Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ist eine internationale Organisation mit 38 Mitgliedstaaten, die sich der Demokratie und der Marktwirtschaft verpflichtet fühlen. In der OECD-Studie PISA werden die Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften mit standardisierten Tests gemessen. Unter dem Titel „21st-Century Readers“ wurde eine Sonderauswertung zu Lesekompetenzen und Lesegewohnheiten von Jugendlichen in Zeiten der Digitalisierung vorgestellt. Diese Studie beruht auf Daten aus der PISA-Erhebung im Jahr 2018, bei der 15-Jährige Schüler:innen getestet und befragt wurden.

Erhöhte Internetnutzung

Das Internet wird von Jugendlichen mittlerweile hauptsächlich über das Smartphone genutzt. In den letzten Jahren ist bei den Jüngeren die Zahl derer zurückgegangen, die einen eigenen Laptop oder Computer besitzen. Smartphones hingegen besitzen immer mehr 12 bis 13-Jährige, mittlerweile sind es gut 90 Prozent. Die Internetnutzung der 15-Jährigen hat sich im OECD Raum zwischen 2012 und 2018 von 21 auf 35 Stunden wöchentlich erhöht. Dies ist ein Anstieg um 66 % in nur 6 Jahren.

Die wichtigste und meistgenutzte App unter Jugendlichen ist dabei WhatsApp. Mit deutlichem Abstand folgen Instagram, Snapchat, Facebook und YouTube. Es fällt auf, dass vor allem Plattformen für soziale Interaktionen beliebt sind. Tatsächlich denken laut der JIM-Studie von 2016 zwei Drittel der befragten Jugendlichen, dass das Smartphone für den Freundeskreis wichtig sei. So könne man seine Aktivitäten besser planen und Kontakt zu Freunden halten. Ähnliches gilt für ca. 50 Prozent für den Schulalltag (Hausaufgaben, Schulplanänderungen, Vertretungen).

Viele Schüler:innen erkennen Fake-News nicht

Für einen kompetenten Umgang mit Informationen muss man heutzutage mehr denn je in der Lage sein, die Glaubwürdigkeit von Quellen zu beurteilen, insbesondere beim digitalen Lesen. Lügen und verzerrte Informationen als solche zu erkennen, ist eine Kompetenz, die in der Schule vermittelt werden kann. Auf den sozialen Medien können sich sogenannte Fake-News sehr gut verbreiten. Deswegen ist es wichtig, dass man den richtigen Umgang mit Informationen aus dem Netz lernt. Laut eigenen Angaben haben nur etwa die Hälfte der 15-jährigen Schüler:innen in Deutschland in der Schule gelernt, mit Informationen aus dem Internet umzugehen.

Lesekompetenz Aufgabe PISA
Eine Aufgabe aus der PISA-Studie

Nicht einmal jede:r Zweite kann in Texten sicher Fakten von Meinungen unterscheiden. Während der Corona-Pandemie wurde dies sehr deutlich, denn bis heute werden von sogenannten „Querdenkern“ falsche Informationen bezüglich des Virus verbreitet. Oft wird dann nicht geprüft, ob diese Informationen korrekt sind. Stattdessen werden diese Fake-News weiterverbreitet und geglaubt. Schulen könnten hier weitaus mehr leisten und mit Schüler:innen über solche Probleme sprechen. Dabei haben Schüler:innen in Deutschland zwar das theoretische Wissen, um die Glaubwürdigkeit von Quellen einzuschätzen. Es bestehen aber Schwierigkeiten, dieses Wissen anzuwenden.

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Digitalität und Schule

Die befragten Achtklässler:innen verfügen zudem nicht über die digitalen Kompetenzen, die nötig sind, um in einer digitalen Lernumgebung Fortschritte zu erzielen. Das heißt, dass Jugendliche pädagogische Unterstützung brauchen, um Fähigkeiten und Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. Während der Lockdowns wurde dies deutlich, denn Schulen waren geschlossen und der Unterricht fand digital statt. Damit hatten viele Schüler:innen, aber auch einige Lehrkräfte Probleme. Das nötige Wissen fehlt Lehrer:innen oft. Auch Schüler:innen wissen häufig nicht von den Möglichkeiten, die man hat, um Unterricht digital zu gestalten.

