smartPaper- Erstmals seit ihrem Bestehen wurde im November 2021 von der gemeinnützigen Organisation Zukunft Digitale Bildung die  Awards für die besten Digitalisierungskonzepte verliehen.

Zum einen gab es den Visionspreis für die innovativsten Ideen und Konzepte zum Thema Digitalisierung und zum Anderen den Individualpreis für die bereits vorbildliche Nutzung der digitalen Medien im Unterricht.

Es wurden insgesamt sechs Gewinner:innen jeweils für Primar, Sekundar und Berufsschulen ausgezeichnet. Eine davon war die Arnold-Bode-Schule in Kassel. Für ihr Konzept “smartPAPER” wurde den beiden Lehrern Norman Seeliger und Florian Bagus hier der Visionspreis verliehen. Die Pädagogen konnten aufgrund ihres Erfahrungsstandes mit digitalen Medien ihr Konzept an Ihre eigenen Bedürfnisse als Lehrkräfte anpassen und so eine konstruktive Unterstützung für Lehrer:innen, aber auch Schüler:innen im digitalen Unterrichtsablauf schaffen. Das Tool ist bereits bei verschiedenen Bildungseinrichtungen ein gefragtes Konzept.

Zu sehen ist der Geschäftsführer der Zukunft Digitalen Bildung Nicolas Colsman, der den Visionspreis an Norman Seeliger (links) und Florian Bagus (rechts) übergibt.

Was ist smartPAPER?

SmartPaper ist eine Lernplattform, die eine Art digitales Arbeitsblatt für die Schüler:innen darstellt. Der Unterricht soll dadurch besonders individuell und kompetenzorientiert gestaltet werden. Die Schüler:innen sollen sich vor der Bearbeitung von Aufgaben selbst einschätzen. Dadurch können ihnen Aufgaben auf Ihrem Niveau angezeigt werden und sie können selbst mögliches Steigerungspotential erkennen. Die Probleme der Schüler:innen können hierdurch strukturierter erfasst und intensiver behandelt werden. Da den Lehrern durch smartPaper viel Arbeit abgenommen wird, können sie diese gesparte Zeit dort nutzen, wo sie sonst fehlt.

Die Auseinandersetzung mit einzelnen Schülern und deren Schwachpunkten kann so deutlich effizienter erfolgen. Da der Schwerpunkt auf Digitalisierung liegt, darf natürlich der Datenschutz nicht zu kurz kommen:  Die webApp ist auch ohne Anmeldung verfügbar und die Nutzer:innen können ihre Aufgaben selbstständig speichern, für andere zur Verfügung stellen sowie sie gemeinsam besprechen. Bei Bedarf können auch andere Medien mit verknüpft werden. Dem selbstständigen Lernen und der gemeinsamen Projektarbeit soll somit nichts mehr im Weg stehen.

In folgendem Video werden die Inhalte und Anwendung von smartPaper erklärt. Sowohl für Schüler:innen als auch Lehrer:innen kann die Plattform eine große Unterstützung im Schulalltag darstellen.

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Hier ein Interview mit den beiden Preisträger Norman Seeliger und Florian Bagus:

Es ist heutzutage immer noch recht ungewöhnlich, dass eine Lehrkraft sich die Digitalisierung zunutze macht. Was hat Sie dazu bewogen, sich so umfangreich mit digitalen Medien zu beschäftigen?

Norman: Wir unterrichten an einer Berufsschule im Bereich Medien und Druck. Das ist quasi unser Job. Im Bereich Medien haben wir vor unserer Beamtenlaufbahn gearbeitet. Ich war zB. 10 Jahre lang als Mediengestalter und Medienfachwirt in diesem Bereich tätig und unterrichte jetzt die Azubis in Webdesign, Programmierung und Datenbanken.

Florian: Da kann ich Norman nur Recht geben, im Berufsfeld Druck und Medien ist die Digitalisierung schon sehr lange ein Thema in den Betrieben und auch in der Berufsschule. Allerdings werden die Möglichkeiten der digitalen Anwendungen oft noch zu selten innovativ eingesetzt. Ich habe beispielsweise schon vor smartPAPER mit Möglichkeiten zur Individualisierung von Unterricht experimentiert, aber erst der Sprung in ein digitales Lernsetting hat dieses Ziel  wirklich ermöglicht.

Norman: Unser Berufsfeld Druck und Medien ist ja auch quasi die Heimat der Medien. Jahrtausende mit Schrift und Typografie, Jahrhunderte mit Drucktechnik. Da ist es nur folgerichtig das Impulse zu dem Einsatz “digitaler” Medien im Unterricht von uns kommen.(…). Ich begreife die verschiedenen Medientypen als Symbiose und verbinde und nutze sie in sehr opportunistischer Art. Die Medien haben jeweils zahlreiche Vorteile und Nachteile.

Welche prägenden oder besonderen Erfahrungen haben Sie bei der Nutzung von digitalen Medien als Lehrer gemacht?

Florian: Durch unser Konzept ist Unterricht ganz neu denkbar. Endlich kann man als Lehrkraft Lerngelegenheiten anbieten, die für jedes Mitglied einer Lerngruppe passend sind. Hier wird niemand über- oder unterfordert. Zugleich ist der Unterricht sehr reflexiv, denn unsere Lernenden werden stets zur Reflektion des eigenen Lernprozesses angehalten. Damit bleibt nicht nur der Lerninhalt im Kopf, sondern auch die eigene Lernkompetenz wird gefördert.

