Anlässlich des Martin Luther King-Tages, der in den USA ein nationaler Gedenk- und Feiertag für den im Jahre 1968 ermordeten Aktivisten Martin Luther King ist, muss auch in Deutschland ein Blick auf Themen wie Rassismus sowie Alltagsrassismus geworfen werden. Wie äußert sich das Tabuthema Alltagsrassimus in der Schule und welche Möglichkeiten haben Lehrkräfte, pädagogisch wertvoll mit Rassismus umzugehen?

7 von 10 Kindern mit Migrationshintergrund sind von Rassismus betroffen

Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) lebten 2019 in Deutschland rund 13,5 Millionen Kinder, davon hatten rund 3,5 Millionen Kinder einen Migrationshintergrund. das sind knapp 39 Prozent. 7 von 10 Kindern mit Migrationhintergrund haben schon einmals Rassismus erlebt. 

Zu sehen sind vier Arme, die sich festhalten und ein Rechteck bilden.

Was ist Alltagsrassismus?

Die Politologin Christine Kammerer meint: “Versteckter Rassismus äußert sich häufig in allgemeinen Vorwänden. Dabei werden vage Vorurteile und Ängste instrumentalisiert wie zum Beispiel die Angst vor einer Benachteiligung der eigenen Person oder der Gruppe, der man sich zugehörig fühlt, durch andere.” Unwissenheit und Stereotypie stellen die Problematik des Zustandes dar. Versteckter Rassismus, auch Alltagsrassismus genannt, ist so gefährlich, weil er oftmals unbewusst geschieht. Gerade an Schulen ist dies ein enormes Problem, da viele Schüler:innen in ihren Meinungen sowie Ansichten noch nicht gefestigt sind und sich von Mitschüler:innen, Lehrkräften und dem eigenen Umfeld leiten lassen. 

Rassismus an Schulen stellt ein großes Problem dar

Der Rassismusforscher Karim Fereidoomi vertritt die Ansicht, dass es keine Schule ohne Rassismus gäbe. Aber: “Wenn sich Menschen (…)  gegen Rassismus engagieren, kann es eine rassismussensible Schule werden. (…) überall dort, wo Menschen zusammenkommen, spielen Ungleichheitsstrukturen eine Rolle – also Rassismus, Klassismus, Sexismus, Heteronormativität. Rassismus strukturiert unseren Alltag und auch die Schulwirklichkeit.” Die Realität spiegelt Fereidoomis Aussagen wieder.

Laut einer Umfrage von YouGov, die im Juni 2020 durchgeführt wurde, sind rund 62 Prozent der Befragten der Meinung, dass Rassismus in sozialen Medien vorkommt und dies ein sehr großes Problem darstellt. Ebenso stellt Rassismus in der Job- sowie Wohnungssuche ein Problem dar. Rund 31 Prozent aller Befragte benennen Rassismus an Schulen und Universitäten als ein großes Problem. Dies kann sich durch verschiedene Erfahrungen äußern. Einerseits ist belegt, dass Schüler:innen oder Studierende mit nicht-deutschen Namen tendenziell schlechter bewertet werden als ihre Mitschüler:innen, die einen deutsche Namen tragen. Auch POC sind diesem Problem oftmals ausgesetzt. Dadurch könne sich sich laut Fereidooni der Drang der betroffenen Schüler:innen entwickeln, sich beweisen zu müssen. 

Ebenso müssen sich  Lehrkräfte mit Migrationshintergrund häufig mehr anstrengen, um sich zu beweisen und als gleichwertig angesehen zu werden. Auch in Neo-Linguizismus zeigt sich Alltagsrassismus. Sprachen, wie etwa Arabisch oder Russisch, werden oftmals in der Schule abgewertet. Dies kann zum Verlust der Wahrnehmung von Kompetenzen führen.

Zu sehen sind mehrere Anti-Rassismus-Plakate.

Rassismusbekämpfung durch Kommunikation

Doch wie kann Alltagsrassismus an Schulen entgegengewirkt werden? Hierfür hat Fereidooni einen Lösungsvorschlag: “Das Wichtigste ist, nicht zu leugnen, dass Rassismus existiert, darüber zu sprechen und Rassismus zum Unterrichtsthema zu machen.” Durch die Thematisierung des Sujets kommen viele Schüler:innen erstmals aktiv in Kontakt zu Themen des Rassismus. Fereidooni führt fort: “Oft nehmen die Lehrerinnen und Lehrer Rassismus im Alltag aber gar nicht wahr, weil sie ja selbst Wissen haben, das ihnen Rassismus beigebracht hat und dies tagtäglich anwenden – ob sie es wollen oder nicht. Es ist ihnen oft gar nicht bewusst. Das heißt sie müssen sich erst einmal selbst Fragen stellen: Was passiert in meinem Unterricht an Dingen, die mit Rassismus zu tun haben? Befördern meine Unterrichtsmaterialien rassistisches Gedankengut?” Demnach muss sich jede Lehrkraft mit eigenem rassistischen Gedankengut auseinandersetzen. Die Entwicklung eines Bewusstseins der eigenen Gedankenkonstrukten soll im Fokus des Unterrichts liegen.

Damit jeder Lehrkraft Kompetenzen in der Bekämpfung von Rassismus erlangt, schlägt Fereidooni vor, dass Rassismuskritik bereits innerhalb der Ausbildung gelehrt werden sollte. Der Erwerb solcher pädagogischen Kompetenzen könnte den Schlüssel für ein rassismussensibles Klassenzimmer darstellen. 

Arbeitsmaterialien zum Thema Rassismus für den Unterricht

Doch wie kann mit Kinder über Rassismus gesprochen werden? Wie können Schulen dafür sorgen, dass rassistisches Gedankengut nicht unreflektiert weitergetragen wird?

Zu sehen ist eine Schultafel, auf der das Wort Racism geschrieben wurde.

“Drüber reden, diskutieren, hinterfragen – das ist der richtige Weg. Einfach nur den Riegel vorschieben und Rassismus im Klassenzimmer quasi verbieten, reicht jedenfalls nicht.”, so Stefan Schmid-Heher. Wichtig sei vor allem, dass sich mit Rassismus auseinandergesetzt wird. Wie kann er vermieden werden? Wie schafft es die Klasse als Einheit, Inklusion voranzutreiben? Diesen Fragen sollten sich die Schüler:innen stellen. 

Ebenfalls kann durch Projektwochen der Fokus auf Themen, die unmittelbar mit dem Begriff Rassismus zusammenhängen, gelegt werden. Beispielsweise kann auf die Bürgerrechtsbewegung (Civil Right Movement) in den USA eingegangen werden. Auch thematisch adäquate Filme sowie Literatur kann genutzt werden, um das kritische Bewusstsein  der Schüler:innen zu fördern. Weitere Möglichkeiten, die Lehrer:innen ergreifen können, um Rassismuskritik an Schulen zu lehren, findest Du hier.

Wie soll Deiner Meinung nach mit Themen wie Alltagsrassismus umgegangen werden? Hast Du selbst aktiv Erfahrungen mit Rassismus gemacht? Schreibe uns dazu gerne einen Kommentar. Weitere Artikel zu Rassismus und Mobbing findest du hier und hier