Die Digitalisierung veränderte in den letzten paar Jahrzehnten die Welt auf einer noch nie dagewesenen Art und Weise. Es existiert mittlerweile kaum noch ein Lebensbereich, der nicht von ihr beeinflusst wird. Egal ob beim Einkaufen, auf der Arbeit oder in der Freizeit: Bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten verwenden die meisten Menschen mittlerweile immer ein digitales Gerät mit einer Internetverbindung. Dementsprechend prägt die Digitalisierung auch die zwischenmenschliche Verhältnisse. Bei beinahe allen Arten der alltäglichen Interaktionen und Kommunikationen spielt die Digitalisierung eine maßgebliche Rolle. Deshalb befassen sich viele Menschen immer häufiger nicht nur mit den potentiellen Möglichkeiten, die diese bietet, sondern auch mit deren realen Konsequenzen für das menschliche Zusammenleben. Einen speziellen Aspekt bildet dabei das Geschlechterverhältnis zwischen Männern und Frauen. In unserem gesellschaftlichen System werden Frauen tendenziell diskriminiert. Doch inwieweit begünstigen oder determiniert die Effekte der Digitalisierung dieses soziales Verhältnis? Werden moderne technische Mittel für oder gegen die Gleichstellung genutzt?

Auf den ersten Blick erscheint die digitale Transformation geschlechtsneutral. Egal ob Mann oder Frau: Jede:r verwendet die gleichen Modelle und Programme. Eine Geschlechtertrennung besteht bei diesen nicht. Allerdings wirken sich die neuen technischen Möglichkeiten durchaus auf die sozialen Gegebenheiten aus. So existieren bereits einige Benachteiligungen für Frauen, die durch die Digitalisierung erneut verstärkt werden.

Mutterrolle beim Homeoffice 

die englische Schriftstellerin Virginia Woolf im Laufe ihres Leben.

Einer der vielen Faktoren davon ist die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie. Auch in unserer heutigen Zeit übernehmen viele Mütter die Betreuung und Erziehung der Kinder, weil es laut dem allgemeinen Rollenbild ihrer Verantwortung obliegt. Der Vater ist hingegen erwerbstätig. Durch das Homeoffice, das sich aufgrund der Digitalisierung stark verbreitete, besitzen Frauen nun eine Alternative zum Bürobesuch. Einerseits führt dies zu einer größeren Flexibilität. Frauen können sich ihre Zeit freier und passender einteilen und Pendlerinnen könnten sich den täglichen Weg zur Arbeit ersparen. Andererseits kann das Homeoffice auch eine Doppelbelastung verursach. Es könnte verlangt werden, dass eine Mutter zuhause arbeitet und zeitgleich auf ihre Kinder aufpasst. Die Trennung zwischen Berufs- und Familienleben verschwindet dabei. Sowohl die aufgrund der Corona-Pandemie erzwungene Homeoffice-Pflicht, als auch die Schließung von Schulen und Kindergärten förderten eine Rückkehr zu alten Traditionsmustern. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung arbeiteten vergleichsweise mehr Frauen als Männer im Homeoffice, und das obwohl diese Möglichkeit beiden Geschlechtern gleichermaßen zur Verfügung steht. Hier zeigt sich, dass die technologischen Mittel nicht die Auslöser der sozialen Ungleichheiten sind, sondern eher die Katalysatoren, die die bereits bestehenden Tendenzen verstärken. Nicht ihre Art, sondern ihr Missbrauch führe zur Diskriminierung und zur Behinderung der Gleichstellung.

Wie von Menschen beeinflusste KIs und Algorithmen Menschen beeinflussen

Zu sehen sind in einem Quadrat geordnete Ziffern.

Ein weiterer Bereich, in dem die Verbreitung von Sexismus durch die Digitalisierung deutlich wird, sind Algorithmen und Künstliche Intelligenzen. Beide dienen zunächst lediglich der Vereinfachung und Automatisierung diverser Vorgänge. Diese sind potentiell neutral. Allerdings benötigen solche Maschinen Daten, die als Grundlage für ihre Entscheidungen dienen. Diese Werte werden wiederum von Menschen festgelegt, was dazu führt, dass sich deren Einstellungen, Ansichten und Meinungen auf die Grundelemente abfärben. Folglich spiegeln solche programmierten KIs und Algorithmen die vorherrschenden, öffentlichen Zustände wieder. Frauen werden zum Beispiel in der Arbeitswelt häufig nur wegen ihres Geschlechts übergangen. Wenn nun ein Programm zur automatischen Vorauswahl aus Bewerbungen verwendet wird und dessen Verfasser tendenziell Männer als Arbeitnehmer bevorzugt, dann wertet das Programm die Kandidat:innen dementsprechend mit starker Voreingenommenheit aus. Dies ist nur ein konkretes Beispiel aus vielen potentiellen Szenarien. Durch solche Methoden verleiten geschlechtsneutrale Zahlen zu sexistischen Vorgängen und richten sich gegen die Gleichstellung der Frau.

Ideales Frauenbild in den Sozialen Netzwerken

Zu sehen sind zwei Mädchen, die Rücken an Rücken stehen und jeweils beide ihre Smartphones benutzen. Die Handys werden von verschiedenen APP-Symbolen umgeben.

