Influencer sind heutzutage ein essenzieller Bestandteil in der Medienlandschaft. Dieser Artikel befasst sich mit eben jenen. Allerdings unterscheiden sich die heute vorgestellten Influencer:innen etwas von den Influencer:innen die einem normalerweise in den Sinn kommen, wenn es um diese Thematik geht. Lehrer News hat Interviews mit zwei Influencerinnen geführt, die  uns von ihren Ambitionen und Ideen berichtet haben.

Auf dem Bild ist die Instagram Seite von Simone Lai zu sehen

Plane Spoken
Die erste Influencerin ist die Bloggerin Simone Lai aus Esslingen. Seit einer Gehirnblutung sitzt sie im Rollstuhl, was sie aber nicht von ihrem größten Hobby, dem Reisen, abhält. Unter dem Namen “PlaneSpoken” führt Simone einen Blog und ein Instagram-Profil, auf denen sie ihre Reisen, Trips und Aktivitäten teilt. In unserem Interview spricht Simone über ihren Hintergrund und wie ihre Karriere als Bloggerin angefangen hat.

Warum möchtest Du, dass die Menschen Dich sehen und Dir zuhören, zum Beispiel auf Instagram oder im Fernsehen? Und wie bist Du auf die Idee gekommen, dass Du berühmt werden möchtest?

 

Ich finde es wichtig, die Gesellschaft für solch ein unterrepräsentiertes Thema wie die „Barrierefreiheit“ zu sensibilisieren.
Als Läufer macht man sich ja keine Gedanken darüber, was ein Rollstuhlfahrer alles
machen bzw. was ihn daran hindern kann. Deshalb ist es wichtig, Informationen und Ressourcen zu verschiedenen Möglichkeiten bereitzustellen. Auf diese Art hoffe ich einfach, viele Menschen zu erreichen und ihnen auch einen Motivationsschub geben zu können. Ich persönlich habe in der Reha durch die Ausflüge erkannt, dass man auch im Rollstuhl etwas unternehmen kann. Ein Rollstuhl muss keine Einschränkung sein. Übrigens wollte ich nie berühmt werden, ich wollte einfach mein Wissen teilen und Leuten helfen!

 

Auf Deinem Instagram-Account und Deinem Blog teilst Du Bilder, die ein aktives und dynamisches Leben zeigen. Was ist für Dich der wichtigste Aspekt, der sich in den Köpfen ändern sollte, wenn es um die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung geht? Wie willst Du dieses Bild beeinflussen?

 

Mein Social Media sieht nur aktiv aus (lacht). Natürlich unternehme ich Ausflüge und Reisen, aber die Bilder poste ich ganz entspannt im Nachhinein über einen längeren Zeitraum. Für mich ist es wichtig, dass der Gesellschaft bewusst werden muss, dass auch Menschen mit Einschränkungen aktiv am Leben teilnehmen wollen. Dies wird jedoch durch eine nicht-barrierefreie Umgebung erschwert. Daher ist es wichtig, die Gesellschaft mit all ihren Menschen und Anbietern auf diese Problematik aufmerksam zu machen.

Was ging Dir vor Deiner ersten großen Reise im Rollstuhl durch den Kopf? Was waren Deine Hoffnungen und Erwartungen? Wie bist Du damit umgegangen?

 

China ist schon ein weites Ziel. Wenn man beispielsweise innerhalb von Europa verreist,
geht man ja davon aus, dass die Leute offen sind. Eine Bekannte, die bereits bei einer China-Reise mitgemacht hatte, erzählte mir dann, dass eine ältere Dame sie aus dem Bus schubsen wollte, da sie im Rollstuhl saß. Dieser Satz gab mir natürlich
ein mulmiges Gefühl. Ich habe mich gefragt, wie werde ich jetzt in Asien
aufgenommen? In Asien geht man mit dieser Thematik nicht so offen um, wie in Europa.
Deswegen fühlte ich mich unsicher und wusste nicht, was auf mich zukommen würde. Aber dann gab ich mir trotzdem einen Ruck, denn man lebt nur einmal und man sollte für sich leben!

Was war Deine schönste Erfahrung beim Reisen bisher? Welcher Trip oder welche Aktivität ist ganz oben auf Deiner Liste?

