Wer die Namensliste einer deutschen Schulklasse liest, dem fällt auf, dass viele Namen nicht mehr Paul, Anna, Felix oder Hannah heißen, sondern Malik, Jara, Eren, Ilona etc. Der Grund dafür ist, dass Eltern sich bei der Suche nach den Namen große Mühe geben oder auch durch Momente aus dem Urlaub Namen begegnen, die dann für immer festgehalten werden sollen. Der häufigste Grund ist jedoch, dass die Eltern dieser Kinder nicht aus Deutschland stammen. In dem Fall wird davon gesprochen, dass diese Kinder einen “Migrationshintergrund” haben. Doch was heißt das Wort “Migrationshintergrund” überhaupt ?

Bedeutung von Migrationshintergrund

Migrationshintergrund wird unterschiedlich verstanden. Am bekanntesten ist die Definition des statistischen Bundesamt in Wiesbaden: “Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Im Einzelnen umfasst diese Definition zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländerinnen und Ausländer, zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte, (Spät-) Aussiedlerinnen und (Spät-) Aussiedler sowie die als Deutsche geborenen Nachkommen dieser Gruppen.”

Migrationshintergrund innerhalb der Bildung

Rund ⅓ der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Mehr als 70 Prozent von ihnen sind Deutsche. Wie steht es um ihre Startbedingungen und Bildungschancen? Wie schneiden sie im Vergleich zu den Mitschülern ohne Migration ab?

Vor Startbeginn: Kinder mit Migrationshintergrund leben häufiger in Familien mit geringerem Einkommen. Laut Mikrozensus lebt rund ein ⅓  der unter 18-Jährigen mit Migrationshintergrund in Familien, die von Armut gefährdet sind. Unter Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund sind es rund 12 bis 13 Prozent. Auch berichtet Mikrozensus, dass selbst ein guter Schulabschluss nicht direkt vor Armut schützt: So bleibt die Armutsgefährdungsquote bei Menschen aus Einwandererfamilien selbst dann noch bestehen (20,4 Prozent), wenn sie das Abitur erhalten haben. Sie liegt damit sogar deutlich höher als bei Hauptschulabsolventen ohne Migrationshintergrund.

Frühkindliche Bildung – wie wichtig ist sie? 

Frühkindliche Bildung meint die Bildung von Kindern von ihrer Geburt bis zum Schulalter.

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Nach dem „PISA-Schock” setzte sich in Politik, Wissenschaft und Medien die Formel durch: Je früher der Eintritt ins Bildungssystem, desto größer die Chance auf einen späteren Bildungserfolg. “Wenn Kinder bis zu ihrem dritten Lebensjahr eine Krippe besucht haben, vergrößert sich die statistische Wahrscheinlichkeit, später ein Gymnasium zu besuchen, um fast 40 Prozent. Bei Kindern mit Migrationshintergrund erhöhe sie sich sogar um rund 55 Prozent. Besonders Kinder, die zuhause kein Deutsch lernen, könnten von einem frühen Kita-Besuch profitieren.”, so die SVR. Laut einigen Forschungen konnte festgehalten werden, dass frühkindliche Bildung nicht per se wirken, sondern nur, wenn sie qualitativ hochwertig und der Betreuungsschlüssel gut sei.

Kinder mit Migrationshintergrund in Kitas?

Kind mit Migrationshintergurnd in der Kita

Seit dem 1. August 2013 besteht für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer öffentlich geförderten Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege. Das gilt unabhängig davon, ob die Eltern berufstätig sind oder nicht. 

