LGBTQIA+ ist ein Sammelbegriff, bzw. ein Akronym für die englischen Wörter lesbian, gay, bisexual, transgender, queer, intersexual und asexuel, der die sexuellen und geschlechtlichen Orientierungen von allen Personen beinhaltet, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen. Dies betrifft unter anderem homosexuelle und bisexuelle Personen, sowie Personen, deren Geschlechter nicht zu den bei ihrer Geburt zugewiesenen (biologischem) Geschlechtern passen oder nicht vollständig passen (transgeschlechtliche Personen), sowie Personen, die sich (noch) nicht sicher sind über ihre eigene Sexualität oder Geschlechtsidentität. Auch intergeschlechtliche und asexuelle Personen werden mit einbezogen. Das Plus steht für die sexuellen und die geschlechtlichen Orientierungen, die nicht durch das Akronym abgedeckt werden. Häufig werden auch die Akronyme LGBT, LGBTQ oder LGBTQIA verwendet. Aus Gründen der Inklusivität und der Verständlichkeit wird der Artikel den Begriff LGBTQIA+ verwenden.

LGBTQIA+ an Schulen

Den meisten Jugendlichen wird ihre jeweilige sexuelle und geschlechtliche Orientierung schon relativ früh im Leben bewusst. Lesben, Schwule oder auch Bisexuelle wissen häufig bereits mit 14 Jahren über ihre nicht-heterosexuelle Orientierung Bescheid. Auch die meisten transgeschlechtlichen Personen merken bereits in ihrer Kindheit, dass sie sich nicht mit dem ihnen zugeordneten Geschlecht identifizieren können. Dennoch outen sich die betroffenen Schüler:innen nur selten in ihren Klassen. Sie haben berechtigte Angst davor, von ihren Mitschüler:innen diskriminiert zu werden. Während heterosexuelle Cis-Mitschüler:innen erste Erfahrungen mit romantischen Beziehungen machen, werden die Orientierungen von LGBTQIA+-Schüler:innen häufig ignoriert oder zum Anlass für Ausgrenzungen oder Mobbing genommen. Diese Erfahrungen tragen bei LGBTQIA+-Jugendlichen dazu bei, dass ihre Suizidrate um ein Fünffaches höher ist, als die der Jugendlichen, deren Sexualität und Geschlechtsidentität der gesellschaftlichen Norm entspricht.

LGBTQIA+-Schüler:innen fühlen sich häufig an ihren Schulen nicht sicher genug, weshalb ihnen das Outing schwerfällt, wodurch wiederum die Schulzeit von ihnen als eine große Belastung empfunden wird. Dabei ist nicht nur aktive Homophobie und Transphobie ein Problem. Auch dass sexuelle und geschlechtliche Orientierungen als Beleidigungen verwendet und somit negativ belastet werden, kann dazu führen, dass sich LGBTQIA+-Jugendliche ausgeschlossen oder sogar abnormal fühlen. Beleidigungen, wie „du Schwuchtel“, „du alte Lesbe“ oder „du Transe“, sind leider häufig vorkommende Ausdrücke unter Kindern und Jugendlichen. Unabhängig davon, ob diese Ausdrücke tatsächlich als Angriff auf Homosexuelle gemeint sind oder nicht, sorgen sie für ein Klassenklima, in dem sich LGBTQIA+-Schüler:innen unwohl und unwillkommen fühlen. Des Weiteren führen solche „Beleidigungen“ auch zu homophoben Einstellungen und zur Beeinträchtigung der Akzeptanz von sexueller Vielfalt und dem generellen Anderssein.

Eine Befragung von Klocke (2012), welche an Berliner Schulen durchgeführt und von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft in Auftrag gegeben wurde, stellt die Verhältnisse der Klasse zu LGBTQIA+-Schüler:innen dar. Ziel der Studie war zu untersuchen, wie sich Schüler:innen und Lehrkräfte gegenüber lesbischen, schwulen und transgeschlechtlichen Schüler:innen verhalten und welche Einstellungen sie gegenüber diesen Themen besitzen. Die folgenden Tabellen sind Auszüge aus den Ergebnissen der Befragung.

Zu sehen ist eine Tabelle, die zeigt, welches Verhalten gegenüber homosexuellen Mitschüler:innen, Schüler:innen aus der sechsten, sowie neunten und zehnten Jahrgangsstufe in ihrer Schule innerhalb der letzten zwölf Monate mitbekommen haben. Dabei ist klar erkennbar, dass häufig Wörter wie “Schwuchtel” als Beleidigung genutzt und auch, dass viele Witze über Schwule oder Lesben gemacht wurden. Außerdem ist klar erkennbar, dass häufig über homosexuelle Mitschüler:innen gelästert wurde und auch, dass viele Schüler:innen nichts mehr mit einer homosexuellen Person aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu tun haben wollen.

Laut der Befragung passierte es immer noch relativ häufig, dass Mitschüler:innen ausgegrenzt werden, wenn diese nicht heterosexuell sind. So sagen beispielsweise 32% der befragten Sechstklässler und 20% der Neunt- und Zehntklässler, dass sie innerhalb der letzten zwölf Monate erlebt haben, dass Mitschüler:innen mit einer Person nichts mehr zu tun haben wollten, wenn jene homosexuell war oder dafür gehalten wurde. Wenn Schulen es nicht schaffen, die negativen Einstellungen gegenüber LGBTQIA+-Schüler:innen zu verändern, dann ist das Resultat  eine ablehnenden Haltung gegenüber LGBTQIA+-Personen, nicht nur an Schulen, sondern innerhalb der gesamten Gesellschaft.

Was kann gegen Diskriminierung unternommen werden?