 

Schwierig. Jede Reise ist sehr schön. Ich bin ja auch reisebegeistert, ich finde das so toll
und es macht so viel Spaß, andere Kulturen kennenzulernen. Aber ich glaube, dass eines meiner großen Highlights das barrierefreie Surfen war. Auf Instagram habe ich zufällig eine Werbung entdeckt. Da habe ich erst mal lange gezögert, aber auch hier habe ich mir einen Ruck gegeben und es nicht bereut. Es war eine tolle Erfahrung, die mich in meiner Entscheidung bestärkt hatte – und zwar, dass ich als Rollstuhlfahrer nicht zurückschrecken darf und einfach neue Sachen ausprobieren kann.

 

Auf dem Bild ist Simone Lais Beitrag zum barrierefreien Surfen zu sehen.

Hast Du eine bestimmte Zielgruppe? Wen willst du mit Deinem Content besonders ansprechen?

 

Meine Zielgruppe sind tatsächlich Menschen mit Behinderung. Ich finde es einfach wichtig,
dass man den Menschen zeigt, was es für Möglichkeiten gibt. Iich war selbst an einem Tiefpunkt, an dem ich dachte: „Scheiße, ich sitze im Rollstuhl, da kann ich ja gar nichts machen.“ Das zieht einen natürlich runter, aber ich hatte immer eine unterstützende Umgebung und Leute, die gesagt haben:
‘Probier’s, mach’s!’. Und genau das möchte ich weitergeben.

Welche Person hat Dich in Deinem Leben am meisten beeinflusst? Hast Du Vorbilder oder jemanden der Dich zu Deinem heutigen Weg inspiriert hat?

 

Meine Familie hat mich immer unterstützt und ist mit mir auf Reisen gegangen. Das allein hat mich sehr beeinflusst. Aber wie bereits erwähnt, war mein Schlüsselerlebnis die Reise nach China und die Tatsache, dass meine Bekannte gesagt hat: ‘Probier es doch einfach aus!’

Du bist eine Influencerin, das heißt Instagram ist sicherlich ein sehr wichtiges Tool, um Deine Message zu verbreiten, aber vor allem bist Du Aktivistin für körperlich Eingeschränkte. Was sind deine nächsten Schritte und deine Ziele für die Zukunft? Was willst Du schaffen?

 

Ich sehe mich tatsächlich eher als Aktivistin und nicht als Influencerin, da ich nicht die ganze
Zeit auf Instagram bin. Ich möchte einfach den Menschen Informationen an die Hand geben und sie somit unterstützen.

Meine Ziele für die Zukunft sind meinen Blog auszubauen und mehr Menschen zu erreichen. Solange ich anderen mit meinem Blog helfen und motivieren kann, bin ich glücklich!

Das volle Interview kannst du dir hier anhören.

Das Interview führten Kay Schuh und Minh Ngo

Auf dem Bild ist die Instagram Seite von Natalie Dedreux zu sehen.

Natalie Dedreux

Die zweite Influencerin, die wir euch heute vorstellen, ist Natalie Dedreux aus Köln. Die 23-Jährige, die mit dem Downsyndrom geboren wurde, macht auf ihrem Blog und ihrem Instagram-Profil deutlich, dass sie entgegen der Wahrnehmung vieler ein aktives und dynamisches Leben führen kann. Neben ihrer Tätigkeit auf einem Außenarbeitsposten in einer Behindertenwerkstatt arbeitet Natalie Dedreux auch als Journalistin bei der Redaktion “Ohrenkuss” und setzt sich als Aktivistin für diverse Projekte ein. Im Interview sprachen wir mit ihr über ihre Ziele, ihre Motivation und über ihre Auszeichnung mit dem Bobby.

 

Sie haben das sicherlich schon öfter gehört, aber wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr Leben mit der Öffentlichkeit zu teilen?

 

Ja, es war so, dass es einen Film gab, und da ging es um ein sehr wichtiges Thema, der Film heißt ‘24 Wochen’. Und da geht es darum, dass die Mutter ihr Kind wegen dem Downsyndrom abtreibt. Der Vater hat aber gesagt, er möchte das Kind behalten und es zur Welt bringen. Und deswegen war ich auch mutig gewesen und dann habe ich der Frau Merkel meine Frage gestellt: ‘Wieso kann man Babys mit Downsyndrom noch abtreiben?’ Und da hat Frau Merkel gesagt, dass es die freie Entscheidung ist, ob sie ihr Kind zur Welt bringt oder nicht. Und damit bin ich berühmt geworden. 

Auf Ihrem Social Media Account teilen Sie Bilder, die ein aktives, dynamisches Leben zeigen. Was ist für Sie der wichtigste Aspekt der sich in den Köpfen ändern sollte, wenn es um die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung geht. Was für Vorurteile gibt es gegenüber dem Downsyndrom?. Was muss sich in der Wahrnehmung im Hinblick auf Menschen mit dem Downsyndrom ändern?

