Im ersten Teil unserer Artikelreihe über Rassismus im Schulalltag haben wir über das Beispiel der Schule in Magdeburg und vor allem die Auswirkungen von Rassismus auf Betroffene gesprochen. Den Artikel könnt Ihr hier nachlesen. Unbedachte Bemerkungen, unfaire Benotungen, Herabwürdigungen oder sogar Gewalt gegenüber Menschen mit einem Migrationshintergrund oder Menschen, die nur “anders” aussehen, werden aber nicht von jetzt auf gleich verschwinden. Selbst dann nicht, wenn die negativen Auswirkungen bekannt und nachgewiesen sind.

Für Lehrkräfte ist deshalb ein sensibler Umgang mit der Thematik im Klassenzimmer sehr wichtig. Wir haben bereits auf den Leitfaden der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hingewiesen den Ihr hier herunterladen könnt. Wie Lehrer:innen im Klassenzimmer außerdem gegen Rassismus vorgehen können, darum soll es in diesem Artikel gehen!

Offene Kommunikation und eine klare Positionierung sind das A und O

Eine Lehrerin steht vor zwei Schülern

Deutschlandfunk hat in einem Interview mit Handlungstrainerin Turik Fronek über den Umgang mit gesellschaftlichem Rassismus im Klassenzimmer gesprochen. Fronek empfiehlt: [Sich bei rassistischen Äußerungen klar zu positionieren und zu erklären, warum sie problematisch sind]. Den Kindern sollen aber keine langen Vorträge gehalten werden, die sie möglicherweise gar nicht verstehen. Zunächst einmal sei es laut Fronek vor allem für Kinder und Jugendliche wichtig zu vermitteln, dass sie im Umgang mit rassistischen Äußerungen nicht allein sind und nicht die einzigen sind, die solche Äußerungen problematisch finden. Noch immer sei das Thema Rassismus auch für Erwachsene mit Angst besetzt. Dennoch sei offene Kommunikation in solchen Fällen der Schlüssel, um dem Unrecht entgegenzuwirken. Gelingt die Kommunikation, so könne die größte Hürde für Betroffene laut Fronek – das Gefühl, allein zu sein – überwunden werden. Äußerungen rassistischer, sexistischer, ganz allgemein diskriminierender Natur dürften niemals einfach ignoriert werden, so Fronek. Nicht nur Kinder seien in der Schule die Zielscheibe für rassistische Sprüche, sie übernehmen solche Äußerungen auch schnell. In diesem Fall sei es wichtig zu erklären, warum Äußerungen verletzen können. So sei einem Kind vielleicht nicht immer bewusst, dass das Wort “schwul” homophob ist, wenn es als eine Beleidigung verwendet wird. Deshalb sei es wichtig, solche Dinge anzusprechen, sich dazu klar zu positionieren und bei Bedarf eine offene Kommunikation anzubieten, erzählt die Handlungstrainerin abschließend. 

Handlungstipps aus der Beratungserfahrung

Lehrkräfte haben immer über den Rahmen ihrer jeweiligen Schule hinaus auch eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Wie sie als Vorbilder mit bestimmten Problemen umgehen, kann die Schüler:innen maßgeblich prägen. Daher sollte eigentlich längst schon in der Lehrerausbildung über Rassismuskritik gesprochen werden, wie die bpb berichtet. Professionell agierende Lehrkräfte, so Herolé, hätten nämlich das Potenzial, Bildungsungleichheiten zu reduzieren. Sie fühlten sich aber häufig unzureichend auf eine kulturell vielfältige Schülerschaft vorbereitet. 

Das Adolf-Bender Zentrum für Demokratie und Menschenrechte hat deshalb eine Liste mit 12 Punkten zusammengestellt, die Lehrkräften und pädagogischen Einrichtungen ihre Handlungsmöglichkeiten aufzeigen sollen. Schon seit einigen Jahren werden in der Fachstelle gegen Rechtsextremismus – für Demokratie Einzelpersonen, Schulen und Kommunen im Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus beraten. Aus dieser Expertise heraus entstanden die 12 Handlungstipps. Im Folgenden sollen einige dieser Punkte exemplarisch vorgestellt werden.

