Foto von Frank Peters

Die Neue KMK Vorsitzende Karin Prien

In schwierigen Zeiten wie diesen ist ein Amt, wie das der Präsidentin der Kultusministerkonferenz zu übernehmen,eine Mammutaufgabe. Genau wie ihre Vorgängerin Britta Ernst übernimmt auch Karin Prien das Amt in einer ungewohnten und herausfordernden Situation. Prien, die Erfahrung aus über 40 Jahren Politik mitbringt, wird sich mit Themen wie der Schulschließung, dem Distanzunterricht und den Hygienemaßnahmen auseinandersetzen müssen, und Woche für Woche Entscheidungen treffen, die für reichlich Diskussionsstoff sorgen werden und Frau Prien in den Mittelpunkt der Gespräche rücken werden. Welche Linie die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur dabei verfolgen möchte und wie sie den Unterricht in Deutschland – sowohl inhaltlich als auch digital – verbessern möchte, verriet sie uns im Interview.

Sie positionieren sich deutlich gegen eine flächendeckende Schulschließung. Was sind Ihre Zweifel an dieser Methode und wie wollen Sie gewährleisten, dass auch während dieser schwierigen Zeiten ein reibungsloser Unterricht stattfindet?

 

Ministerin Karin Prien: Die Notwendigkeit des Präsenzunterrichts ergibt sich vor allem aus den psychosozialen Folgen, die Kinder und Jugendliche in der Pandemie erfahren haben. Kinder brauchen Kinder. Schule ist ein unverzichtbarer Lebens- und Lernort für junge Menschen. Außerdem ist Omikron zwar ansteckender als die bisherigen Varianten, aber der Krankheitsverlauf ist auch milder. Deshalb halte ich es auf jeden Fall für verantwortbar, den Präsenzunterricht fortzusetzen – natürlich unter verstärkten Hygienemaßnahmen. Dazu gehört an allererster Stelle die Maske. Dazu gehören aber auch Lüftungskonzepte, Kohortenregeln und ein intensives Testregime, das uns ermöglicht, Infektionsketten früh zu unterbrechen.

 

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Karin Prien positioniert sich im Interview mit der Welt gegen Schulschließung.

Besonders interessant für uns, als Organisation die daran arbeitet die Digitale Bildung voranzubringen, sind ihre Pläne zu eben jenem Thema. Was sind Ihre Ideen und Ansätze, wie wollen Sie die deutsche Bildung digital voranbringen?

 

Ministerin Prien:

Es gilt jetzt, die Erfahrungen, die während der Pandemie gerade auf dem Feld der Digitalisierung gemacht wurden, zu nutzen und weiter zu entwickeln. Das betrifft zum Beispiel die Frage nach Mindeststandards. Mindeststandard heißt eben nicht: mindestens fünf Stunden Videokonferenz am Tag. Auch beim Distanzunterricht muss die Tiefendimension des Lernens erreicht werden. Das ist vor allem eine Frage des methodischen und didaktischen Instrumentenkastens. Deshalb werden wir den vertieften Diskussions- und Umsetzungsprozess zu „Bildung in der digitalen Welt“ weiter vorantreiben.  Anknüpfend an die gemeinsame Erklärung „Zukunft gemeinsam gestalten – digitale Schule langfristig unterstützen“ wollen wir auf KMK-Ebene eine gemeinsame Verständigung erarbeiten und auf den Weg bringen.

 

Falls eine erneute, zumindest teilweise Schulschließung anstehen sollte, wie würden Sie den Spagat zwischen Präsenz und Homeschooling optimieren wollen?

 

Ministerin Prien: Wir haben bei der Digitalisierung überall große Fortschritte gemacht. In Schleswig-Holstein haben wir zum Beispiel bedürftige Schüler mit Endgeräten ausgestattet, wir haben Bandbreiten überall erweitert, ein Lernmanagementsystem angeschafft und die Lehrer umfassend fortgebildet, sodass ich sagen kann: Die Schulen in Schleswig-Holstein sind heute deutlich besser vorbereitet auf diesen Weg des Unterrichtens, der allerdings nie optimal ist. Außerdem sieht unser Rahmenkonzept für das Schuljahr 2021/22 unter dem Titel „Lernen aus der Pandemie“, das im Sommer bereits an alle Schulen versendet wurde und weiterhin Gültigkeit hat, ausdrücklich den kontinuierlichen Einsatz digitaler Mittel im Unterricht vor. 

 

Was erhoffen Sie sich von Ihrer Amtszeit? Welche Ziele haben bei Ihnen oberste Priorität?

