Der Gender Gap im Alltag und Berufsleben

Auf Lehrer-News wurde schon des Öfteren über die Ungleichheit der Geschlechter im Alltag sowie im Berufsleben in Deutschland berichtet. Doch nicht nur in Deutschland bleiben diese gesellschaftlichen Missstände bestehen, auch in allen anderen Teilen der Welt werden Mädchen und Frauen leider in ihren Rechten eingeschränkt. Das große Stichwort hier lautet Bildung. Die Geschichte zeigt, dass Frauen in Deutschland lange Zeit systematisch von deutschen Bildungseinrichtungen ausgegrenzt wurden. Fehlende Bildung trägt zu großen Nachteilen in ihrem Leben bei. So erhalten die meisten Frauen ohne einen schulischen Abschluss kaum eine Berufs- oder Ausbildungsstelle, die dann auch ausreichend vergütet wird. Dies kann zu Perspektiv- und Arbeitslosigkeit führen, auch kann man sich dadurch dann nicht unabhängig machen. Viele Mädchen und Frauen müssen sich infolgedessen in prekären häuslichen Verhältnissen einrichten. Auch die folgende Statistik spiegelt noch einmal wieder, dass Frauen in Deutschland prozentual etwas mehr von Armut gefährdet sind als Männer:

Alt-Text: Säulendiagramm zeigt die Armutsgefährdungsquote in Deutschland nach Geschlecht.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/436178/umfrage/armutsgefaehrdungsquote-in-deutschland-nach-geschlecht/

Auch in den MINT-Berufsbereichen, wie unter anderem in der Informatik und Naturwissenschaft, ist der Frauenanteil in Deutschland bis heute sehr gering. Das Projekt TECH4GIRLS der NGO TechEducation erklärt, wieso Frauen in wissenschaftlichen Berufen kaum präsent sind und was sie als Organisation in Deutschland spezifisch tun möchten, um Mädchen und Frauen in MINT-Berufsfeldern zu fördern.

Wie lässt sich der Gender Gap in MINT laut TECH4GIRLS begründen?

Mit dem Wandel der Digitalisierung wird Technologie heutzutage immer  wichtiger im Alltag. Auch die COVID-19 Pandemie hat noch einmal gezeigt, bedingt durch Home-Office und Online-Unterricht, wie wichtig und nützlich Technologien sind, und die Unumgänglichkeit ihrer Beherrschung deutlich gemacht. Somit wächst auch der Stellenwert der Berufe, die in den Bereichen Informatik und Technologie agieren.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/946493/umfrage/frauenanteil-in-mint-berufen-in-deutschland/ 

Jedoch ist in diesen Berufen der Männeranteil um einiges höher als der der Frauen. Im Diagramm ist der Anteil von Frauen in MINT-Berufen im Zeitraum 2011 bis 2018 zu sehen. Es ist unschwer zu erkennen, dass der weibliche Anteil in MINT-Berufen gerade mal die Hälfte der der männlichen ausmacht. Die Gründe für diesen Unterschied sind nach TECH4GIRLS vielfältig. Somit nimmt das Interesse von Mädchen an MINT schon früh ab. Das kann an geschlechtstypischen Stereotypen liegen, die Mädchen glauben lassen, dass MINT Fächer nicht zu ihrem Geschlecht “passen” und das sie nie so gut wie Jungen und Männer in diesen Fächern und Berufsbereichen sein könnten. Weiterhin fehlen weibliche Vorbilder, zu denen man aufschauen kann. Durch diesen Mangel an weiblichen Vorbildern in MINT glauben Mädchen, dass die Welt der Informatik und Technologie rein von Männern beherrscht sei. Vielfach fehlt eine frühe Unterstützung der Interessen an MINT im Elternhaus. So verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen in MINT Berufen arbeiten, wenn sie von zu Hause aus in ihrem Interesse an MINT unterstützt werden.

