Die Bundesschülerkonferenz im Mai 2016 in Welschbillig. Quelle: https://lsaberlin.de/bsk/

Einer der vielen Vorwürfe, denen sich Jugendliche immer wieder ausgesetzt sehen, ist das Vorurteil der Politikverdrossenheit. Minderjährige beschweren sich andauernd über die aktuelle Regierung und leisten dabei selbst keinen Beitrag zu ihrer Verbesserung. Die Bundesschülerkonferenz (BSK) beweist das Gegenteil. Die BSK ist die ständige Konferenz der Landesschülervertretungen der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Mitglieder:innen kommen aus den einzelnen Ländern in regelmäßigen Abständen zusammen, um eine überregionale, überparteiliche und überkonfessionelle Interessenvertretung im Bereich der Bildung zu organisieren. Durch die Zusammenarbeit soll der Meinung der Schüler mehr Gewicht in der Politik verliehen werden. Eine gemeinsame Satzung und Geschäftsordnung gibt den Handlungsrahmen der Kooperation vor. Für ihre Tätigkeiten unterhält die BSK direkte Kontakte zu Ämtern, Behörden und Institutionen.

Die einzelnen Organe der Bundesschülerkonferenz

Zu sehen ist das Logo der Bundesschülerkonferenz: Eine schwarze Darstellung von Deutschland in dessen Landesgrenzen. Daneben steht: “Die ständige Konferenz der Landesschülervertretungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland”. Die Bundesschülerkonferenz ist die ständige Konferenz der Landesschülervertretungen der Länder in der Bundesrepublik Deutschland.

Das Logo der Bundesschülerkonferenz. Quelle: https://lsr.bayern/unsere-themen/bsk/

Die Bundesschülerkonferenz setzt sich aus drei Hauptorganen zusammen: Das Plenum, das Bundessekretariat und die Fachausschüsse. Das Plenum tagt in bestimmten Abständen an unterschiedlichen Orten. Bei den Abstimmungen gilt das Konsensprinzip, damit die föderale Machtverteilung nicht untergraben werden kann. Bildung bleibt im Zuständigkeitsbereich der einzelnen Bundesländer. Die Umsetzung und die Inhalte der Treffen werden dafür bereits im Vorfeld geplant.

Das Plenum wählt auch das Bundessekretariat inklusive des Generalsekretärs. Das Sekretariat arrangiert die Plenartagungen. Der Generalsekretär übernimmt dabei die Leitung. Derzeitig ist dies noch Dario Schramm, allerdings nur noch bis zur nächsten Konferenz am 11. November 2021. Danach wird der Posten anderweitig vergeben. Das Sekretariat besteht neben ihm noch aus drei Fachkoordinator:innen, die in verschiedenen Aufgabenfeldern unterwegs sind. Die Innenkoordinatorin Katharina Swinka ist sowohl für die inhaltliche Gestaltung der Sitzungen, als auch für die funktionierenden Kommunikation innerhalb der BSK zuständig. Der Fachkoordinator für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Henry Behrens kümmert sich um die Presseanfragen, um die Pressemitteilungen und um die Administration der Social Media Kanäle der Bundesschülerkonferenz. Und für die Planung, Verwaltung und Beantragung der Geldmittel ist die Finanzkoordinatorin Alexandra Zeth verantwortlich. All diese arbeiten mit mehreren Referent:innen zusammen, damit sie bei der praktischen Umsetzung entlastet werden.

In den Fachausschüssen werden dann die konkreten themenspezifischen Debatten geführt. Darüber hinaus fördert der Verein der ständigen Konferenz der Landesschülervertretungen der Länder in der Bundesrepublik Deutschland e. V. die Bundesschülerkonferenz mit finanziellen Mitteln und mit politischen Beziehungen. Das Leitmotiv des Vereins ist es ein Alumni-Netzwerk aufzubauen, in dem sich Schüler:innen, Auszubildende und Vertreter:innen des Staates miteinander austauschen können.

Der aktuell noch amtierende Generalsekretär Dario Schramm

Zu sehen ist der aktuell noch amtierende Generalsekretär Dario Schramm von der Bundesschülerkonferenz. Schramm steht draußen auf dem Dach eines Gebäudes. Im Hintergrund erkennt man verschwommen die Konturen von weiteren Großstadtgebäuden.

Der aktuell noch amtierende Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz Dario Schramm. Quelle: https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-schule-winterferien-100.html

Wie bereits schon erwähnt, findet demnächst eine personelle Neustrukturierung der Bundesschülerkonferenz statt. Momentan wird das Amt des Generalsekretärs noch von Dario Schramm bekleidet. Dieser wurde zum ersten Mal während seiner Schulzeit politisch aktiv. Damals setzte er mit einer Online-Petition die Wiederholung einer Schulprüfung durch, die unter erschwerten Bedingungen stattfand. Dadurch bemerkte er, wie er mit einer Gemeinschaft trotz deren Minderjährigkeit Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen konnte. Deshalb trat er mit 16 Jahren der Sozialdemokratischen Partei in Bergisch Gladbach bei und wurde später Expertenjury-Mitglied beim Award Digitale Bildung. Dieser Preis ist Teil der gemeinnützigen Organisation “Zukunft Digitale Bildung”. Auf dem Bild hier ist er beim Pizzaessen mit dem derzeitigen Geschäftsführer der ZDB Nicolas Colsman zu sehen.

