Heute ist es nun so weit. Es ist der 11.10.2021 und der weltweite Tag des Mädchens steht vor der Tür. Um volle Aufmerksamkeit diesem Tag zu schenken, beschäftigen wir uns mit der Mädchenbildung bzw. informieren wir Euch, wo es an Mädchenbildung fehlt und was die Gründe dafür sind. 

In Südsudan, Zentralafrikanische Rep., Niger, Afghanistan, Tschad, Mali, Guinea, Burkina Faso, Liberia und Äthiopien stehen Mädchen vor den größten Hürden, um Zugang zu Bildung zu erhalten. Alle aufgezählten Länder sind von extremer Armut betroffen und gehören zu der Kategorie der fragilen Staaten. Laut einem ONE-Bericht gehen weltweit über 130 Millionen Mädchen nicht in die Schule.

Hürden für Mädchen

Es ist eine globale Krise, was die Armut am Leben erhält. So hat extreme Armut viele Gesichter und mangelnde Bildung kann eines davon sein. Grundsätzlich fehlt es oft an Schulgebäuden, Schulmaterialien und Lehrpersonal. Hinzu kommt, dass die vorhandenen Lehrkräfte schlecht ausgebildet sind.Doch das ist nicht alles, denn kulturelle Hürden wie Kinderheirat kommen noch dazu. Da Mädchen schon recht früh Kinder bekommen, können sie nicht bzw. nicht weiter zur Schule gehen. Auch müssen Mädchen vom Unterricht fernbleiben, wenn sie beispielsweise ihre Periode haben, da Familien sich keine Hygieneartikel leisten können. Des Weiteren werden sie häufig in der Schule diskriminiert: Lehrer beachten sie weniger, und Schulbücher vermitteln oft ein traditionelles Frauenbild, welches ihre Rolle auf den Haushalt und auf Dienstleistungen für den Mann reduziert. Auch in ländlichen Gebieten schicken Eltern ihre Töchter nicht in die Schule, weil ihnen der Schulweg zu gefährlich ist. Da auch die Kosten für einen Schulbesuch so teuer sind, entscheiden sich Eltern meist dazu, nur ihren Söhnen die Schulbildung zu ermöglichen.

“Extreme Armut ist ungerecht und Mädchen sind besonders benachteiligt, dabei haben sie, genau wie wir Frauen in Deutschland, den Wunsch und den Ehrgeiz, ein selbstbestimmtes Leben zu führen”, so ONE-Unterstützerin und Komikerin Carolin Kebekus. Bildung sei dafür die Voraussetzung. So sei laut stellvertretende UNICEF-Vorsitzende Maria von Welser die Mädchenbildung der entscheidende Schlüssel, um die Diskriminierung von Frauen zu beenden. 

Im folgenden Artikel werde ich auf die Länder Südsudan und Afghanistan genauer eingehen und die Situation der Mädchenbildung zum Thema bringen.

Südsudan: Wenn Mädchen nicht zur Schule gehen 

Die Mädchenbildung sei eine Strategie, um den Kreislauf der Armut zu durchbrechen und Familien und Gemeinschaften zu befreien. Denn Mädchen, die eine Ausbildung erhalten, werden seltener verheiratet und führen daher ein produktives Leben. 

In Südsudan gehen verhältnismäßig weniger Mädchen zur Schule als in jedem anderen Land der Welt. Weniger als ein Prozent dieser, die zur Grundschule gehen, schließen diese ab. Aufgrund dessen ist der weibliche Analphabetismus der höchste der Welt. Auch gelten die Folgen und Auswirkungen der Bürgerkriege und Konflikte, sowie die politische Instabilität als Hürden für die Mädchenbildung. So sind 63% der Lehrkräfte nicht qualifiziert und Lehrerinnen, welche als Mentorinnen für Mädchen infrage kommen könnten, sind sehr selten. 

Durchschnittlich können Kinder im Südsudan mit insgesamt fünf Jahren Schulbildung rechnen. Der Grund dafür ist die unsichere Lernumgebung. Auch ausgelastete Klassenzimmer mit fehlenden Sitzmöglichkeiten und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder der Ausbruch der Corona-Pandemie erschweren noch aktuell das gesamte Schulsystem.

Die Corona-Pandemie als eine Gefahr der Mädchenbildung

Mit den plötzlichen Schulschließungen weltweit hatte vorerst niemand gerechnet. Doch dadurch, dass die Mädchen dann mehr Zeit zu Hause verbracht haben, sank die Anzahl an Schulbesucherinnen um 27%. So erkannten Eltern den Wert der Bildung nicht und verwickelten ihre Töchter in Zwangsheiraten. Doch das war nicht alles, denn die Corona-Pandemie stellte für Südsudan eine nationale Bildungskrise dar, wobei Mädchen häufiger geschlechtsspezifischer Gewalt (Vergewaltigung) ausgesetzt waren. Die daraus entstandenen Schwangerschaften hinderten die Mädchen davor, die Schule weiterhin zu besuchen.

