Die gewaltfreie Kommunikation

Konflikte sind eine alltägliche Erscheinung – sie zu umgehen ist nicht möglich. Auseinandersetzungen ziehen sich durch jede Altersgruppe hinweg vom Kindergarten bis hin zum Berufsalltag. Dass verschiedene Ansichten und Meinungen nicht immereinen gemeinsamen Nenner finden können, ist klar. Jedoch lassen Konfliktmanagement sowie der Umgang mit verletzten Gefühlen häufig zu wünschen übrig. Kommunikationsfehler sind oftmals die Basis für solche Missverständnisse. Ob Konflikte entstehen und wie wir sie beseitigen, das hängt maßgeblich mit unserer Kommunikation und ihrer Konstruktivität zusammen. Das Modell “Gewaltfreie Kommunikation” (GFK) nach Marshall B. Rosenberg spielt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle, und kann dafür Sorgen, dass Konflikte effizient und konstruktiv gelöst werden.

Auf dem Bild zu sehen sind zwei sich streitende Personen.

Das Konzept

Das Konzept der “Gewaltfreien Kommunikation” wurde vom US-Amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg eingeführt. Dabei geht es , nicht, wie der Name vielleicht vermuten lässt, um den Verzicht auf körperliche Gewalt, sondern um die Vermeidung verbaler Gewalt, sprich Beleidigungen, Anfeindungen, Bedrohungen und die Verletzung von Gefühlen. Das Konzept basiert auf vier Schritten. Im ersten Schritt geht es um eine klare und objektive Darstellung des Sachverhaltes. Vorwürfe und Phrasen wie “immer” “alle” “keiner hier” sollten vermieden werden, da diese Konfrontationen häufig in einer Verteidigung enden. Somit entsteht ein Schuldgefühle und Emotionen verhindern einen konstruktiven Dialog. Im nächsten Schritt geht es darum, seine eigenen Gefühle in den Vordergrund zu stellen. Hierbei soll der Fokus komplett auf der eigenen Person liegen und nicht auf den anderen Personen. Dies geschieht mithilfe von “ich” Botschaften. Ein Beispiel wäre: “Wir hatten heute um 14 Uhr eine Besprechung. Du warst nicht anwesend. Ich war enttäuscht, denn ich hatte alles vorbereitet.” Dadurch wird eine effiziente Bearbeitung des Konfliktes möglich, Probleme werden rational und klar aufgezeigt. Im darauffolgenden Schritt werden die Bedürfnisse und das Anliegen dann noch einmal manifestiert. In dieser Phase wird dem Gegenüber mitgeteilt, was man sich wünscht oder braucht.. So schafft man Klarheit und gibt der Gesprächspartner:innen auch die Chance, diese Klarheit zu erhalten. Zuletzt kann man dies durch Bitten im vierten Schritt bekräftigen. Bitten sind erlaubt, und wenn der Tonfall stimmt, kann hierbei auch etwas Positives für die Gesprächspartner:innen herausspringen.

Auf dem Bild zu erkennen, sind zwei Personen die sich friedlich unterhalten

Das Ziel

Das Ziel ist simpel. Einen Dialog ermöglichen, der auf Vertrauen, Klarheit und Freude basiert. Eliminiert werden sollen sogenannte Kommunikationssperren. Bei diesen handelt es sich um befehlen, belehren, warnen, predigen, bedrohen, ablenken, loben, beschämen sowie urteilen. Die Sprache soll vom Täter-Opfer-Denken befreit werden und auf das Prinzip der Schuldzuweisung verzichten. Wird auf diese Methoden zurückgegriffen, schließen die Gesprächspartner:innen häufig die Tür, ziehen sich zurück oder gehen in den Angriff über, was im Großen und Ganzen nicht konstruktiv ist.

 

Die Vorteile

Während eines Konfliktes kann es durch Schuldzuweisungen, Konfrontationen und verbale Angriffen dazu kommen, sodass der eigentliche Kern des Konfliktes, die Streitfrage und die zu klärenden Punkte, von keinem der Gesprächsteilnehmenden wirklich verstanden und erkannt werden. Dies erschwert weitere Gespräche oder verhindert sie gar. Der entscheidende Vorteil der GFK ist hierbei, dass diese Probleme direkt relativiert werden. 

 

Kritik

Das Modell GFK ist sehr von den Gesprächsteilnehmer*innen abhängig. Wie offen und bereit sind die Personen und wie sehr lassen sie sich auf das Modell ein? Hinzu kommt, dass das Modell nicht auf jede Konfliktsituation anwendbar und daher kein Allheilmittel ist. Besonders in der Arbeitswelt stößt das Modell an seine Grenzen. Die vermeintlich empathische Hülle wird hierbei schnell zur Fassade. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Behandlung und Diskussion von Argumenten. Wer sich nicht auf Verhandlungen einlässt und bereit zur Metareflexion ist, gilt schnell als unempathisch. Er muss ständig auf die Subjektivität seiner Aussagen hingewiesen werden. Dadurch wird das Ziel der GFK komplett verfehlt und die Konflikte können in ihrer Schwere und Emotionalität sogar anwachsen.

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Dieser Beitrag behandelt das Konzept GFK anhand eines Beispiels, und fasst dessen Stärken und Schwächen noch einmal zusammen.

Was ist eure Meinung zum Konzept GFK? Wie würdet ihr euch in Diskussionen verhalten? Haltet ihr die Methode für sinnvoll und zielführend? Falls ihr euch weiter dazu informieren wollt, gibt es Infomaterial auf der Website gfk-info.de. Alternativ werden auch Seminare und Kurse zum Thema angeboten. Lasst es uns in den Kommentaren wissen! Hier findet ihr einen Artikel zum Thema Kommunikation im Englischunterricht.