Am 05.10.2021 war es nun so weit. Der Weltlehrer:innen-Tag stand vor der Tür. Da Lehrer:innen es in den letzten Monaten in Bezug auf den Alltag und der Digitalisierung nicht allzu einfach hatten, war unser Ziel am Weltlehrer:innen-Tag unsere Aufmerksamkeit den Lehrer:innen zu schenken. Unter anderem führten wir ein Interview mit einer Lehrkraft aus Hessen durch, welches Ihr hier gerne nachlesen könnt.

  1. Erzähle uns zuallererst drei wichtige Fakten über Dich. 

A: Ich heiße S.Aydin, bin 27 Jahre alt und Lehrer an einem Gymnasium in Bensheim.

  1. Wie bist Du dazu gekommen, Lehrer zu werden?

A: Mit hat es schon in meiner Jugend Spaß gemacht, mich mit anderen Kindern zu  beschäftigen. Dies zeigte sich durch Nachhilfestunden u.ä. Seit der Oberstufe wusste ich eigentlich schon, dass ich nach der Schule auf Lehramt studieren wollte. Es war nur noch die Frage, welche Fächer ich studieren sollte. Französisch, Geschichte und Deutsch habe ich dann letzten Endes studiert.

  1. Gab es Dinge, welche Du zu der Zeit vor der Pandemie sehr gerne/ungerne in Bezug auf den Unterricht gemacht hast? Wenn ja, welche? 

A: Zu der Zeit vor der Pandemie habe ich mich immer auf den Präsenzunterricht gefreut,  da ich besonders gerne mit interaktiven Methoden arbeite und versuche, vor allen Dingen Kompetenzen wie die soziale und Teamfähigkeit stetig zu fördern. Der Einsatz von vielfältigen Methoden gefiel den Schüler:innen besonders gut, da sie sich somit nicht nur Fachwissen aneigneten, sondern auch lernten, Aufgaben und Schwierigkeiten gemeinsam zu bewältigen.

  1. Die Corona-Pandemie stellte uns alle vor Herausforderungen. Ein großes Auf und Ab. Wie geht es Dir persönlich und wie fühlst Du Dich in dieser Situation? 

A: Anfangs hat mich die Pandemie überfordert. Die Vermittlung von Unterrichtsinhalten, die nur für Präsenzunterricht aufbereitet waren, sollten plötzlich online gelehrt werden. Das hat mich anfangs, bzw. auch noch bis heute sehr viel Zeit und Geduld gekostet. An unserer Schule hatten wir die Möglichkeit über eine Plattform den Unterricht so  gut wie vollständig nach Stundenplan zu halten. Nach einigen Anläufen entwickelte  ich aber ein Gefühl dafür und konnte meinen Unterricht schnell anpassen. 

  1. Wie sah/sieht ein Lehrerinnen-Alltag beispielsweise in Bezug auf Organisation während der Distanz-Lehre aus?

A: Wie ich bereits erwähnte hat mich die Umstellung sehr viel Zeit gekostet. Ich musste mich in neuen Methoden reinlesen, mir einen Überblick verschaffen, was es an online Angeboten gab. Auch viel Absprache mit Kolleg:innen fand statt, da die online-Welt besonders für ältere Kolleg:innen etwas Neues war. So saßen wir Kollegen:innen stundenlang zusammen und lernten auch voneinander.  

 

Lehrer:innen - Arbeitsbelastung

So gaben auch innerhalb einer bundesweiten Lehrkräftebefragung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft 90% der Lehrkräfte an, dass sie höheren Arbeitsaufwand innerhalb der Distanz-Lehre hatten. Gut 25% arbeiteten über 48h die Woche, wobei diese die gesetzliche Höchstarbeitszeit überschritten.

  1. Wie war es für Dich den Unterricht von Heute auf Morgen umzustellen und bestmöglich zu gestalten?

A: Mit der Zeit entwickelten verschiedene Anbieter unterschiedliche Angebote, die mir  halfen, den Unterricht wieder methodisch-vielfältig zu gestalten. Eigeninitiative war halt gefragt. Ich glaube, wer selbst nicht kreativ war, hatte es ganz schwer.  

  1. Welche Vor-und Nachteile hatte/hat die Distanz-Lehre gegenüber dem normalen Alltag?

A: Große Nachteile gab es meiner Meinung nach besonders für Schüler:innen. Erwachsene kriegen den Alltag noch irgendwie gemeistert. Schüler:innen aber, die im schlimmsten Fall vormittags alleine zu Hause sein musste, hatten es besonders schwer. Nicht alle Schüler:innen haben dieselben Lernvoraussetzungen und dies sollte im Onlineunterricht berücksichtigt werden. Werten wie Chancengleichheit sollten deshalb mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. 

  1. Wie definierst und verbindest Du den Begriff “Digitalisierung” mit der heutigen Unterrichtsgestaltung

A: Digitalisierung in Bezug auf den Unterricht wird für die Zukunft weiterhin ein Thema sein. Wir haben uns an unserer Schule vorgenommen, das Errungene fortzuführen. So haben die Schüler:innen die Möglichkeit, viel mehr mit digitalen Medien zu arbeiten.  Auch unter den Lehrkräften zeigt sich diesbezüglich eine Offenheit und Flexibilität.  