UNICEF: sichere Schulen für Mädchen im Südsudan!

Um die Hürden für die Bildung von Mädchen und jungen Frauen im Südsudan abzuschaffen und die Gleichberechtigung zu fördern, sind Maßnahmen insbesondere auf der politischen internationalen Ebene gefragt. Dabei arbeitet die UNICEF Schweiz und Liechtenstein mit Regierungen und Gemeinden zusammen, um ein Bildungssystem aufzubauen, welches widerstandsfähige Gemeinschaften unterstützt. Das Ziel dabei ist es, 9600 Mädchen einen verbesserten Zugang zu qualitativen Lernmöglichkeiten, die geschlechtergerecht sind, zu ermöglichen. Obwohl Schulschließungen, soziale Richtlinien, der Abzug zahlreicher NGOs sowie die Verzögerung der Lieferung von Bildungsgütern vieles angepasst werden muss, konnte der Bau von Lernräumen und die Ausbildung freiwilliger Lehrer:innen erfolgreich fortgesetzt werden.

Afghanistan: Bildung von Mädchen

Als die Taliban Mitte August dieses Jahres die Macht Afghanistans ergriffen, wusste die ganze Welt, dass Afghanistan in Gefahr ist. So war selbst Kabul, die Hauptstadt des Landes, vor der islamistischen Terrororganisation nicht mehr sicher. Die Rückkehr der Taliban erschwerte die Situation des Landes erheblich.

Schon immer war unter den Taliban der Schulunterricht für Mädchen verboten. Die Alphabetisierungsrate der afghanischen Mädchen liegt lediglich bei circa 18%. Sie werden so streng wie möglich von Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen. So besuchten in den meisten Regionen 90% der Mädchen keine Schule. Afghanische Familien lehnten häufig ab, ihre Töchter von Männern unterrichten zu lassen. An weiblichen Lehrkräften mangelte es erheblich. Unter der Führung der Taliban galt die Bildung ausschließlich für Jungen. Mädchen, welche die Schule besuchen konnten, mussten in der Öffentlichkeit ein Hidschab oder eine Burka tragen. Auch durften sie ohne die Begleitung eines männlichen Verwandten das Haus nicht verlassen. Die afghanischen Mädchen mussten die Schule nach der 8. Klasse verlassen, da sie ab dem Alter der Pubertät näherten. Damit diese von der Schule fernbleiben, wurden sie in den jungen Jahren zwangsverheiratet.

Mädchen in Afghanistan

Die Sehnsucht nahm vorerst ein Ende

Als die afghanischen Mädchen zur Bildung zugelassen worden sind, hatte sich so einiges verändert. So durften sie ab dem 6. Lebensjahr die Grundschule und im Anschluss für drei Jahre die Sekundarstufe besuchen. Danach hatten sie die freie Wahl an Weiterbildung. Sei es nun die Sekundarstufe II oder die Berufs- bzw. Islamschule. Es herrschte trotzdem kein Kontakt zwischen weiblichen und männlichen Personen. So besuchten sie zu unterschiedlichen Tageszeiten die Schule, damit keine Berührung zwischen beiden Geschlechtern stattfinden könnte. 

Viele Mädchen wollen im Ausland studieren um bessere Chancen und Sicherheit zu bekommen. Es gab auch immer mehr, die innerhalb des Landes studieren wollten, doch die staatlichen Universitäten reichten nicht aus, um die Nachfrage an Studienplätzen zu decken. Aus diesem Grund entschied sich das Land für private Universitäten. 

Ob nun die Taliban wieder denselben Weg einleiten möchten wie vor einigen Jahren bleibt weiterhin offen. Sie haben zwar ausgesagt, dass Bildung für Mädchen und Frauen weiterhin zugänglich ist, jedoch ist fraglich, ob dies auch so in Zukunft umgesetzt wird. Die Vermutung, dass diese Aussagen der Taliban nur außenpolitischen Zwecken dienen, ist äußerst wahrscheinlich. So könnte es möglich sein, dass die Taliban für ihre neue Regierung darauf hoffen, Unterstützungsgelder für den Aufbau Afghanistans aus dem Westen zu erhalten. 

Die Frage, ob Mädchen ihren Bedürfnissen in naher Zukunft nachgehen dürfen, bleibt abzuwarten.

In folgendem Artikel haben wir die Machtübernahme der Taliban sowie das afghanische Bildungssystem ausführlich angesprochen. Wie ist Eure Meinung über die fehlende Mädchenbildung in den oben aufgelisteten Ländern? Habt Ihr selbst schon Erfahrungen damit gemacht? Teilt uns dies gerne in den Kommentaren mit. Schaut auch gerne morgen auf LehrerNews vorbei, um einen weiteren spannenden Artikel über die erste Studienmöglichkeit der Mädchen und jungen Frauen zu lesen.