In Deutschland werden in den Schulen kaum digitale Geräte benutzt, insbesondere im Vergleich zu anderen Ländern. Dieser Befund bezieht sich auf alle Schularten und -fächer. Zwei Drittel der Achtklässler:innen in Deutschland gaben an, im Unterricht nie digitale Medien genutzt zu haben. Dabei können diese sehr hilfreich sein, um einen Schulalltag angenehmer und einfacher zu gestalten.

Lesefreude und Lesekompetenz haben abgenommen

Allgemein kann man sagen, dass die Freude der Schüler:innen am Lesen deutlich abgenommen hat. Eigenangaben zufolge wird nur dann gelesen, wenn man muss. Beispielsweise wenn man eine Lektüre im Unterricht liest. Dabei bleibt konstant, dass Mädchen mehr und lieber lesen als Jungs. Interessant ist, dass Mädchen im Bereich Lesekompetenz regelmäßig besser abschneiden als Jungen. Generell schnitten Schüler:innen, die zum Vergnügen lesen, 2018 im Bereich Lesekompetenz in allen PISA-Teilnehmerländern tendenziell besser ab. Dasselbe gilt auch für Deutschland.

Schüler:innen müssen Texte verstehen und im Gedächtnis behalten, Informationen zusammenfassen und die Glaubwürdigkeit von Informationsquellen beurteilen. Das sind nämlich Schlüsselkompetenzen, die zum Abschneiden der Schüler:innen im Bereich Lesekompetenz beitragen. Dabei muss beachtet werden, dass Lesekompetenzen nicht automatisch entstehen, sondern antrainiert und angewandt werden müssen.

Dazu können Schulen sehr gut beitragen, denn viele Kinder und Jugendliche müssen das „richtige“ Lesen erst erlernen. Dafür gibt es einige Strategien, wie das „Lesen mit dem Stift“. Dabei macht man sich während des Lesens Notizen oder markiert sich wichtige Infos oder auch Sachen, die man nicht versteht. Das aktive Lesen bringt mehr, denn so liest man automatisch konzentrierter. 

 

gestapelte Bücher

Digitale Medien beliebter als Printmedien

Der PISA-Bericht „21st-Century Readers“ deutet darauf hin, dass Printmedien zunehmend durch digitale Geräte verdrängt werden, insbesondere beim Lesen von Informationstexten. Nachrichten werden vor allem von jüngeren Generationen nicht mehr aus den Printzeitungen entnommen, sondern nur noch digital. Aber bei Büchern sieht das noch etwas anders aus. Gedruckte Bücher sind und bleiben die Nummer eins, egal ob bei älteren oder jüngeren Generationen. E-Books machen momentan keine 5% auf dem Buchmarkt aus. Das größte Argument für die Printbücher ist die Haptik, die bei elektronischen Büchern fehlt.

Die Studie zeigt, dass Printbuch-Leser:innen (d. h. Schüler:innen, die Bücher häufiger im Printformat als auf digitalen Geräten lesen) im Vergleich zu Schüler:innen, die selten oder nie Bücher lesen, in einer computergestützten Testumgebung im Bereich Lesekompetenz 44 Punkte mehr erzielten. Wahrscheinlich können Menschen, die gerne und häufiger lesen, Texte aufmerksamer durchgehen und Informationen besser entnehmen. Das Lesen ist nichts mühseliges mehr, sondern etwas Vertrautes.

Die Studie zeigt, dass rund 21% der Schüler:innen in Deutschland im Bereich Lesekompetenz nicht das für ein selbstbestimmtes Leben und die Teilhabe an der Gesellschaft erforderliche Mindestniveau erreichen. Außerdem wurde festgestellt, dass Lesestrategien ein Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Entwicklung der Lesekompetenzen sind. Deshalb wird empfohlen, Lesestrategien in Zukunft im Unterricht zu behandeln. Im Großen und Ganzen wird klar, dass es noch viele Punkte gibt, die man als Schüler:in lernen muss. Dabei können Lehrkräfte behilflich sein. Man muss sich klarmachen, dass digitale Medien immer präsenter werden und dass man schon als junger Mensch den richtigen Umgang erlernen muss. Zudem sollte man das Lesen zum Vergnügen fördern, denn es ist ersichtlich, dass die Lesekompetenz besser ist, wenn man generell mehr liest.

Was hält Ihr von den Ergebnissen? Seid Ihr überrascht oder habt Ihr solch ein Ergebnis erwartet? Schreibt uns Eure Meinung gerne in die Kommentare. Hier findet Ihr einen weiteren spannenden Artikel zum Thema Digitalisierung.