Katharina Swinka, die seit letztem Jahr die Nachfolge von Dario Schramm als Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz angetreten hat, koordiniert die Arbeit der Bundesschülerkonferenz sowie der Fachreferate. Zudem vertritt sie die Konferenz nach außen ist für die Vertretung bei Außenterminen zuständig. Zusätzlich bereitet sie sich auf ihr Abitur vor. Frau Swinka pflegt einen aktiven Twitter Account und hegt eine bestimmte Forderung: Schüler:innen sollte mehr Gehör geschenkt werden. Wichtig sei, “auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen zu achten und das auch in die Schule mit einzubinden.”

Zu sehen sind Katharina Swinka und Dario Schramm.
Quelle: https://mobile.twitter.com/katharinaswinka

Aktuell ist es Frau Swinka wichtig, die Schulen trotz Corona-Pandemie offen zu halten, um Chancengleichheit zu fördern. Die mentale Gesundheit der Schüler:innen liegt ihr besonders am Herzen. Wir wollten mehr über Katharina Swinka erfahren und haben sie um ein Gespräch gebeten. Es geht um persönliche Motivation, aktuelle Themen, die die Bundesschülerkonferenz beschäftigen und ihre politische Zukunft.

Position als Landesschulsprecherin als Vorbereitung für neue Aufgaben

ZDB: Was waren Ihre Beweggründe, sich für die Position als Generalsekretärin bei BSK zu bewerben? Was hat in der Vergangenheit weniger gut funktioniert? Was möchten Sie ändern? 

Katharina Swinka: Um ehrlich zu sein war es nie der Plan, Generalsekretärin zu werden (…) Ich habe angefangen, als Referentin und im letzten Jahr war ich inhaltlich verantwortlich. Ich war total happy mit dem Job, es hat mega viel Spaß gemacht. (…) Ab letztem Jahr kam die Idee auf und ich habe mich damit angefreundet. Gerade in der Coronapandemie gab es noch weitere Missstände. Dario Schramm, der ehemalige Generalsekretär, hat ein super Sprungbrett aufgebaut. Ob in Bezug auf die Presse oder auch in der Politik. Ich denke, man kann noch viel mehr ausbauen, als bereits geschafft wurde. Das große Oberthema ist natürlich, (…) das beste für die Schüler:innen herauszuholen. Ich denke, wir haben immer noch eine viel zu kleine Lobby, dafür, dass es mittlerweile fast 8 Millionen Schüler:innen in Deutschland gibt. Da muss die Stimme einfach in die Öffentlichkeit getragen werden, damit wir auch gehört werden. Damit wir, die in der Schule sitzen, auch das erhalten, was Menschen benötigen. 

ZDB: Sie engagierten sich einige Jahre auch als Landesschulsprecherin. Wie könnte Ihnen diese Position bei der Bewältigung der Aufgaben Ihrer neuen Rolle helfen?

Katharina Swinka: Die Zeit hat in gewisser Weise darauf vorbereitet, wie die Arbeit hier abläuft. Man hat gelernt, wie man mit Pressevertretern redet und mit solchen aus der Politik. (…) Und wie es ist, aus dem Unterricht rausgehen zu müssen, um ein Telefonat zu führen, denn: Arbeitszeit ist gleich Schulzeit. (…) Wie funktioniert es,ein großes Team anzuleiten? In Bundessekretariat waren es 15 Leute und dies hat schon geholfen – auch, wie man Menschen motiviert, zu arbeiten und wie man sich selbst zurechtfindet.

Ziele für die Zukunft

ZDB: Aktuelle Themen, die die Bundesschülerkonferenz beschäftigen, sind Digitalisierung, soziale Ungleichheit zwischen den Schüler:innen sowie die Fort-und Weiterbildung von Lehrer:innen. Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um diese Probleme zu lösen? Welche Schritte stehen als nächstes auf Ihrer Agenda?

Katharina Swinka: Gerade was Digitalisierung angeht, haben wir auf unserer vorletzten Sitzung einen Ausschuss gegründet: den Ausschuss Digitalisierung. Darin sind aus allen Ländern Menschen, die sich mit dem Thema auskennen und die arbeiten einen Förderungskatalog aus, der mir dan vorgelegt wird. (…) Das ergibt eine gute Grundlage, um damit an die Öffentlichkeit zu treten. Diese werden sich auch mit speziellen Vertreter.innen zusammensetzen, um herauszufinden, was überhaupt machbar ist. Ist es realistisch, was wir denken oder kompletter Unfug?  (…) So kann man das gut bewältigen, sodass es nicht immer auf den gleichen Leuten lastet. Für alles weitere ist es immer wichtig, mit den Betroffenen zu reden und in dem Fall sind das die Schüler:innen, die sich regelmäßig austauschen, sodass wir entsprechende Erfahrungsberichte erhalten. (…) Nicht nur von privilegierten Schüler:innen, sondern auch von Schattenfamilien oder Menschen, die indirekt betroffen sind. Im Gesamten ist es sehr wichtig, mit den Akteuren zu sprechen – sei es mit der bundesministerin für Bildung und Fortschritt oder aber mit der Kulturministerkonferenz. Da stehen Gespräche über verschiedene Themen an. Aber diese werden auch Platz darin finden. Dann liegt die Umsetzung an den Ländern, auch inwiefern sie damit weiterarbeiten.

ZDB: In einem Interview mit dem Deutschlandfunk berichten Sie über die aktuelle Gefühlslage der Schüler:innen während der Corona-Pandemie. Haben Sie weitere konkrete Vorschläge, um die Situation innerhalb der Schulen zu verbessern?

Katharina Swinka: In erster Linie ist es wichtig, dass Lehrer:innen die Initiative ergreifen. (…) Die meisten Lehrkräfte sind heillos überarbeitet, das kann man nicht verschweigen. Aber den Schüler:innen geht es trotzdem nicht besser. Lehrkräfte haben in der Regel eine pädagogische Ausbildung und sollten darauf geschult sein, zu merken, wenn mit Schüler:innen etwas nicht stimmt. (…) Für viele Schüler:innen ist die Schule ein Zufluchtsort, in der Schule lernt man nicht nur, sondern lebt in der Regel 8 Stunden am Tag. Deswegen ist es wichtig, dass Lehrkräfte darauf geschult sind, zu erkennen, ob es zuhause Probleme gibt. (…) Eine sanfte Herangehensweise ist dabei oftmals das beste.

ZDB: Ihre bisherige Biografie ist politisch geprägt. Können Sie sich eine Karriere in der Politik vorstellen?

Katharina Swinka: Mir wird öfters vorgeworfen, weil ich in der SPD bin, die SPD-Linie zu fahren und das Wohl von Schüler:innen komplett zu ignorieren – dies ist nicht der Fall. Ich denke, ich werde auf irgendeine Art und Weise in der Bildungspolitik bleiben, weil sich das so manifestiert hat und mir auch großen Spaß macht. Zunächst möchte ich aber erstmal ein Studium abschließen und dann schauen, wie es weiter geht. (…) Ich bin sehr gespannt, was noch kommt.

Wir danken Frau Swinka für ihre Zeit und das informative Gespräch. 

Einen weiteren Artikel zur Bundesschülerkonferenz findest Du hier.