Videospiele sind heutzutage nicht nur ein Medium, welches zur reinen Unterhaltung dient, sondern auch dazu beitragen kann, bestimmte Fähigkeiten zu entwickeln oder zu verbessern. Dabei können sie sogar im Schulalltag eine wichtige Rolle einnehmen. Durch Videospiele können Schüler:innen wichtige Inhalte spielerisch lernen. Dabei bleiben sie durch interessante Spielwelten oder Spielkonzepten motiviert und ehrgeizig. Sogar eher trockene und langweilige Themen können so interessant gestaltet werden. Deshalb stellen wir Euch heute zehn Spiele vor, die Schüler und Schülerinnen begeistern und bilden, und auch im Unterricht verwendet werden können.

Spent: Das Leben in Armut

Spent versetzt Spieler:innen in die Rolle einer Person, die in großer Armut lebt. Im Spielverlauf müssen Entscheidungen getroffen werden, wie mit dem wenigen Geld, welches zur Verfügung steht, gewirtschaftet wird. Darunter fallen Ausgaben, wie Lebensmitteleinkäufe, Versicherungen und Mieten. Außerdem kommen unerwartete Kosten auf den Spieler oder die Spielerin zu. Auch das eigene Kind hat Bedürfnisse. Nun ist die Frage, ob Ihr auch genügend Geld habt, um diese zu erfüllen. Das Ziel dabei ist, einem Monat zu überleben. Spent wurde von der gemeinnützigen US-Organisation Urban Ministries of Durham mitentwickelt und eignet sich, auch durch die relativ kurze Spieldauer von einer Runde mit ca. 20 Minuten, bestens für die Heranführung an dieses schwierige Thema für Jugendliche zwischen 16 – 18 Jahre. Jedoch sollten Lehrkräfte dieses Thema im Anschluss weiter vertiefen, um auch alle wichtigen Aspekte an die Schüler:innen zu vermitteln. Spent ist ein Browserspiel und auf dieser Webseite kostenlos jedoch nur auf Englisch verfügbar.

Harmony Square und Bad News

Bad News ist ein kostenloses Browserspiel, welches von der niederländischen Organisation DROG entwickelt wurde. DROG arbeitete dabei mit Forscher:innen von der University of Cambridge zusammen. Ihr Ziel war es, ein Spiel zu entwickeln, welches das Bewusstsein für Fake News im Internet stärkt. Das Browserspiel Harmony Square wurde stark von Bad News beeinflusst und folgt demselben Prinzip. In beiden Spielen schlüpfen Spieler:innen in die Rolle eines Fake-News-Verbreiter:in. Es werden gezielte Desinformation verbreitet, um Chaos und Zorn zu schüren. In beiden Spielen dauert eine Runde ca. 15 Minuten. Eine Studie in der Harvard Misinformation Review berichtet, dass Spieler:innen von Harmony Square Fake News als weniger reliable einschätzen. Beide Spiele sind kostenlos spielbar. Hier geht es zu Harmony Square und hier zu Bad News.

Zusehen ist ein aufgeklappter Laptop, dessen Bildschirm das englische Wort Fake groß und in roter Schrift über einer Newsseite anzeigt.

Fake it to make it: Werde selbst zum Bösewicht

Auch in Fake it to make it verbreiten Spieler:innen aktive Fake News, um starke Emotionen zu erzeugen und somit möglichst viele Leser:innen für die eigene (Fake-)News-Webseite zu generieren. Dabei steht in diesem Spiel der Profit im Vordergrund. Zu Beginn wird nämlich zuerst einmal ein selbst gewähltes finanzielles Ziel festgelegt, welches zu erreichen gilt. Spieler:innen werden dazu angeleitet, wie die Verbreitung von Fake News funktioniert. Dabei muss auf ihre Glaubwürdigkeit und Dramatik geachtet werden. Auch politisch beeinflusste Desinformation spielen eine wichtige Rolle in diesem Spiel. Fake it to make it ist ein kostenloses Browserspiel, bei welchen der Fortschritt lokal gespeichert werden kann. Ziel ist es, Spieler:innen für Fake News zu sensibilisieren. Die Spielzeit beträgt zwischen 30 und 60 Minuten.Hier geht es zu Fake it to make it.