Im Jahre 2019 besuchten rund 3,1 Millionen Kinder eine Kita, davon 21 Prozent der unter Dreijährigen mit Migrationshintergrund. Bei Kindern ohne Migrationshintergrund traf das auf 42 Prozent zu. Bei den Drei- bis Sechsjährigen nahmen 81 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund einen Betreuungsplatz in Anspruch. Nach Hochrechnung des Mikrozensus traf das auf 100 Prozent der Kinder ohne Migrationshintergrund zu. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund an Kita-Kindern ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen: Im Jahre 2007 machten Kinder mit Migrationshintergrund rund 23 Prozent aller Kita-Kinder aus. 2019 waren es etwa 28 Prozent. ​​Eltern mit Kindern mit Migrationshintergrund möchten, dass ihre Kinder in einer Kita betreut werden. Aber es fehlt an guten Angeboten.

Grunde dafür, dass bei unter Dreijährigen keine Kita genutzt wird

Das zeigt eine Studie des DIW Berlin. Um diese Hürden aus dem Weg zu schaffen, müssten nicht nur mehr Kita-Plätze verfügbar sein, auch die Anmeldung müsste leichter werden, die Kosten für die Betreuung sinken und es müssten mehr mehrsprachige Erzieher:innen in den Kitas arbeiten. 

Wie hoch ist der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund?

Aufgrund lückenhafter und meist nicht miteinander vergleichbarer Daten, lässt sich allerdings nicht exakt beantworten, wie viele Schüler:innen mit Migrations­hintergrund tatsächlich eine Bildungsmöglichkeit erhalten. In der bundesweiten Schulstatistik gibt es nur Daten zu Schüler:innen mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Demnach hatten im Schuljahr 2019/2020 von den rund 10,9 Millionen Schüler:innen in Deutschland 1,3 Millionen keinen deutschen Pass. Das entspricht einem Anteil von 11,8 Prozent.

Dabei muss jedoch auch betont werden, dass häufig Angaben zum Schulerfolg ausländischer Schüler:innen auf die Gesamtgruppe der Schüler:innen mit Migrationshintergrund bezogen werden, was zu falschen Interpretationen führen kann. So schneiden Schüler:innen mit Migrationshintergrund, die selbst in Deutschland geboren sind, besser ab als Kinder, die im Ausland geboren sind. In manchen Herkunftsgruppen erzielten sie sogar bessere Ergebnisse als Deutsche ohne Migrationshintergrund.

Schulabschlüsse von Schülern

Der folgende Statistik zeigt, welches die höchsten Schulabschlüsse der Bevölkerung nach dem Migrationshintergrund aus dem Jahre 2019 sind.

Höchster Schulabschluss nach Migrationshintergrund

So lässt sich aus der Grafik ablesen, dass 86,8 Prozent der Schüler:innen mit Migrationshintergrund und 97,1 Prozent der Schüler:innen ohne Migrationshintergrund ihren Schulabschluss erwerben. Des Weiteren lässt sich bestätigen, dass 10,8 Prozent mit Migrationshintergrund ohne Schulabschluss und 1,7 Prozent in schulischer Ausbildung sind.

Wie wichtig ist Bildung für Eltern?

Einwanderern wird häufig unterstellt, dass sie sich nicht oder nicht genügend um die Bildung ihrer Kinder kümmern. Innerhalb einer Studie aus dem Jahre 2015 konnte dies jedoch nicht bestätigt werden. Stattdessen sagten ⅔ der Eltern, dass sie ihren Kindern mehr als eine halbe Stunde jeden Tag bei schulbezogenen Themen helfen und häufig bei den Hausaufgaben unterstützen. Auch an Elternsprechtagen bzw. Elternabenden nehmen über 80 Prozent der Befragten teil. 96 Prozent der Eltern stimmten der Aussage zu: „Bildung ist der wichtigste Schlüssel für ein gelungenes Leben.“ So kann festgehalten werden, dass die Bildung für die Eltern doch sehr wichtig ist. 

Es kann nun festgehalten werden, dass viele Schüler:innen an deutschen Schulen einen Migrationshintergrund haben und welchen Schulabschluss sie erwerben. Wie wichtig ist Euch Bildung und habt Ihr einen Migrationshintergrund? Teilt uns Eure Meinung gerne in den Kommentaren mit!