Zu sehen ist der Generalsekretär Dario Schramm mit dem Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation “Zukunft Digitalen Bildung” Nicolas Colsman auf einem Sofa Pizza essend. Schramm ist neben seiner Position als Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz auch Mitglied der Expertenjury des Awards Digitale Bildung, die ein Teilaspekt der ZDB ist.

Der Generalsekretär Dario Schramm beim Pizzaessen mit dem Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation “Zukunft Digitale Bildung” Nicolas Colsman.

Seine Arbeit gewann vor allem in der Corona-Pandemie zunehmend an Bedeutung. Er befasst sich überwiegend mit den Belangen von Kindern und Jugendlichen. So kritisiert er immer wieder die langsamen und komplizierten bürokratischen Prozesse, welche die notwendigen Erneuerungen an den Schulen behindern. Er verweist beispielsweise auf das Geld für Luftfilter, das zwar bereitgestellt, aber nicht abgehoben wird. Digitale Geräte werden in Schulen eingebaut, ohne den erforderlichen Internetanschluss zur Verfügung zu stellen. Und bei der Maskenpflicht an Schulen herrscht immer noch ein Flickenteppich unter den Ländern vor. Er fordert ein schnelleres Agieren, um nachhaltige Schäden bei den Schülern zu verhindern. Dabei warnt er insbesondere vor den Lernrückständen und den psychischen Folgen, die das dauerhafte Homeschooling mit sich bringen kann. Die aktuelle Belastung für Schüler:innen ist nach eineinhalb Jahren Pandemie immer noch extrem hoch.

Die diversen Anliegen der jungen Bevölkerung erörterte Schramm unter anderem auch in seinem neuen Buch “Die Vernachlässigten”. Die Publikation erscheint voraussichtlich am 01. Februar 2022. In dieser benennt er nicht nur konkret die einzelnen Problemfelder. Er befasst sich darüber hinaus mit der Frage, weshalb Kinder und Jugendliche immer wieder in der Corona-Politik ignoriert werden. Deren Belange werden bei den Besprechungen und Umsetzungen von Gegenmaßnahmen kontinuierlich übergangen. Hierbei stellt Dario Schramm in seinem kommenden Werk die aktuelle Lage aus der Sicht eines persönlich Betroffenen dar.

Als die drei Hauptprobleme an deutschen Schulen benennt der Generalsekretär die rudimentäre Digitalisierung, die fehlende Fort- und Weiterbildung von Lehrer:innen und die soziale Ungleichheit unter den Schüler:innen. Da seine Amtszeit nun zu Ende geht, muss sich demnächst die darauffolgende Besetzung der Bundesschülerkonferenz mit diesen Problemen auseinandersetzen.  Auf der Agenda für das nächste Treffen stehen insbesondere Diskussionen über Kompetenzen an Schulen, die Effektivität von Berufswahltests und die Interessen von Arbeitgebern. Die Themen, mit denen sich die Konferenz zukünftig beschäftigen kann, sind folglich nicht zu wenige. Inwieweit sie bei der Bewältigung dieser erfolgreich sein wird, wird sich erst nach der jüngsten Tagung zeigen. Derzeit steht zumindest fest, dass die bisherige Bundesschülerkonferenz eine medienwirksame Arbeit an den Tag legte. Der Geschäftsführer der Zukunft Digitalen Bildung Nicolas Colsman meinte zum Ende der noch amtierenden Administration: “Ich bin von der Kompetenz der Bundesschülerkonferenz schwer beeindruckt. Ihre jungen Mitglieder verstehen es Social Media produktiv einzusetzen, sodass aktuelle Schulthemen in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Sie haben sich nicht nur mit Lösungsansätzen befasst. Sie waren auch diejenigen, die die Breite der Bevölkerung erst auf viele dieser Probleme aufmerksam gemacht haben. Deshalb möchte ich mich im Namen des kompletten ZDB-Teams, aber auch persönlich für die hervorragende Zusammenarbeit bedanken. Ich hoffe, dass wir mit der neuen Besetzung ebenfalls so gute Ergebnisse erzielen können.”

Interessierst Du Dich auch für die politische Umsetzung an den Schulen? Lass uns gerne Deine Meinung in den Kommentaren da. Falls Du Lust auf weitere Beiträge zum Thema Bildung und Politik hast, dann findest Du hier ein Interview, in dem der Deutsche Verein zur Förderung der Lehrer:innenfortbildung seine Forderungen an die nächste Bundesregierung stellt, und hier findest Du einen Artikel, wie die neue Taliban-Regierung das Bildungssystem für Mädchen und Frauen nach der Machtübernahme verändert hat.