Zum diesjährigen Tag der Bildung beschäftigen wir uns mit der Thematik Chancengleichheit in der Bildung und was die soziale Herkunft damit zu tun hat. Oft hört man von diversen Statistiken, die besagen, dass die soziale Herkunft eines Menschen die Chancen in der Schule, Ausbildung und Studium beeinflusst. Nachfolgend setzt sich dieser Artikel damit auseinander, ob diese Behauptung stimmt.

Chancengleichheit  – was bedeutet das eigentlich?

Im Duden steht(https://www.duden.de/rechtschreibung/Chancengleichheit) hierzu: „Gleiche Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für alle ohne Rücksicht auf Herkunft und soziale Verhältnisse“. Das heißt, dass alle Bürger:innen die gleiche Chance haben sollen, möglichst viel aus ihrem Leben zu machen. Niemand soll aufgrund seiner sozialen Herkunft, seines Geschlechts, seiner Hautfarbe, seiner Religionszugehörigkeit im Vor- oder Nachteil sein. Das klingt nur gerecht und sollte idealerweise auch auf diese Weise ablaufen. Ob dies aber wirklich so verläuft und wie es im realen Leben dann tatsächlich aussieht, ist eine andere Frage.

Die soziale Herkunft

Tatsache ist, dass die Kinder von Eltern mit einem höheren Abschluss auch den gleichen oder einen ähnlichen Abschluss erreichen. Dementsprechend verhält es sich bei Eltern mit einem niedrigeren Bildungsabschluss. Nur knapp 15 Prozent der Erwachsenen mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Jedoch schafft fast jede:r vierte in Deutschland einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern. Vor allem in den letzten Jahren ist diese Tendenz steigend.

 

Drei Schuljahre Unterschied

Der Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) zeigt, dass Deutschland beim Thema Chancengleichheit „moderate Verbesserungen“ erzielt hat, wie es in der OECD-Studie heißt. Das klingt zunächst doch ganz gut, jedoch ist dies nicht die einzige Erkenntnis der Studie. Deutschland gehört immer noch zu den OECD-Staaten, in denen der Schulerfolg eines Kindes deutlicher vom sozioökonomischen Hintergrund abhängt als in vielen anderen Ländern, sagt Andreas Schleicher, OECD-Bildungsdirektor. Dieses Ergebnis wird deutlich, wenn man sich anschaut, wie groß der Unterschied bei den 15 jährigen Schüler:innen ist. Teilnehmer:innen der Studie, die aus sozial benachteiligten Familien kommen erreichten beim Pisa-Test 2015 in den Naturwissenschaften im Schnitt 466 Punkte. Schüler aus sozial privilegierten Familien kamen auf 569 Punkte. Das ist immerhin eine Differenz von 103 Punkten. „Das entspricht rund drei Schuljahren“, sagt Schleicher. Doch woran liegt das?

 

Die möglichen Gründe

Es fängt eigentlich bereits in den weiterführenden Schulen an. In Deutschland kann man verschiedene Schulzweige besuchen. Dies führt oft dazu, dass der weitere Berufsweg schon vorbestimmt ist. Zumindest, ob der Mensch später eine Chance hat zu studieren oder nicht. Natürlich gibt es das Abitur oder die Hochschulzulassung auf einem gesondertem Weg, doch dieser wird nicht so oft wahrgenommen. Entscheiden sich die Eltern und das Kind nach der vierten Klasse also für ein Gymnasium, ist es wahrscheinlicher, dass das Kind später sein Abitur macht und studieren geht. Zudem kommt es in der Schule schon oft nicht zu einer Durchmischung von benachteiligten und weniger benachteiligten Schüler:innen. Der Bericht zeigt, dass 46 Prozent der Schüler:innen mit sozialer und ökonomischer Benachteiligung Schulen besuchen, die viele benachteiligte Schüler:innen versammeln. Ferner spielt definitiv die finanzielle Lage des Elternhauses auch eine Rolle. Hat ein Kind beispielsweise Probleme in der Schule und bräuchte Nachhilfe, können sich das benachteiligte Eltern oft gar nicht leisten. Das Kind muss sich also mehr oder weniger alleine zurechtfinden.

kind homeschooling

 

Corona und mangelhafte Digitalisierung verschlimmern die Lage

Kinder und Jugendliche aus weniger privilegierten Familien haben aufgrund der Covid-19-Pandemie besonders starke Nachteile. Das Problem während der Schulschließungen war die Distanzlehre. Viele Familien waren/sind nicht gut digital ausgestattet und nicht jede Schule konnte/kann die nötigen Geräte ausleihen. Somit haben viele Schüler:innen den Anschluss verloren und es entstanden viele Lernlücken. Dabei muss auch kritisiert werden, dass die deutschen Schulen selbst digital mangelhaft ausgestattet sind und auch nicht immer guten Distanzunterricht bieten können.

 

 

Was getan werden kann

Es wäre sinnvoll schon im ganz jungen Alter mehr Bildungsangebote anzubieten. Diese sollten aber vor allem preislich erschwinglich sein und auch gut zugänglich. Generell könnte die Regierung mehr Hilfestellung leisten. Vor allem in Fällen, in denen das Jugendamt involviert ist. Oft bleiben Kinder in einem schädlichen Umfeld oder den Eltern wird nicht genügend Hilfestellung gewährleistet. Schulen in sogenannten “Brennpunktbezirken” sollten auch besser gefördert werden. Oft sind genau diese Schulen sehr marode, altmodisch und bieten kaum außerschulisches Programm an. Des Weiteren fehlt es immer noch oft an Lehrer:innen. Dies führt zu Überforderung der Lehrkräfte und dies führt zu schlechterem Unterricht. Es gibt also einige Punkte, die man angehen müsste. Bildung sollte für jeden zugänglich sein und das nicht nur als Idealvorstellung.

Hast Du vielleicht noch Ideen, wie man die Chancengleichheit verbessern könnte? Wie sind Deine Erfahrungen? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen. Hier findest Du einen weiteren spannenden Artikel.

Und hier kannst Du Dir den Livestream zum heutigen Aktionstag anschauen. Es wurden beispielsweise Gespräche und Diskussionen über drei Jugendforderungen geführt. Unter anderem war auch Günther Jauch an dieser Diskussion beteiligt.