Politische Bildung für Jüngere gewinnt gerade auch während der aktuellen Situation an Bedeutung. Um mitsprechen, sowie politische Geschehnisse analysieren und korrekt einordnen zu können, bedarf es die Fähigkeit, sich im Digital Jungle zurechtzufinden. Welchen Quellen kann Glauben geschenkt werden? Wie können jüngere Generationen besser erreicht werden? Kurz: wie kann sich kurz und knackig, aber dennoch intensiv mit politischen Themen auseinandergesetzt werden?

Eine Antwort auf diese Fragen hat Nina Poppel, die 27-jährige Creatorin hinter des beliebten TikTok-Accounts nini_erklaert_politik. Bereits in einem vorherigen Artikel haben wir sie vorgestellt. Im Rahmen des Internationalen Frauentages haben wir ein Gespräch mit Nina geführt.

TikTok und Instagram als Plattformen für politische Bildung

Die Studentin der Empirischen Politik- und Sozialforschung erklärt auf den Plattformen TikTok und Instagram verständlich, was es mit der Politik auf sich hat. Darunter fallen aktuelle Ereignisse, aber auch grundlegendes politisches Wissen. Einfach, übersichtlich und auf die Zielgruppe zugeschnitten. Die Wissenshäppchen kommen gut an: über 100.000 Follower:innen kann Nina verzeichnen und ist somit eine der beliebtesten Bildungs-Influencer. Im Interview spricht sie über die Bedeutung von politische Bildung, ihren eigenen Erfahrungen und gibt konkrete Vorschläge, wie Jugendliche für politische Bildung begeistert werden können. 

Fake-News und ihre Folgen für die Demokratie

ZDB: Du studierst Empirische Politik- und Sozialforschung. Außerdem kreierst du Content für Instagram und TikTok. Wie kamst du darauf, beide Komponenten zu vereinbaren? Wie gut gelingt es, sie zu kombinieren?

Nina Poppel: Ich habe in meinem Studium sehr viel Demokratieforschung gemacht und hatte einen tollen Prof, der uns das Buch “Wie Demokratien sterben” gegeben hat Da ging es vor allem darum, wie zum Beispiel Donald Trump die US-amerikanische Demokratie untergraben hat und ich musste ein Plädoyer in der Uni halten, warum Donald Trump bereits Autokrat ist. Im Zuge der Corona-Pandemie kamen auch bei uns immer mehr Fake-News, wie es Trump ja auch immer betitelt hat, hoch. ich habe mir gedacht, dass das ganz schön gefährlich für die Demokratie ist. Man muss mit den politischen Basics anfangen und das am besten bei ganz jungen Leuten. Wo waren die jungen Leute – bei TikTok. Deshalb bin ich auf diese Plattform gekommen.

ZDB: Du engagierst dich für politische Bildung. Wieso liegt dir das Thema so sehr am Herzen?

Nina Poppel: Mir liegt es so sehr am Herzen, weil ich eben um die Auswirkungen weiß. Eine funktionierende Demokratie braucht auch mündige Bürger, die auch politisches Wissen haben. Auf der anderen Seite habe ich die Demokratieforschung gemacht  und weiß, wie gefährlich es für eine Demokratie sein kann. Auch, dass es mittlerweile schon Desinformationskriege gibt und Fake-News mit Absicht benutzt werden, um beispielsweise eine Gesellschaft zu spalten.

Zu sehen ist Nina Poppel
Quelle: Ansgar Wörner

Zu wenig Politikunterricht an Schulen

ZDB. Findest du, dass an Schulen generell zu wenig über politische Themen gesprochen wird?

Nina Poppel: Also ich finde es ganz klar zu wenig. In der Oberstufe hatte ich immer ein halbes Jahr  Erdkunde, ein halbes Jahr Gemeinschaftskunden. Dann wieder abwechselnd. (…) Im Prinzip hatte ich in der Oberstufe von zwei Jahren nur ein Jahr Gemeinschaftskunde und ich finde das wahnsinnig wenig. Zusammen mit anderen Kommiliton:innen haben wir dann nochmal im ersten Semester gemerkt, wieviel Wissen wir gar nicht hatten. Wir haben das nochmal alles gemacht, aber im Endeffekt haben wir zu wenig, würde ich sagen.

ZDB: Hast Du eine Idee, wie man konkret politische Bildung für Jugendliche verbessern könnte?

Nina Poppel: Vielleicht muss man sie auch einfach nahbarer und mehr machen. Wir haben zum Beispiel schon Ausflüge in der Schule gemacht, wir waren in Karlsruhe beim Bundesverfassungsgericht und so. Aber vielleicht auch gezielt nach Berlin. (…) Den Bundestag anschauen, sich mit Politiker:innen treffen und einfach mehr Input geben. Vielleicht auch Leute wie mich, junge, engagierte Menschen, mal in den Unterricht einladen. 

Die Angebote für politische Bildung sind vorhanden

ZDB: Was glaubst Du, was müsste gemacht werden, um mehr jüngere Menschen für politische Bildung zu begeistern?

Nina Poppel: Man muss viele niederschwellige Angebote schaffen. Ich glaube, zum Teil sind sie auch schon da. Ich bin großer Fan von der Bundeszentrale für Politische Bildung und  von den ganzen Landeszentralen. Aber viele Leute wissen gar nicht, dass es diese Angebote gibt. Dass es kostenlose Hefte gibt, die man bestellen und online herunterladen kann. Es gibt auch viele Erklärvideos dort. Aber oft werden die Leute, die diese Angebote nutzen könnten, einfach nicht erreicht. 

Wir bedanken uns bei Nina für das Interview. Wenn Du bei ihren Kanälen vorbeischauen möchtest, findest du sie hier auf Tiktok und hier auf Instagram. 

Was denkst du, was im Rahmen der politischen Bildung von Schüler:innen optimiert werden könnte? Schreibe es uns gerne in einen Kommentar. Weitere Artikel zum Thema Politische Bildung findest Du hier und hier.