Ein gehässiger Kommentar unter dem neuesten Instagrambild. Ein unerwünschtes Dickpick im DM-Ordner. Ex Partner:innen, die private Videos ohne Zustimmung veröffentlichen. Die Liste an Formen digitaler Gewalt ist lang und für viele Frauen Alltag. Wie äußert sich die Gewalt im Netz und wie kann dagegen vorgegangen werden? Im Rahmen des internationale “Behaupte dich gegen Mobbing”-Tag berichten wir über eine unterschätzte Form von Gewalt.

Die vielen Gesichter digitaler Gewalt

Digitale Gewalt umfasst verschiedene Bereiche. Darunter fallen zum Beispiel Nötigungen/Drohungen, Beleidigungen sowie soziale Isolation, aber auch Rufschädigung oder damit verbundene Erpressungen. Weitere Formen digitaler Gewalt findest du hier. All dies geschieht via sozialen Medien, läuft also hauptsächlich digital ab. Dennoch kann aus digitaler Gewalt auch physische Gewalt werden. Ebenso ist es möglich, dass auch physischer Gewalt digitale Gewalt wird. Oftmals werden beide Arten von Gewalt kombiniert, was zu zusätzlichem Leid der Betroffenen führt. Problematisch ist häufig die Tatsache, dass Täter:innen und Opfer sich kennen, womit eine Auseinandersetzung mit dem Thema unweigerlich geschehen muss. 

Gewalt rund um die Uhr

Die Problematik von digitaler Gewalt ist, dass sie rund um die Uhr geschehen kann. Es gibt keinen Schutzraum, in denen sich betroffene Personen flüchten können. Betroffene sind demzufolge fast permanent ihren Täter:innen ausgesetzt. Seien es heimliche Aufnahmen, die veröffentlicht werden, Stalking oder aber sexistische, rassistische oder generell diskriminierende Kommentare in den sozialen Medien – für viele Menschen, insbesondere auch Schüler:innen, ist dies Alltag. Zusätzlich dazu ist die sexuelle Gewalt ein großer Bestandteil des Cybermobbings.

Sexuelle Gewalt tangiert zu ⅔ Frauen

Gerade sexuelle Gewalt betrifft zu zwei Dritteln Frauen und Mädchen. Problematisch ist hierbei vor allem sexueller Missbrauch, der sowohl aktiv, als auch passiv konsumiert wird. 

Zu sehen ist ist eine lilafarbene Schleife und im Hintergrund ist “stop violence” zu lesen.

“Herabwürdigungen, Bedrohungen, sexuelle Belästigungen und frauenfeindliche Kommentare sind eine Ausprägung von zahlreichen unterschiedlichen Gewaltformen, mit der Frauen konfrontiert sind und denen wir uns entschieden entgegenstellen. Frauen müssen im Netz sicherer unterwegs sein können.”, so Franziska Giffey im Rahmen der #StärkerAlsGewalt Kampagne. Das Internet solle als offener Raum fungieren, aber trotzdem die Sicherheit aller Nutzer:innen gewährleisten. “Belästigungen und Bedrohungen sind Straftaten, die verfolgt werden müssen.”, fügt Dr. Giffey hinzu. Doch gerade darin ist ein weiteres Problem zu erkennen: Viele Betroffene trauen sich nicht, Anzeige gegenüber der Täter:innen zu stellen, da das Gefühl von Scham häufig überwiegt. Die Dunkelziffer ist somit um ein Vielfaches höher.

Digitale Gewalt kann darüber hinaus auch anonym geschehen. Josephine Ballon von der gemeinnützigen GmbH HateAid berichtet: “Ziel ist es oftmals, Frauen mundtot zu machen.” Durch Hatespeechs oder respektloser Kommentare wird über Frauen berichtet. Dabei wird oft ein großes Publikum erreicht, die Kommentare sind nur schwer komplett löschbar. Durch Anonymität erlauben sich Täter:innen teilweise mehr und müssen nur selten mit Konsequenzen rechnen. Dadurch ist es umso schwieriger, die Täter:innen ausfindig zu machen, sowie angemessen juristisch vorzugehen.

Zu sehen ist ein Mädchen, das sich die augen zuhält und vor einem Laptop sitzt.

Cybergrooming betrifft häufig junge Mädchen

Eine weitere Form der sexuellen digitalen Gewalt ist Cybergrooming. Täter:innen missbrauchen und belästigen Kinder und Jugendliche im Netz, indem sie sie auf Plattformen, wie TikTok, Instagram oder auch Snapchat in zunächst harmlose Gespräche verwickeln. Dabei bleibt es selten. Die Nachrichten werden expliziter, aggressiver. Bilder werden verschickt und angefordert. Im schlimmsten Fall werden Treffen verabredet. Betroffene sind oftmals noch jung und wissen nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Das Vertrauen, das ihnen die Kinder entgegenbringen, wird missbraucht und kann sogar in einer Abhängigkeit enden. Exakte Zahlen, wie viele Kinder und Jugendliche in Deutschland von Cybergrooming betroffen sind, gibt es nicht. Zwar wurden 2019 3264 Fälle von strafbarem Einwirken auf Kinder mit technologischen Mitteln erfasst, die Dunkelziffer ist aber auch in diesem Fall um einiges höher. 

Ausbau der Medienpädagogik als Präventionsmaßnahme

Der Ausbau der Medienpädagogik an Schulen kann dabei helfen, Betroffene, aber auch zukünftige Täter:innen aufzuklären und die Gefahren und daraus resultierende Folgen von digitaler Gewalt aufzuzeigen. Passwort- sowie Datensicherheit und das Erlernen des Verhaltens, wenn Menschen mit digitaler Gewalt konfrontiert werden, stellt eine wichtige Grundlage des sicheren Medienkonsums dar. Auch Informationen über Beratungsstellen können hilfreich sein.

Hast auch Du Erfahrungen mit digitalter Gewalt gesammelt? Hast Du Ideen, wie diese eingedämmt werden kann? Schreibe es uns gerne in einen Kommentar. Weitere Artikel zum Thema findest du hier und hier. Ein Artikel, der sich  mit Medienpädagogik befassen, ist hier zu finden.