  1. Wieso konnten viele Eltern die Rolle der Lehrer:innen während der Distanz-Lehre nicht ersetzen? Was würdest Du Eltern für die Zukunft empfehlen, um die Wissenslücken der Schüler:innen zu schließen? 

A: Eltern sollten Lehrkräften Vertrauen entgegenbringen. Ich kann mir nicht vorstellen,  dass sich Lehrende keine Gedanken um ihre Schüler:innen machen. Das Onlineunterrichten ist nicht nur für Eltern, sondern auch für Lehrer:innen sehr aufwändig und bringt uns an unsere Grenzen. Auch die Rückmeldung an die Schüler:innen sind viel individueller in dieser Zeit, sodass die erforderliche Zeit uns auch gegeben werden muss. Ansonsten nimmt die Qualität des Unterrichts, sowohl in Präsenz als auch online, ab.  

  1. Im Artikel von RND steht: „Doch die Bundesländer haben weiterhin nur einen kleinen Teil der Fördermittel, die ihnen aus dem Digitalpakt Schule zur Verfügung stehen, genutzt. Die Mittel fließen nur schleppend ab. Bis Ende des Jahres 2020 sind rund 916 Millionen Euro aus dem 5 Milliarden Euro schweren Programm bewilligt worden. Bis zum Sommer waren es bereits 242 Millionen Euro.[…]“: Ist dies aus Deiner Sicht eine positive Veränderung? 

A: Ja, denn nur wenn die äußeren Rahmenbedingungen stimmen, kann auch Onlineunterricht an Qualität gewinnen.  

  1. Wie stellen sich Deine Schüler:innen diesen Herausforderungen? 

A: Die Schüler:innen waren ganz tapfer. Sie haben tolle Leistungen erbracht und haben uns Vertrauen und Anerkennung geschenkt. Nur durch so ein respektvolles Miteinander haben wir es gemeinsam geschafft diese Zeit vorerst zu überwinden.  

  1. Wie gehen Deine Kolleg:innen mit dieser neuen Herausforderung um?

A: Auch viele Kolleg:innen haben sich umgestellt und versuchen Elemente des Onlineunterrichts mit in den Präsenzunterricht einzubauen. Auch ich versuche die Unterrichtseinheiten ab sofort zweigleisig zu planen und Schüler:innen auch in  Medienkompetenz besser zu fördern.  

  1. Wie hoch ist Deiner Meinung nach die Relevanz von Lehrer:innen? 

A: Lehrer:innen haben eine große Relevanz, denn sie sind es, die die Rahmenbedingungen für Schüler:innen gewährleisten, sich weiterzubilden. Sie bieten Schüler:innen virtuelle und reale Lernräume und sind eigentlich Katalysatoren der Lernprozesse der Kinder und Jugendliche.  

  1. Wäre Deiner Meinung nach die Fortbildung der Lehrkräfte in der digitalen Bildung notwendig?

A: Eine Fortbildung kann grundsätzlich nicht schaden. Ein solches Angebot sollte aber mit fakultativer Teilnahme geben.  

  1. Herrscht an Deiner Schule Lehrer:innen-Mangel? Wie erschwert dies die momentane Situation? 

A: An meiner Schule gibt es keinen Lehrermangel, sodass sich diesbezüglich keine besondere Situation an meiner Schule ergeben hat.

S.Aydin, welcher in Bensheim Französisch, Geschichte und Deutsch unterrichtet, hatte zu Beginn der Pandemie es nicht ganz so einfach. Er hatte an seiner Schule die Möglichkeit über eine Plattform den Unterricht so gut wie vollständig nach Stundenplan zu halten. Es herrschte sehr viel Kommunikation mit Kolleg:innen, was auch so etwas neues war. Laut S.Aydin soll Werten wie Chancengleichheit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, da nicht alle Schüler:innen dieselben Lernvorraussetzungen haben. Auch in Zukunft wird für ihn und seinen Schüler:innen und Kolleg:innen die digitale Lehre weiterhin von wichtiger Bedeutung sein. 

Vielen Dank an S.Aydin für das tolle Interview

Wie gestaltet sich Euer Alltag während der Pandemie und was ist Eure Meinung zu Thema, ob Lehrkräfte einer Fortbildung nachgehen sollten? Schaut Euch doch gerne folgenden Artikel an, um zu erfahren, welche Lehrerverbände und Gewerkschaften die Interessen von Lehrkräften vertreten und sich für die Verbesserung des Bildungswesens einsetzen. Desweiteren erfährt Ihr in diesem Artikel, wie sich der Berufsalltag von Lehrkräften und das Rollenbild der Berufsgruppe durch die Digitalisierung verändert hat, was Lehrer:innen für Schüler:innen leisten sollten und ob die digitale Endgeräte und Programme Lehrer:innen ersetzen können.