 

Ministerin Prien: Das Thema der KMK-Präsidentschaft lautet „Lernen aus der Pandemie“. Unter diese Überschrift möchte ich den Diskurs über die Herausforderungen, vor allem aber über die Möglichkeiten, die daraus erwachsen, führen. Dabei geht es um die Digitalisierung, aber nicht nur. Digitalisierung geht nicht ohne Lehrkräfte. Deshalb werden wir die zentrale Rolle der Lehrkräfte für das Lernen und den Bildungserfolg noch mehr in den Blick nehmen. Zudem brauchen wir weitere Anstrengungen, um die Lehrkräftegewinnung sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht weiterzuentwickeln. Das Ziel der KMK-Präsidentschaft 2022 ist außerdem, die drei Bereiche Bildung, Wissenschaft und Kultur, die oft getrennt voneinander betrachtet wurden, enger zusammenzubringen und einen Dialog mit allen Beteiligten zu ermöglichen.

 

Wie wollen Sie die Bildung der Lehrkräfte voranbringen und welche Aspekte haben dabei für Sie besondere Priorität?

 

Ministerin Prien: Eine wichtige Aufgabe ist die konsistente Qualifizierung der Lehrkräfte und zwar über alle drei Phasen hinweg zu forcieren und ihr Bild in der Öffentlichkeit weiter zu verbessern. Wir müssen Lehrkräfte auch besser auf die Digitalisierung und die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft vorbereiten. Auf einer Dialogveranstaltung, gegebenenfalls im Rahmen des Plenums der KMK, werden wir Fragen der Lehrkräftebildung thematisieren. Ziel ist ein phasenübergreifender Kompetenzrahmen – ausgehend vom europäischen Kompetenzrahmen – für die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte und des pädagogischen Personals.

 

Wie stehen Sie zum Thema Digitale Anbieter an Schulen? Sind Sie der Meinung,dass in Zukunft nur noch Zertifizierte Anbieter mit Schulen kooperieren dürfen sollten?

 

Ministerin Prien:  Im Kontext des DigitalPakts Schule 2019 – 2024 kooperieren die Länder in dem länderübergreifenden Vorhaben eduCheck digital (EDCD), das der Entwicklung eines gemeinsamen Prüfverfahrens für digitale Bildungsmedien dient. Ziel von EDCD ist es, Kriterien, Standards, Verfahren und technische Systeme zur Prüfung digitaler Bildungsmedien zu entwickeln, damit diese im Unterricht technisch zuverlässig und rechtskonform eingesetzt werden können. Für die Länder vereinfacht EDCD den Mehraufwand bei Zulassungs- und Prüfverfahren von  digitalen Angebote durch die Entwicklung und Erprobung übergeordneter Standards und Verfahren.  Weitere Informationen finden Sie unter https://educheck.schule/

 

Was wären Ihre Maßnahmen um die Bildungsgerechtigkeit voranzubringen?

 

Ministerin Prien: Wir müssen noch mehr Augenmerk auf Schulen in herausfordernden Umgebungen legen. Gerade diese Schulen waren ja auch in der Pandemie hohen Belastungen ausgesetzt. Als Vorsitzende der Bund-Länder-AG „Schule macht stark“ werden wir einen Fachkongress in Schleswig-Holstein ausrichten und das schleswig-holsteinische PerspektivSchul-Programm vorstellen sowie erste Evaluationsergebnisse präsentieren. Neue Chancen bietet richtig angepackt auch der Startchancen-Ansatz der Ampelkoalition. Im Ergebnis geht es um bessere Schule mit mehr Ressourcen gerade für Kinder, die schwierige Ausgangslagen haben. Ein weiterer Punkt, gerade auch mit Blick auf die Bildungsgerechtigkeit, ist das Spannungsfeld zwischen Freiheit von Schule und Steuerung zur gleichmäßigen Sicherung des Lern- und Unterrichtsgeschehens. Da kommt der Schulleitungsqualifizierung eine besondere Bedeutung zu.

 

Wie stehen Sie zum Digitalpakt 2.0 und der Länder Bund Kooperation? Welche Ideen haben Sie diesbezüglich?

 

Ministerin Prien: Die Pandemie hat gezeigt, dass der bestehende Bildungsföderalismus noch stärker kooperativ ausgerichtet werden sollte. Der DigitalPakt Schule war gut. Jetzt braucht es unter anderem eine Verständigung mit Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden, wie der weiterhin notwendige und kontinuierliche Prozess der Schuldigitalisierung nachhaltig finanziell und strukturell gesichert werden kann. Dabei geht es weiter darum, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Das wird auch ein Thema meiner KMK-Präsidentschaft sein.

 

Wir wünschen Frau Prien einen erfolgreichen Start in das neue Amt und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit und einen konstruktiven Austausch!

 

Wie stehst du zu Frau Priens Ideen und Plänen? Hast du Vorschläge, Anregungen und Ideen wie du auf die Angesprochenen Punkte eingehen würdest? Lass es uns in den Kommentaren wissen! Wenn ihr euch für die Kultusministerien und ihre Funktionen interessiert folgt dem Link.