Wechselunterricht, immer neue Hygienekonzepte, Lockdowns und doch wieder Schulschließungen – die Corona-Pandemie stellt Lehrkräfte wie Schüler:innen weiterhin vor neue Herausforderungen. Auch wenn man sich aktuell für den Schulstart nach den Sommerferien wieder auf eine Öffnung der Schulen und Kitas vorbereitet: Die Pandemie hinterlässt ihre Spuren in Sachen Motivation bei den Schüler:innen.

Motivationshemmer: Kontaktarmut

Schon Anfang dieses Jahres hatte das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e.V. Schüler:innen der Sekundarstufe und deren Eltern zur Situation “Fernunterricht” befragt. Immerhin ein Drittel (32 %) der Eltern berichtete, dass es für sie teilweise schwierig war, ihre Kinder zum Lernen zu motivieren. Weitere 35 Prozent der Eltern waren der Meinung, dass ihre Kinder eher oder ganz schwierig zum Lernen zu motivieren waren. Auch die Schüler:innen selbst geben die fehlende Lernfreude im Rahmen einer repräsentativen Umfrage der Deutschen Telekom Stiftung wieder. Das Problem laut Expertensicht sei es, dass die Schüler:innen sich immer wieder selbst aufraffen müssen. Ohne Kontakt zu ihren Mitschüler:innen fühlen sie sich aber nicht mehr sozial eingebunden. Aber genau das sei für eine hohe Motivation essenziell, so Jörg Wittwer, Professor für Empirische Lehr- und Lern-Forschung an der Uni Freiburg.

Was können Eltern während der Pandemie tun?

Viele Eltern schienen mit der Situation im Lockdown überfordert gewesen zu sein. Oft waren sie nicht in der Lage, die Kinder bei ihren Schulaufgaben ausreichend zu unterstützen. Hierbei muss man bedenken, dass hybride Modelle für den Schulstart auch in Zukunft denkbar bleiben. So werden Eltern wie Schüler:innen wohl weiterhin mit den Herausforderungen der digitalen Schule konfrontiert sein. Neben diesen schulischen Herausforderungen vermissten Schüler:innen vor allem im Lockdown ihre Freunde und Schulkameraden. Das so wichtige Feedback durch Lehrer:innen erreichte sie entweder nur zeitversetzt oder gar nicht. Das Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen empfiehlt Eltern daher, sich untereinander auszutauschen und regelmäßige digitale Lerntreffen zu organisieren. Dr. Henrik Saalbach, Lernforscher und Professor für pädagogische Psychologie an der Universität Leipzig, hat zudem 10 Tipps für Eltern zusammengestellt, mit denen diese ihre Kinder beim Lernen entlasten können. Darunter finden sich vor allem Anhaltspunkte zur Organisation und Struktur der Schultage (im Lockdown). So sei es zum Beispiel sinnvoll, den Lerntag oder sogar die ganze Lernwoche gemeinsam mit dem Kind zu planen, To-Do-Listen zu führen, sowie regelmäßige Pausen einzulegen.

 

Was können Lehrer:innen während der Pandemie tun?

Natürlich sollen und können Eltern Lehrkräfte nicht ersetzen! Auch Lehrer:innen sollen weiterhin aktiv bleiben und vor allem den regelmäßigen Kontakt zur ihren Schüler:innen halten. Alles andere, so Henrik Saalbach weiter, sei schlichtweg verantwortungslos. Damit das Lernen von Zuhause aus gelinge, sei es wichtig, den Schüler:innen eine aktive Rolle zu geben, etwa indem man sie eigene Erklärvideos für ihre Mitschüler:innen drehen lässt und vor allem, indem man ihnen den Nutzen des Lernstoffs für die eigene Lebenswelt verdeutliche, ergänzt Jörg Wittwer. Weitere gebündelte Tipps zum Umgang mit Distanzunterricht für Lehrer:innen findet ihr hier.