Das möchte TECH4GIRLS ändern

TECH4GIRLS hat das Ziel, diese Gender Gap in der IT-Branche zu schließen und Mädchen und Frauen adäquat auf eine Zukunft in diesen Berufsbereichen vorzubereiten. So möchten sie mit Hilfe von Arbeitsgemeinschaften und Wahlpflichtfächern Mädchen weiterbilden und dadurch ihr Selbstbewusstsein stärken. Außerdem möchte man den Mädchen zeigen, welche Karrieremöglichkeiten es in der Informatik tatsächlich gibt. Deshalb arbeiten Tech4Girls auch sehr eng mit ihren Partnerunternehmen zusammen. Darüber hinaus sollen diese Bildungsangebote eine enge Gemeinschaft für junge Mädchen formen, damit im Rahmen sie im Rahmen dieses Projektes Vorbilder und Unterstützung für ihre individuellen Wege in den MINT-Berufsbereichen erhalten können.

Mädchen lernen an einem Tisch, auf dem sich mehrere Ordner und ein Mikroskop befinden.

So will TECH4GIRLS Mädchen für MINT-Themen begeistern und weiterbilden

Alle Angebote des TECH4GIRLS Projektes werden aktuell nur in Berlin und Umgebung angeboten (siehe Partnerschulen des Projektes). TECH4GIRLS werden durch diverse Kooperationspartner unterstützt, darunter unter anderem durch die HTW Berlin, The Female Company und der Code University Innerhalb des Projektes werden drei große Programme angeboten, darunter die Arbeitsgemeinschaften (AGs), Wahlunterrichtsfächer (WUVs) und die Durchführung von Projektwochen. Für keine dieser Angebote sind Vorkenntnisse in der Informatik nötig. Kern all dieser Programme ist das Erlernen von Programmierkonzepten um später selbstständig etwas interessantes zu “erbauen”, wie zum Beispiel eine eigene Website. Die AGs finden wöchentlich in den Computerräumen der Partnerschulen des Projektes statt. Hier können Schüler:innen ab der zweiten Klasse teilnehmen. Hier können Coding, HTML und CSS erlernt werden. In den WUVs und Projektwochen wird ebenfalls dieses Wissen gelehrt und zusätzlich dazu bereits an eigenen Projekten gearbeitet.

Warum steht vor allem das Programmieren im Vordergrund?

In Bezug auf die bereits dargelegte Wichtigkeit der Digitalisierung in unserem modernen Zeitalter ist es ebenso wichtig, Kinder bereits früh einen Grad an Bildung im Bereich Computer und Programmieren zu verschaffen. Das Erlernen von Programmiersprachen vermittelt essentielle und nützliche Kompetenzen. So können Kinder bereits einen guten Umgang mit ihrem Computer erwerben und bekommen Kenntnisse vermittelt, die sie später in attraktiven Bereichen der IT-Branche weiterbringen dürften. Darüber hinaus können Mädchen im Rahmen der Programme und Projektwochen der TECH4GIRLS Teamfähigkeit erlernen, indem sie sich ein gewisses Ziel bei einer Programmieraufgabe stellen und dazu Vorschläge einbringen und Meinungen diskutieren. Natürlich wird dadurch auch die individuelle Kreativität gefördert, denn es müssen Lösungsansätze gefunden und neue Ideen geschaffen werden.
Drei Mädchen, die an zwei Computern sitzen, schauen lächelnd in die Kamera.

Weitere Informationen

Auf der Webseite der TECH4GIRLS gibt es einen kleinen Bereich mit Blog-Posts, die von aktuellen Nachrichten und Leistungen des Projektes berichten. Neben der Website besitzt das Projekt außerdem einen YouTube-Kanal, auf dem sie sich selbst vorstellen und kurze Videos rund um die Themen Programmieren hochladen, die in die Thematik einführen.
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TECH4GIRLS bietet über die Programme noch Tipps und Tools direkt auf ihrer Webseite an. Hier können Eltern und Kinder direkt einen kleinen Einblick in die Welt des Programmierens erhalten.  TECH4GIRLS ist auch ganz einfach über das Kontaktformular auf ihrer Webseite erreichbar. Hat dieser Artikel auch bei euch neues Interesse für die Informatik und das Programmieren ausgelöst? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen und schaut auch über die verlinkten Infos gerne bei TECH4GIRLS direkt vorbei.