 

Also was sich in jeden Fall verändern muss, ist, dass Menschen mit Downsyndrom mehr in den Medien gesehen und gehört werden sollten. Und es gibt ein Vorurteil gegenüber Menschen mit Downsyndrom: Sie können nicht lesen und schreiben und das stimmt eigentlich nicht. Menschen mit Downsyndrom können lesen und schreiben. Und ich finde es schon wichtig, dass wir Menschen mit Behinderung gesehen und gehört werden müssen, wir haben auch etwas zu sagen und deswegen ist es wichtig, dass man uns zuhört. 

 

Auf dem Bild ist ein Beitrag von Natalie im Museum zu sehen.

 

Viele Ihrer Posts und Beiträge sind positiv und lustig. Viele sind aber auch kritisch und zeigen Probleme. Sie zeigen, wo es in der Gesellschaft noch keine Gleichbehandlung gibt. Mir ist dabei besonders die Kritik an der Bezahlung in Behindertenwerkstätten und Ihr Einsatz für die leichte Sprache aufgefallen.

  • Ist Ihnen wichtig, beides zu machen, “spaßige” und ernste Posts?
  • Was sind Ihre Ziele, was wollen Sie mit Ihren Beiträgen erreichen?

Ja, auf jeden Fall ist es mir wichtig, dass wir Menschen mit Behinderung einmal den Mindestlohn bekommen sollen. Wichtig ist aber auch, dass wir Geld verdienen können und eine Arbeit haben, die uns mehr Spaß macht. Und was auch sehr wichtig ist, ist, dass es auch Nachrichten in leichter Sprache, auch in der Tagesschau,geben muss. Und deswegen haben wir gesagt, dass wir dafür eine Petition starten und fordern, dass es jeden Tag Nachrichten in leichter Sprache gibt. Die Petition heißt “Nachrichten in leichter Sprache”

 

Haben Sie eine bestimmte Zielgruppe, die Sie mit ihren Posts erreichen wollen?

 

Ja, also mit meinen Instagram-Posts möchte ich sehr viele Leute erreichen und ich finde es auch deswegen gut, dass die Leute sie durchlesen und mir auch gute Kommentare schreiben. Weil dort sieht man, dass Menschen mit Downsyndrom auch ein cooles Leben haben und auch cool drauf sind. Und deswegen ist es mir wichtig, dass mehr Menschen mit Behinderung in den Medien gesehen werden. 

 

Welche Person hat Sie in Ihrem Leben am meisten beeinflusst? Haben Sie Vorbilder oder jemanden, der Sie zu Ihrem heutigen Weg inspiriert hat?

 

Ja, ich kenne die Ninia Lagrande und die kämpft auch für Inklusion. Und ich kenne auch den Raul Krauthausen,der setzt sich auch stark für Menschen mit Behinderung und für die Inklusion ein. 

 

Sie haben ja eine Gesamtschule besucht. Wie hat dort die Inklusion funktioniert? Was war gut? Was könnte besser sein?

Ja, also ich wurde auf jeden Fall in einer inklusiven Schule eingeschult und das ist auch gut, weil ich habe von dort auch einen guten Kumpel,er heißt Jan Grünig. Und ich habe da noch einen guten Schulfreund kennengelernt,der hieß David Reinle. Der ist aber leider schon gestorben. 

 

Sie wurden für Ihre Frage an Frau Merkel mit dem Bobby ausgezeichnet. Wie war das für Sie, einen Preis zu bekommen? Wie haben Sie sich gefühlt?

 

Ja, ich finde das sehr gut, weil ich mir den Preis auch wegen meiner Arbeit als Aktivistin auch verdient habe. Und da hatte ich ein gutes Gefühl dabei. Und das ist schon eine große Ehre für mich. 

 

Das gesamte Interview kannst du dir hier anschauen.

 

Das Interview führten Minh Ngo und Georgia Leontopoulou.

Ein großes Dankeschön an beide, dass sie sich die Zeit genommen haben, mit uns zu sprechen und uns einen Einblick in ihre Arbeit und ihr Leben zu geben. 

 

Was haltet ihr von diesen beiden Influencerinnen? WIe würdet ihr das Bild beeinflussen wollen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen! Welche Themen interessieren euch? Lasst es uns in den Kommentaren wissen! Hier findet ihr einen Artikel zum Thema Influencer im Unterricht.