Video-Interviews mit Menschen aus aller Welt können Schülern im Sprachunterricht helfen. Sie motivieren und geben ihnen die Möglichkeit, Muttersprachler zu hören. Nur eine Methode ist besser. Drei Fragen an die Fremdsprachenlehrerin Antje Mühlenstedt-Meko.

Welchen pädagogischen Vorteil bieten Video-Interviews im Unterricht?

Sie sind authentisch und motivieren die Schüler. Ich mache meistens Interviews mit Native-Speakern, und das finden die Schüler dann toll – unterschiedliche Akzente, unterschiedliche Leute und so weiter. Die Videos bieten auch gute Möglichkeiten fürs interkulturelle Lernen: Multiperspektivität; ein Thema aus einem anderen Blickwinkel betrachten; jemand hören, der direkt betroffen ist, zum Beispiel beim Thema Beispiel Brexit: Wie sehen das die Briten, wie sehen die Iren, wie die Nordiren?

Thematisch liegt mir persönlich dabei sehr am Herzen, dass die Schüler:innen mit Lebensrealitäten aus dem globalen Süden konfrontiert werden. Gerade beim Thema Klimawandel konfrontiere ich die Lernenden und Kolleg:innen, mit denen ich das Material teile, oft mit dem alltäglichen Leben und den damit verbundenen Hindernissen. Im Anschluss daran sollen die Schüler:innen dann des Öfteren selbst Sprachaufnahmen mit ihren Reaktionen und Fragen nach Nigeria, Benin oder Kamerun schicken. So kommt ein Nord-Süd-Dialog in Gang.  

Welche technischen Mittel braucht man für Video-Interviews?

Das kann man ganz einfach mit dem Handy aufnehmen, oder mit dem Tablet. So mache ich das meistens.

Wie setzt man auf Video aufgenommene Interviews im Präsenzunterricht optimal ein?

Im Präsenzunterricht aber auch im Remote-Unterricht kann man Videos sehr gut einsetzen. Beim Fremdsprachenunterricht ist das natürlich super fürs Hörverstehen. Vom Anfangsunterricht bis zum fortgeschrittenen Unterricht kann man Videos für unterschiedliche Niveaus ansetzen. Und man kann unheimlich gut Leute zu aktuellen brandheißen Themen befragen.

Wie man die Video-Interviews optimal einsetzt, hängt auch von der Lerngruppe ab. Bei den Anfängern muss das Video natürlich relativ kurz sein, es muss deutlich gesprochen werden und man muss es vorher besser vorbereiten. Man kann zum Beispiel Hörverständnisfragen stellen: Manchmal sollen die Schüler nur einzelne Wörter erkennen, manchmal sollen sie Informationen entnehmen. Da muss man je nach Bedarf und Niveau differenzieren.

Pro Tipp 

Es ist ganz wichtig, dass es klare Arbeitsanweisungen gibt – wie immer in der Schule. Den Leuten, die man interviewt, muss man auch klar sagen: „Sprich langsam!“ Die dürfen natürlich nicht nuscheln und sollen möglichst deutlich sprechen. Es ist auch gut, wenn sich die Interviewten bei ihren Antworten manchmal etwas kürzer halten.

Kritik

Es müssen oder sollten nicht immer Videos sein. Manchmal sind Audio-Dateien besser, damit die Schüler sich auf das Hören konzentrieren können. Dafür kann man natürlich auch einfach die Tonspur des Videos ohne das Bild nehmen.

Antje Mühlenstedt-Meko ist Fachbereichsleiterin für Fremdsprachen an der KGS Leeste in Weyhe. Dort unterrichtet sie Englisch, Französisch und Deutsch als Zweitsprache (DaZ).

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