Zu sehen ist eine Wand, auf der sich Regenbogenfarben befinden. Auf diesen Farben wiederum befindet sich ein Stoppschild, unter dem das Wort “DISCRIMINATION” geschrieben steht.

Das Religionspädagogische Institut Loccum zeigt in ihrem Bericht Methoden auf, um gegen die Diskriminierung von LGBTQIA+-Schüler:innen vorzugehen Sie schreiben unter anderem, dass es eine einfache Methode wäre, Bücher, Texte, Fotos oder Filme zu organisieren, die als Handlungsfiguren auch heterosexuelle und transgeschlechtliche Personen zeigen. Zum Beispiel könnte in einem Textbuch eine Familie vorkommen, die zwei Väter hat, anstatt einer Mutter und einem Vater. Generell ist es empfehlenswert, Bücher an Schulen anzuschaffen, welche Menschen mit verschiedenen Geschlechtern, sexueller Orientierungen, Alter, Religionen und Herkunft darstellen, um die Vielfalt unserer Gesellschaft auch ganz nebenbei abzubilden. Die Einbindung solcher Themen sorgt dafür, dass sie normalisiert werden und fördert somit die Akzeptanz und das Verständnis für Personen, die vielleicht in manchen gesellschaftlichen Kategorien nicht der Norm entsprechen.

Ein Vorteil dieser Methode ist, dass der zusätzliche Aufwand zwar relativ gering ist, sie gleichzeitig aber dennoch einen großen positiven Effekt erzielt. Außerdem können Schulen Broschüren, Poster oder weitere ähnliche Materialien zur Verfügung stellen, in denen LGBTQIA+-Themen positiv dargestellt werden. Dies kann dazu beitragen, dass Jugendliche sich sicherer und willkommener fühlen.

Außerdem kann es hilfreich sein, wenn diese Themen von homosexuellen oder transgeschlechtlichen Lehrkräften angesprochen werden. Es fördert die Akzeptanz in der Klassengemeinschaft und sorgt somit für ein sichereres Klassenklima. Auch heterosexuelle und cisgeschlechtliche (Bezeichnung für Personen, deren Geschlechtsidentität mit ihrem biologischen Geschlecht übereinstimmt) Lehrer:innen können und sollten darüber sprechen, wobei es auch von Vorteil ist, wenn sie dabei Anekdoten von Freunden oder Familienmitglieder aus der LGBTQIA+-Szene einfließen lassen. Des Weiteren ist es natürlich wichtig, dass Lehrkräfte sofort einschreiten, wenn sie Diskriminierungen oder Mobbing bemerken. Dies fördert nicht nur die Akzeptanz von LGBTQIA+-Schüler:innen, sondern sorgt generell auch für eine positivere Einstellung, wenn Schüler:innen wissen, dass Mobbing nicht geduldet wird. Wenn diskriminierende Beschimpfungen, wie „Schwuchtel“ etc., fallen, sollten pädagogische Fachkräfte oder Eltern diese nicht einfach im Raum stehen lassen, sondern die Aussagen kritisch hinterfragen und den Schüler oder die Schülerin über ihre Worte reflektieren lassen. Dabei sind Fragen, wie zum Beispiel „Warum ist das für dich ein Schimpfwort?“ oder „Was ist so schlimm daran, schwul zu sein?“, hilfreich. Sollte jedoch keine Einsicht seitens des Kindes erfolgen, müssen klare Grenzen aufgezeigt werden.

Besonders wichtig ist natürlich auch die Vermittlung von Wissen über LGBTQIA+-Angelegenheiten. Dabei sollte nicht nur Sexualkunde oder die Auseinandersetzung mit sexuellen und geschlechtlichen Identitäten eine Rolle spielen. Auch im Geschichts- oder Politikunterricht kann beispielsweise die Diskriminierung von LGBTQIA+-Personen aufgearbeitet werden. Außerdem ist es sinnvoll, wenn Schüler:innen probieren, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Dadurch üben sie sich in Empathie und darin die Perspektive von ihren Mitmenschen zu verstehen. In diesem konkreten Fall könnten Schüler:innen beispielsweise einen Brief aus der Sicht einer homosexuellen Person verfassen, die dazu bereit ist, sich zu outen.

Zu sehen ist eine Faust vor einer Regenbogenflagge. Der Unterarm, der zur Faust gehört, wurde mit den Regenbogenfarben bemalt.

Letztendlich ist es zwar gut, wenn einzelne Lehrkräfte und Schulen sich für einen sicheren Lernort für LGBTQIA+-Schüler:innen einsetzten. Aber um das Problem der Diskriminierung effektiv und weitflächig bekämpfen zu können, braucht es mehr Einsatz von der Politik. Es kann nicht sein, dass Lehrkräfte oder die betroffenen Schüler:innen von unserem System mit solchen schwierigen Herausforderungen alleine gelassen werden. Es braucht bessere Antidiskriminierungskonzepte auf Landesebene, welche von allen Bundesländern durchgeführt werden müssen. An Schulen finden nicht nur Angriffe auf LGBTQIA+-Schüler:innen statt, sondern auf alle Schüler:innen, die in irgendeine Weise “anders” sind. In diesem Artikel über Rassismus an Schulen und dessen Fortsetzung hat Euch Lehrer-News bereits Informationen über Rassismus an Schulen zur Verfügung gestellt und gezeigt, was dagegen unternommen werden kann.

Habt Ihr selbst oder jemand Bekanntes von Euch bereits Erfahrungen mit der Diskriminierung von LGBTQIA+-Personen gemacht? Wenn Ihr diese Erfahrungen mit uns teilen wollt, könnt Ihr uns gerne in den Kommentaren davon berichten.