Ein weiterer Punkt, ist die direkte Vernetzung von Mensch zu Mensch durch diverse Plattformen der sozialen Medien. Im Netz herrscht theoretisch Neutralität. Das Internet wird häufig zur allgemeinen Aufklärung genutzt, indem beispielsweise für potentielle Interessenten, Artikel über den Werdegang als Lehramtsstudent veröffentlicht werden. Da es aber keine festgeschriebenen Regelungen gibt oder diese oftmals nicht umgesetzt werden, ist das Internet anfällig für die Verbreitung diskriminierender Inhalte. Online werden Frauen permanent durch Belästigungen, Beleidigungen und Drohungen angegangen. Falschnachrichten werden verbreitet. Selbst ursprünglich positive Beiträge können negative Auswirkungen hervorrufen. Vor allem junge Frauen werden zunehmend durch inszenierte und retuschierte Posts in sozialen Netzwerken psychisch beeinträchtigt. Sie werden pausenlos mit makellosen Körpern und unrealistischen Lebensstilen konfrontiert. Deshalb fühlen sich einige unzureichend, minderwertig und makelbehaftet. Allein die Wahl eines derart unnahbaren Vorbild verleitet zur langfristigen Unzufriedenheit. Im schlimmsten Fall kann dies ein Auslöser für Depressionen und suizidale Gedanken sein. Die Plattformen selbst streben sich tendenziell gegen eine Selbstregulierung, um nicht an Benutzerzahlen einzubüßen. Dies stellt ein Risiko speziell für Frauen dar.

Informatikerinnen und Technikerinnen in der Minderheit

Zu sehen ist eine junge Frau mit einem Klemmbrett neben einem Server.

Die rudimentäre Gleichstellung zeigt sich aber nicht nur in der virtuellen, sondern auch in der realen Welt der Digitalisierung. Besonders im Fachbereich IT sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. Computer, Programmiersprachen und Ingenieurwesen gelten auch heutzutage noch als „Männersache“. Demzufolge befinden sich Informatik-Studentinnen in der Minderheit. Dies wirkt sich wiederum auf die Gestaltung und Entwicklung technischer Projekte aus. Auch hier deutet sich der Unterschied zwischen Möglichkeiten und Umsetzung der Digitalisierung an. Frauen wird der Zugang zu den entsprechenden Instituten zwar nicht verboten, aber die vorherrschende Rollenverteilung hält diese trotzdem fern. Kaum eine Branche ist so eindeutig männerdominiert wie die IT. Von einer Gleichstellung kann also kaum die Rede sein.

Zu sehen sind verschiedene Darstellungen, wie das prozentuale Verhälnis von erwerbstätigen Frauen in der IT-Branche ist.

Quelle:  https://de.statista.com/infografik/13283/frauen-in-der-tech-branche/

In diesen Diagrammen von Statista zeigt sich unverkennbar die Kluft zwischen Männern und Frauen in der IT-Branche. Es fällt auf, dass sich sowohl die Länder als auch die größten Tech-Firmen kaum voneinander unterscheiden. In fast allen Fällen stellen Frauen die augenscheinliche Minderheit dar.

Rolle der Regierungen und Unternehmen

Zu sehen ist die Dreiecksgiebel des Reichstags und daneben eine deutsche Flagge.

Nichtsdestotrotz kann nicht kritisiert werden, dass das Verhältnis Digitalisierung und Gleichstellung öffentlich nicht thematisiert wird. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend behandeln im Dritten Gleichstellungsbericht die Einflüsse der digitalen Technologien auf das Geschlechterverhältnis. Das Gutachten benennt Probleme und gibt Lösungsansätze vor. Die Regierung reagiert also auf die Problematik. Zusätzlich wächst der Druck auf große Tech-Giganten. Digitale Firmen, wie etwa Facebook, geraten immer häufiger in Kritik. Um die Zufriedenheit ihrer Kunden zu gewährleisten, beugen sich die meisten zumindest teilweise.

Schlussendlich lässt sich das Fazit ziehen, dass die Mittel der Digitalisierung prinzipiell durchaus geschlechtsneutral sind. Ein Taschenrechner unterscheidet nicht zwischen Männern und Frauen. Jedoch trennt die Realität des menschlichen Einflusses auf die Digitalisierung die Geschlechter. Da digitale Medien als Bindeglied der zwischenmenschlichen Wechselwirkungen dienen, werden sie folglich auch als Werkzeug zur Herabsetzung, Diffamierung und Stigmatisierung gewisser sozialer Gruppen missbraucht. Die Digitalisierung an sich befürwortet weder die Gleichstellung, noch bekämpft sie diese. Sie ist lediglich die Infrastruktur, in der die bereits vorhandenen Strukturen umgesetzt werden. Sie besitzt keine voreingenommenen Tendenzen. Vielmehr ist es das Handeln der Menschen, die die Ungleichheit auf die virtuelle Welt ausdehnt. Wenn die Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden soll, dann müssen nicht primär die digitalen Geräte und Programme überarbeitet werde, sondern vielmehr die allgemeine Weltanschauungen der User.

Falls Du nach weiteren interessanten Artikel zu den Themen Frauenrechte und Bildung recherchierst, dann findest Du hier einen Bericht zur aktuelle Lage der Mädchenbildung in Konfliktgebieten und hier kannst Du Dich über die Bedeutung des Lehramtsstudiums für die Emanzipation der Frau informieren.