Schulversuch „Digitale Schule 2020“ – unter diesem Motto hat die Stiftung Bildungspakt Bayern ein Projekt ins Leben gerufen, um die Nutzung digitaler Medien mehr in den Schulalltag zu integrieren. In der vergangenen Woche hat die Stiftung erste Ergebnisse des Versuchs veröffentlicht. Lehrer News berichtet euch heute von dem Projekt und seinen bisherigen Ergebnissen.

Schulversuch „Digitale Schule 2020“ – über das Projekt

An dem Projekt „Digitale Schule 2020“ haben jeweils fünf Grund-, Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien in Bayern teilgenommen. Ursprünglich war der Schulversuch für die Schuljahre 2017/2018 bis 2019/2020 ausgelegt und hat somit lange vor dem durch die Corona-Pandemie bedingten Digitalisierungsschub begonnen, wurde jedoch gerade deshalb auf das kommende Schuljahr ausgeweitet. Ziel des Projekts ist es, Konzepte und Strategien zu entwickeln, um digitale Medien für Lehrer:innen und Schüler:innen gleichermaßen gewinnbringend in den Schulalltag zu integrieren. Konkret bedeutet bezieht sich dies auf drei Punkte: Den Schüler:innen Medienkompetenzen und somit einen geeigneten Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln, die Qualität des Unterricht durch den Einsatz digitaler Medien zu steigern und die Möglichkeiten zur digitalen Leistungserhebung weiterzuentwickeln. Um diese Ziele zu erreichen, konzentriert sich der Versuch nicht nur auf den Ausbau der digitalen Infrastrukturen der teilnehmenden Schulen, sondern nimmt auch die Fortbildung des Lehrerkollegiums sowie die Digitalisierung von Verwaltungsaufgaben mit in den Blick.

Ergebnisse des Schulversuchs „Digitale Schule 2020“

In der Vorabveröffentlichung der bisherigen Ergebnisse des Schulversuchs der Stiftung Bildungspakt Bayern wird deutlich, welchen Mehrwert digitale Medien im Unterricht bringen und wie vielfältig dieser ist. Es werden sämtliche relevante Themen wie Videokonferenzen, Online Plattformen und Apps für den Unterricht abgedeckt. Aber auch die Themen Fortbildung von Lehrkräften, Finanzierung sowie digitale Medien im Bereich der Verwaltungaufgaben werden behandelt.

So werden beispielsweise elementare Bestandteile wie das Schreiben und Lesen lernen beleuchtet und herausgestellt, wie digitale Medien diese Prozesse unterstützen können, ohne die Entwicklung einer eigenen Handschrift zu gefährden. „Für Eltern ist es ganz wichtig zu wissen, dass die digitalen Medien im Unterricht nicht dominieren, sondern dass die herkömmlichen Unterrichtsmethoden und Mittel wie zum Beispiel die Schreibschrift einüben nicht zu kurz kommen“, weiß auch Ina Achtmann von der am Schulversuch beteiligten Comenius-Grundschule Buchloe. Gerade Aspekte wie diese, die oft geäußerte Befürchtungen von Lehrkräften und Eltern behandeln, werden im Schulversuch diskutiert: so wird klar unterschieden, für welche Aufgaben die Schüler:innen handschriftliche Notizen anfertigen sollten und dass es beispielsweise bei einer gemeinsamen Ergebnissicherung sinnvoll sein kann, auf digitale Medien zurückzugreifen. Auch Themen wie die Furcht vor ständiger Erreichbarkeit kommen nicht zu kurz.

Schaubild aus der Broschüre zum Schulversuch "digitale Schule 2020" mit der Bildunterschrift "Entwicklungsfelder für das Lehren und Lernen im digitalen Wandel"

Aus dem Bericht zum Schulversuch „digitale Schule 2020“

„Aus der Praxis für die Praxis“ – Vom Versuch zum Vorbild

Der Lehr- und Lerneffekt digitaler Medien scheint sich durch die Stimmen der am Schulversuch teilnehmenden Lehrkräfte jedenfalls zu bestätigen. „Generell denke ich, dass der Mehrwert nach wie vor darin besteht, dass ich während des Unterrichts mehr Optionen habe Schüler abzuholen. Und zwar nicht nur da, wo sie leistungstechnisch stehen, sondern auch wo sie vom Interesse und von ihren Neigungen her stehen. Insofern habe ich eine sehr heterogene Gruppe von 30 Schülern, die unheimlich viele Optionen bekommen Beiträge zu leisten und dadurch ein Wirkungsempfinden zu entwickeln, was vielleicht vorher nicht möglich gewesen wäre“, sagt Tina Künzel vom Gymnasium Ottobrunn.

Idealerweise können die entwickelten Konzepte und Strategien auch von anderen Bildungseinrichtungen genutzt und auf deren Schulbetrieb übertragen werden, so dass deutschlandweit von den bisherigen Ergebnissen profitiert werden kann. Besonders spannend dürften die Ergebnisse aus dem kommenden Schuljahr sein, auf das der Versuch aus gegebenem Anlass ausgeweitet wurde. Hier sollen insbesondere die Themenfelder hybrides Lernen und die Möglichkeiten zu digital gestützten Leistungserhebungen in den Fokus rücken. Gerade in diesen Bereichen besteht noch großer Optimierungsbedarf, wie die Bilanz aus dem letzten Schuljahr deutlich gezeigt hat. Die Ergebnisse des Schulversuchs werden dahingehend kontinuierlich aktualisiert. Hier könnt ihr bereits die bisherigen Erfahrungsberichte, Praxistipps und Ergebnisse einsehen.