Norman: Ich war sehr enttäuscht als die teuren Smartboards in der Schule angekommen sind und die Software mehr den Charakter von Paint Windows 3.1 hatte. In dem Moment kam mir der Gedanke wie entscheidend die Software ist.

Wie wird sich Ihrer Vermutung nach die Digitalisierung im deutschen Bildungssystem zukünftig weiterentwickeln. Welche Erwartungen, Forderungen oder Hoffnungen haben Sie dabei?

Norman: Ich habe darauf nur meinen spezifischen Blick aus der Medien-Berufsschule. 

Es hat sich bereits hier viel entwickelt und wir haben als Berufsschule mit Status SBS zahlreiche Möglichkeiten. Auf jeden Fall wäre noch mehr möglich, wenn man Gelder aus unterschiedlichen Haushalten freier verwenden – oder gar vermischen – könnte.

Florian: Ich bin der Meinung, dass wir nach dieser Pandemie nicht wieder in die alten Muster verfallen dürfen. Die Schulen haben auf so vielfältige Weise große Fortschritte im Bereich der Digitalisierung gemacht, das darf man nicht einfach wieder über Bord werfen. 

Aus meiner Sicht kann Schule durch Digitalisierung nur gewinnen. Lernen kann orts- und zeitungebunden stattfinden, Kooperationen jeder Art können leichter geknüpft werden und natürlich lässt sich Unterricht durch neue methodische Ansätze aufwerten. Wir müssen uns davon verabschieden, dass digitaler Unterricht bedeutet, alte Methoden auf digitalen Medien anzuwenden.

Norman: Mich freut besonders die intensive Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt, also Prof. Dr. Tenberg und sein Team aus der Technik-Didaktik. 

Wir haben regelmäßig Konferenzen und haben uns zum Ziel gesetzt, das responsive und adaptive Lernen, das mit smartPAPER möglich ist, zu untersuchen und damit auch dem wissenschaftlichen und bildungspolitischen Diskurs beizutragen.

Was für Reaktionen haben Sie bereits bei Ihren Kolleg:innen aufgrund Ihrer Online-Affinität erlebt? Inwieweit konnten Sie deren Verhaltensweise im Bezug auf die Nutzung von digitalen Medien verändern?

Florian: In den letzten zwei Jahren waren alle Kolleginnen und Kollegen sehr belastet und mit vielen neuen Aufgaben konfrontiert. Da fällt es schon mal schwer sich dann noch auf ein neues Konzept wie smartPAPER einzulassen. Aber mittlerweile nutzen schon ein paar Kolleginnen und Kollegen unsere Applikation und es beginnen sich immer neue Vorteile daraus zu entwickeln. Kooperationen über Lernfelder hinweg und problemlosere Wechsel zwischen Unterricht in der Schule und Homeschooling sind nur zwei davon.

Norman:  Wir sind sicherlich zentrale Ansprechpartner. Das betrifft aber auch auch die ganze Fachgruppe Medien. Wobei unsere Schulleitung sehr großen Wert auf die Nutzung von z.B. Office / Teams legt. Da ist das gesamte Kollegium mehrfach geschult worden. Für unser Schulqualitätsmanagement, also die Verwaltung und Entwicklung der Prozesse, Projektmanagement, Curriculum, Dokumente usw., habe ich ein Wiki programmiert und das Kollegium nutzt das täglich. Spezifisch für smartPAPER steigt die Nutzung langsam. Z.B. hat die Schulleitung einer Kollegin ca. 100 Stunden für die Entwicklung von foto- und video spezifischen Lernsituationen genehmigt als Projekt.

Sie haben für Ihr „smartPaper“ den Visionspreis des Awards Digitale Bildung erhalten. Was empfinden Sie dabei?

Florian: Der Award wurde je zum ersten Mal vergeben, daher sind wir natürlich besonders stolz dabei zu sein. Es ist wertvoll, wenn es Initiativen gibt, die das Thema der digitalen Bildung nach vorne bringen. Wir hoffen, dass der Award unserem Projekt noch weitere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und der Politik bringt, denn nur durch die Unterstützung von dort kann sowas langfristig wachsen.

Norman: Freude. Und es war auch schön, dass unser Oberbürgermeister extra in unsere Schule zu der Preisverleihung gekommen ist.

Gibt es irgendwelche Ratschläge, Auskünfte oder Appelle, die Sie an Ihre Kollegen im Bildungswesen zum Thema Digitalisierung richten möchten?

Norman: Bildungswesen und Digitalisierung ist jeweils ein komplexes und interdisziplinäres Feld. Ich freue mich über Interesse und Austausch aus allen Bereichen.

Florian: Seid offen für Neues und denkt auch mal „out of the box“! Als Norman und ich mit smartPAPER begonnen haben, wurde uns davon abgeraten, weil das angeblich nicht zu machen sei. Nun ja, jetzt ist smartPAPER im Unterricht im Einsatz und der Erfolg gibt uns recht. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es wichtig ist sich ein Team von engagierten Mitstreitern zu suchen und keine Angst vor neuen Ideen zu haben. So ging es uns ja auch, denn ohne Normans Expertise in Webdesign und unsere gemeinsamen Ideen, hätten wir smartPAPER nicht realisieren können. Wir freuen uns auch stets über Austausch mit interessierten Kolleginnen und Kollegen. Man kann uns über die Webseite von smartPAPER (www.smart.arnoldbodeschule.de) gut erreichen.

Norman: Nickt zustimmend.