Scobees ist ein digitales Tool für eigenverantwortliches Lernen mit dynamischen Lernprozessen in und außerhalb der Schule, mit dem Lernende individuell im Lernen begleitet werden. Lehrer News hat mit den Gründerinnen Annie Dörfle und Lena Spak gesprochen.

Lehrer News: Vielen Dank, dass ihr Euch Zeit für das Interview nehmt. Seit wann gibt es Scobees jetzt?

Scobees das “Projekt” gibt es seit 2018 und es ist aus dem Impuls eines Schulnetzwerks entstanden, ein digitales Tool für die Lernbegleitung zu entwickeln. Wir haben uns Anfang 2019 dazu entschieden, aus dem “Projekt” Scobees das “Startup” Scobees zu machen. Die ersten Tests in Schulen haben damals aufgezeigt, wie hoch der Bedarf bei allen Beteiligten ist. Einerseits geht es darum, die Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler zu erhöhen – zum Beispiel durch Selbstorganisation. Andererseits zeigten die Tests aber auch die Notwendigkeit auf, dass Lehrpersonen für die Umsetzung individueller Lernbegleitung ein digitales Werkzeug benötigen, das die Transformation einer Lehr- und Lernkultur unterstützt und gleichzeitig Arbeitserleichterung schafft. Hier konnten wir ansetzen und Scobees als digitales Tool für die individuelle Lernbegleitung konzeptionieren, das für selbstorganisiertes Lernen in seiner Anwendung die Funktionen aus Perspektive der Lernenden sieht.

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Im Interview mit Scobees

Lehrer News: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, zu gründen?

Lena und ich haben zunächst in unserer Elternzeit hin und her überlegt, inwiefern wir mit der Idee eines Startups im Bildungsbereich zeitgemäße Lerninputs in Form einer App aufbereiten könnten. Der Impuls für die Scobees Idee kam letztendlich aus dem Schulnetzwerk heraus. Der Kontakt entstand beim Startup Weekend Education über einen Schulentwicklungsberater, der uns dort ansprach und uns direkt in das Netzwerk mit aufnahm. Unser Startgedanke, mit zeitgemäßen Lerninputs junge Menschen da abzuholen, wo ihr Interesse geweckt ist, stellt bis heute einen zentralen Hebel in Scobees dar.

Lehrer News: Wofür steht der Name Scobees?

Scobees steht für mutige “first mover” oder “newbies”, die Lust haben auf Digitalität in der Schule (School).

Lehrer News: Und wie funktioniert eure Plattform?

Jede Schule oder Organisation, die mit Scobees starten oder Scobees aktiv testet will, erhält von uns einen Scobees Live Account. Damit können Lehrkräfte Lerninhalte kollaborativ und differenziert erstellen. Alles, was im Live Account “freigeschaltet” ist, kann vom Kollegium wiederverwendet oder eben gemeinsam erstellt werden.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten mit Scobees eigenverantwortlich, in ihrem Lerntempo und mit den passenden Lernmaterialien. Jede Lerneinheit kann für einen dynamischen und selbstbestimmten Lernprozess mit Extra-Inputs, Trainings-Inputs oder Wahlpflichtaufgaben erstellt werden. Die Schülerinnen und Schüler reflektieren das Lernen und geben kontinuierlich Rückmeldung.

Die Lehrpersonen sehen im digitalen Lerntagebuch jederzeit, wo die Lernenden jeweils stehen und wie sich das Lernen individuell entwickelt. Durch Feedbacks und Unterstützung in der Lernorganisation können die Schülerinnen und Schüler gezielt und aktiv im Lernen begleitet werden.

Die Rolle der Lehrkraft verändert sich und die individuellen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler rücken stärker in das Zentrum von Handlungen.

Lehrer News: Wie können insbesondere Lehrkräfte sie am besten einsetzen?

Lehrkräfte sollen raus aus dem Einzelkämpfertum. Warum muss jeder das Rad der Materialerstellung neu erfinden? Gleichzeitig wollen wir Lehrpersonen neue Möglichkeiten aufzeigen, wie man Lernbegleitung digital unterstützt ermöglichen und damit auch den Anspruch an Inklusion für Chancengleichheit in der Schulpraxis umsetzen kann.

Lehrer News: Wenn ihr das optimale Bildungs- bzw. Schulsystem skizzieren solltet – wie sähe das aus?

Der Ansatz, dass Schule auch ein Raum der Unbestimmtheit ist, in der die Schülerinnen und Schüler Themen erforschen und Lernorte auch außerhalb der Schule aktiv in den Lernprozess miteinbezogen werden, sind Teile dieser Vision. Die richtigen Werte und Haltungen junger Menschen im digitalen Zeitalter auszubilden, stellt eine viel höhere Komplexität dar, als vor 40 Jahren. Skills, wie sozio-emotionale Kompetenzen, Verantwortungskompetenzen oder Teamfähigkeit, haben zudem an Importanz gewonnen, um hier nach dem Schulabschluss bestmöglich auf die nächsten Schritte vorbereitet zu sein.

All diese Aspekte haben rein gar nichts mit dem stumpfen Abarbeiten von Aufgaben zu tun, wie es heute noch oft in Schule gelebt wird. Und in der die Praxis der Arbeitswelt bisher viel zu kurz kommt.

Lehrer News: Gibt es etwas, was Ihr Lehrkräften mit auf den Weg geben wollt?

Tut euch mit Kolleg*innen zusammen, fragt bewusst nach, wenn ihr mehr wollt oder holt euch Expertenrat, wenn etwas nicht klappt. Kommt raus aus der Komfortzone, beschäftigt euch mit den Trends der Arbeitswelt und lehrt auf Augenhöhe. Traut den jungen Menschen einfach zu, dass selbstorganisiertes Lernen funktioniert. Inspiriert Euch im Twitterlehrerzimmer und testet Scobees!

Vielen Dank für das Interview,

wenn Ihr mehr über Scobees wissen wollt, geht auf ihre Website und schaut es Euch an.