Assassin’s Creed Origins und Assassin’s Creed Odyssey als Lernspiele

Sowohl für Assassin’s Creed Origins, als auch für Assassin’s Creed Odyssey, welche beide Ableger der Assassin’s Creed Videospielreihe von Ubisoft sind, ist jeweils eine Erweiterung erschienen, die ihren primären Fokus auf das Lernen von geschichtlichen Fakten legt. Dieses Projekt trägt den Namen Discovery Tour. Im Grunde handelt es sich dabei um ein virtuelles Museum, wo Spieler:innen Wissen über die Geschichte der Antike Griechenlands oder Ägyptens, abhängig vom ursprünglichen Spiel, spielerisch erlangen können. In diesem Artikel von Lehrer News findet Ihr die wichtigsten Infos über die Discovery Tour. Für den Unterricht eignen sich diese Spiele vor allem für Ergänzungen und zum Vertiefen des Unterrichtsstoffes. Wer die ursprünglichen Spiele besitzt, bekommt die jeweilige Erweiterung gratis. Wer sie nicht besitzt, kann die Erweiterungen als eigenständige Spiele für 20 Euro pro Spiel erwerben.

Kryptokids: Datenschutz für Kinder

KryptoKids ist ein medienpädagogisches Projekt in Form eines Videospiels zum Thema Datenschutz für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren. Das Spiel wurde von der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW und GLUON STUDIOS in Zusammenarbeit produziert und von der Stiftung Deutsche Jugendmarke gefördert. Zweck des Projektes ist es, Kindern die Wichtigkeit von Datenschutz näherzubringen und ihnen spielerisch zu zeigen, wie Datenschutz überhaupt funktioniert. Das Spiel präsentiert diese Themen in einer interaktiven Detektivgeschichte und verwendet dabei sowohl digitale als auch analoge Elemente. Die Kinder sollen dabei zusammenarbeiten und Hand in Hand ihr gemeinsames Ziel verfolgen. Sie lernen im Spiel die Gefahren des Internets kennen und bekommen beigebracht, wie sie sich vor ihnen schützen können. Die gemachten Erfahrungen sind anschließend auch auf das reale Leben übertragbar. Auf der offiziellen Webseite von KryptoKids gibt es weitere Informationen zum Spiel sowie weitere Materialien, die als Hilfe für die Unterrichtskonzeption dienen sollen. Das Videospiel ist kostenlos im Apple App-Store verfügbar.

Zusehen ist ein Kind in einem Detektiv-Kostüm, welches mit einem Auge durch eine Lupe schaut.

SQL Island: Programmieren spielerisch erlernen

Bei SQL Island handelt es sich um ein Videospiel, welches Spieler:innen die Programmiersprache SQL auf spielerische Art beibringen soll. Die Hauptfigur des Spieles ist nach einem Flugzeugabsturz auf einer Insel gelandet. Hier muss sie verschiedene Aufgaben lösen, wie mit den Bewohnern der Insel zu sprechen, Gegenstände sammeln und auch gegen das Böse kämpfen. Das Besondere hierbei ist, der Spieler oder die Spielerin steuern die Aktionen des Hauptcharakters mit SQL-Befehle. Hierbei werden keine Vorkenntnisse benötigt, da das Spiel alle nötigen Befehle zunächst einmal präsentiert, bevor die Spieler:innen diese verwenden müssen. Schüler:innen können auf diese Art, ein eher trockenes Thema spielerisch und schrittweise erlernen und bleiben dabei durch die Geschichte und dem Abenteuerelement motiviert. SQL Island ist auf der offiziellen Webseite kostenlos spielbar.

Influent: Spielerisch eine neue Sprache lernen

Spieler:innen schlüpfen in Influent in die Rolle der Hauptfigur Andrew. Dieser sammelt Vokabeln und speichert diese in einer Liste. Dabei bewegen sich Spieler:innen in einer 3D Welt in denen sich jegliche Objekte scannen lassen. Die Namen dieser Objekte werden dann in der zu erlernenden Sprache angezeigt. Dabei lernt der Spieler oder die Spielerin sowohl das geschriebene Wort, als auch die Aussprache. Jedoch werden nicht nur Normen gelernt, sondern auch passende Adjektive und Verben. Ziel ist es, sich alle 420 Wörter einzuprägen. Dazu gibt es auch einen Zeit-Abfrage-Modus. Außerdem gibt es zusätzliche Aufgaben, durch deren Erfüllung Achievements freigespielt werden. Das Videospiel eignet sich bestens für den Einstieg ins Lernen einer neuen Sprache, wobei eine Vielzahl von Sprachen zur Verfügung stehen. Influent ist auf unter anderem auf Steam erhältlich. Hier geht es zur Webseite.

