie in der Lehrerausbildung und -weiterbildung umzusetzen. Diese Regelung in der Verwaltungsvereinbarung zum DigitalPakt Schule ist unserer Verfassung geschuldet: denn die Länder sind für Schulpolitik zuständig. Das gilt auch für die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte oder die Schaffung von zusätzlichen Personalkategorien. In diesem Zusammenhang sollte auch erwähnt werden, dass Covid-19 das digitale Lernen deutlich vorangebracht hat: 64 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 15 Jahren verwendeten im ersten Halbjahr 2020 digitale Lernmaterialien. Das waren doppelt so viele wie 2019. Diese Entwicklung gilt es jetzt zu verstetigen, vor allem durch sinnvolle didaktische Konzepte entlang der gesamten Kette der Lehrerbildung. Eine enge Zusammenarbeit der Länder wäre dabei hilfreich. Diese kann jedoch nicht vom Bund vorgegeben werden.