Magdeburg. Im Sommer 2021 startete das Bundesland Sachsen-Anhalt ein Projekt, welches für Bildungswesen und Schulbetrieb in Deutschland revolutionär hätte sein können: Das digitale Schulzeugnis. Gemeinsam mit den Bundesländern Berlin und Rheinland-Pfalz sollte eingeführt werden, was in einigen europäischen Ländern wie Estland bereits zur gängigen Praxis gehört. Jetzt zieht das zuständige Ministerium für Infrastruktur und Digitales nach einem Jahr Konsequenzen. Der Probelauf sei nicht erfolgreich gewesen, heißt es. Aber wo genau hakt es?

Wichtiger Baustein zur Digitalisierung der Schulverwaltung

Eigentlich hat sich doch alles so gut angehört: Angeheizt von der andauernden Corona-Pandemie, hatte es sich Sachsen-Anhalt gemeinsam mit GovDigital und der Bundesdruckerei vergangenen Mai zur Aufgabe gemacht, den Prozess der jährlichen Zeugnisvergabe zu digitalisieren. Dies sei ein wichtiger Baustein zur Digitalisierung der Verwaltungsaufgaben von Schulen.

Auf Grundlage öffentlicher Rechenzentren und der Blockchain-Technologie sollte ein System auf die Beine gestellt werden, dass es Schulen ermöglicht, Zeugnisse bequem als PDF an ihre Schüler:innen auszugeben. Ab 2023 wäre es dann für Bildungseinrichtungen bundesweit möglich gewesen die Zeugnisvergabe, parallel zum klassischen Dokument, papierlos zu gestalten.

Blockchain hat Sicherheitslücken

Nun soll es aber offenbar an der Blockchain-Technologie hapern: Das entwickelte System weist Sicherheitslücken auf. So war es IT-Expert:innen beispielsweise gelungen, sich in dem Programm anzumelden und selbst eine Fake-Schule anzulegen. Mit dieser konnte man dann nach Belieben eigene Dokumente erstellen und in der Blockchain speichern. Eigentlich plante die Bundesdruckerei, die Zeugnisse durch die Technologie fälschungssicher zu machen. Dabei wird die Prüfsumme(“Hash-Wert”) des Dokuments unveränderbar in der Blockchain hinterlegt.

Doch dieses Vorhaben ist wohl erst einmal auf Eis gelegt: Laut dem Bildungsministerium von Rheinland-Pfalz ist bei dem Projekt mit einer Verzögerung von bis zu einem Jahr zu rechnen. Bisher ist der Probelauf mit Kosten von rund 800.000 Euro verbunden. Die Digitalisierung des Schulzeugnis ist Teil der Bemühungen zur Entbürokratisierung der deutschen Verwaltung im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes (OZG). Im Zuge dessen verpflichtet sich der Bund dazu 600 Verwaltungsleistungen digital anzubieten.

Wie geht es jetzt weiter?

Obwohl die Beteiligten aktuell intensiv an einer Lösung des Problems arbeiten, ist derzeit noch kein Zeitpunkt bekannt an dem Schulen die Zeugnisvergabe digital anbieten können. Manche Expert:innen stehen dem digitalen Zeugnis allerdings kritisch gegenüber: Aktuell gäbe es keine Technologie mit dem sich dieses Projekt vernünftig umsetzen lässt.
Es bleibt zu hoffen, dass die involvierte Entwickler eine Lösung finden, und das digitale Zeugnis schnell verfügbar sein wird. Dies ist ein wichtiger Schritt, um Schüler:innen einen zeitgemäßen Bewerbungsprozess zu ermöglichen und die Schulverwaltung weiter zu digitalisieren.

Was haltet Ihr von dem Projekt? Wäre die digitale Zeugnisvergabe eine Erleichterung für den deutschen Schulbetrieb?Wir sind gespannt auf eure Kommentare!