Kahoot: Quizze im Unterricht

Kahoot ist streng genommen kein richtiges Videospiel. Eigentlich handelt es sich um eine Web-App, mit der Quizze, Umfragen und Diskussionen erstellt werden können. Dennoch kann Kahoot gerade durch die Quiz-Funktion dazu genutzt werden, gelerntes Wissen spielerisch zu wiederholen und zu festigen. Die Lehrkraft kann beispielsweise Quizze zu den in der Unterrichtsstunde gelernten Inhalten erstellen und damit Schüler:innen auf spielerische Weise abfragen. Hierbei benötigt jedoch jeder Schüler und jede Schülerin ein Smartphone oder ein Tablet. Es werden auch Punkte für richtig beantwortet Fragen verteilt und eine Rangliste der Spieler:innen angezeigt, wodurch ein freundlicher Wettbewerb entsteht, welcher die Schüler:innen zum Lernen motiviert. Dennoch wird niemand bloßgestellt, da die Spielenden einen selbst festgelegten Nicknamen angeben. Kahoot steht kostenlos zur Verfügung. Wenn Ihr mehr über Kahoot wissen möchtet, schaut doch bei diesem Artikel von Lehrer News vorbei.

Zusehen sind mehrere Kinder und eine Frau, die den Kindern etwas auf einem Laptop zeigt. Insgesamt sind drei Laptops zusehen.

Hidden Codes: Ein Spiel gegen Radikalisierung

Hidden Codes ist ein Handyspiel von der Bildungsstätte Anne Frank und zielt darauf ab, Jugendliche für Radikalisierung im Internet zu sensibilisieren. Des Weiteren soll es ihnen erste Handlungsmöglichkeiten an die Hand geben, um mögliche Radikalisierungen im eigenen Umfeld entgegenzuwirken. Dabei simuliert das Spiel eine Social-Media-Umgebung, in der sich die Spieler:innen bewegen. Spielende durchforsten die Profile, Storys und Kommentare fiktiver Social-Media-Nutzer:innen und sollen dabei auf spezifische Elemente Ausschau halten, die auf eine Radikalisierung hindeuten könnten. Es werden mehrere Formen der Radikalisierung thematisiert, wie die rechtsextremistische oder die islamistische Radikalisierung. Dabei wird auch auf die Verbreitung von radikalen Inhalten im Internet durch unter anderem Foren, Memes, Algorithmen und radikalen Influencer:innen bzw. Streamer:innen eingegangen. Hidden Codes wurde speziell für den Schulunterricht entwickelt. Lehrkräfte können deshalb über die offizielle Webseite Zugang zu dem Spiel und zusätzlichen Materialien für die Erstellung eines Unterrichtskonzeptes bekommen.

Wie entscheidest du? Das Spiel zur Bundestagswahl

In „Wie entscheidest du?“ schlüpfen Spieler:innen in die Rolle eines Politikers oder einer Politikerin und müssen der Presse Frage und Antwort stehen. Dabei geht es um Themen wie den Klimaschutz, Privatsphäre oder Integration. Hierbei müssen Spieler:innen darauf achten, dass die Antworten mit den vorher selbstbestimmten Werten zusammen passen, um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das Spiel soll vor allem junge Wähler oder Wählerinnen bei der politischen Orientierung helfen und auch Jugendliche davon überzeugen überhaupt wählen zu gehen. Des Weiteren bietet die offizielle Webseite eine Sammlung von Links mit nützlichen Informationen über Parteien und ihre Standpunkte. „Wie entscheidest du?“ ist ein kostenloses Browserspiel vom SWR.

Was haltet Ihr von Videospielen im Unterricht? Habt Ihr vielleicht auch schon Erfahrungen mit einigen der genannten Spiele gemacht? Dann teilt uns gerne Eure Meinungen und Erfahrungen mit. Solltet Ihr weitere Spiele für den Unterricht oder zum Lernen kennen und diese in unserer Liste vermisst, dann hinterlasst uns doch dazu gerne einen Kommentar.