Handlungstipps gegen Rassismus

Ein gemeinsamer Austausch und die Bildung einer Steuerungsgruppe

Zunächst sei dem Adolf-Bender Zentrum zufolge wichtig, eine Steuerungsgruppe zum Beispiel aus Lehrkräften, Sozialarbeiter:innen, Schüler:innen und Elternvertreter:innen zu bilden. Dadurch würden sie unterschiedlichen Instanzen in einer Schule vertreten. Der aktive Gruppenbildungsprozess schaffe außerdem Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit, um gegen das Problem des Rassismus vorzugehen.

Eine Strategie

 Die Teambildung schafft Abhilfe, wenn das Gefühl aufkommt, mit dem Problem allein zu sein. Eine Strategie erleichtert Absprachen und macht die Handlungsschritte der Steuerungsgruppe transparent. 

Ein Leitbild

 Leitbilder schaffen eine gemeinsame Wertegrundlage, auf die sich im Ernstfall berufen werden kann. Sind viele Personen, etwa aus der Steuerungsgruppe, an der Entwicklung beteiligt, so erhöht sich auch die Chance, dass sich viele Menschen daran orientieren. Das Programm “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” stellt ein gutes Beispiel für zielführende Maßnahmen an Schulen im Kampf gegen Rassismus dar. 

Grenzen setzen

 Eine klare Regelung und gegebenenfalls das Festlegen von Sanktionen in der Schulordnung bei Verstößen, kann rassistische, antisemitische und rechtsextreme Handlungen eindämmen. Schulen beziehen dadurch Position und machen deutlich, dass solche Handlungen Konsequenzen haben und nicht einfach totgeschwiegen werden. 

Werte der Gleichberechtigung fördern

 “Rassismus, Antisemitismus und Rechtsetremismus liegen eine Ideologie der Ungleichwertigkeit zu Grunde”, so berichtet das Adolf-Bender Zentrum. Prävention kann deshalb zum Beispiel die Förderung von Werten wie Gleichberechtigung sein. Auch das Behandeln konkreter Ansätze wie der Diversity-Ansatz im Unterricht oder das Thema Kinder- und Menschenrechte kann sich positiv auf das Bewusstsein von Schüler:innen im Umgang mit Rassismus auswirken. Verschiedene Arbeitsblätter und Materialien zu diesem Thema könnt Ihr zum Beispiel hier herunterladen.

Bei Tätern intervenieren, die Opfer schützen

 Schüler:innen, die sich zum Beispiel rassistisch äußern, sollten konfrontiert werden und am besten in Einzelgesprächen auf ihre Äußerungen angesprochen werden. Dadurch können Motive solcher Vorfälle deutlicher werden und gezielter mit Schüler:innen gearbeitet werden. Den Opfern sollte vermittelt werden, dass sie in Lehrkräften, Sozialarbeiter:innen etc. Ansprechpersonen haben und niemals allein sind, auch wenn Rassismus nicht immer vor den Augen der Lehrkräfte stattfindet. 

Weitere Hinweise und Kontaktadressen rund um das Thema Antidiskriminierung in der Schulen hat Antidiskriminierungsstelle des Bundes außerdem hier zusammengestellt. 

Die Themen Alltagsrassismus und Rassismus in der Schule sind komplexe Themen, die nicht in nur einem oder zwei Artikeln abgedeckt werden können. Weil die Thematik wohl auch in Zukunft an Schulen relevant sein wird, ist es wichtig, offen darüber zu reden und sich im Gespräch mit Schüler:innen, Eltern und anderen Lehrkräften darüber auszutauschen.

Welche Strategien hat Eure Schule im Umgang mit Rassismus? Habt Ihr bereits vom Programm “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” gehört oder seid Ihr sogar schon ein Teil davon? Lasst es Uns in den Kommentaren wissen!