Schulbetrieb nach Ostern

Quelle: https://km-bw.de/site/pbs-bw-new/get/6217557/2020%2004%2009%20Schuloeffnungen_knopfdruck_dpa_700x360.jpg

Seitdem die harten Maßnahmen des Bundes und der Länder gegen die Coronavirus-Pandemie Wirkung zu tragen scheinen, wird über die Wiederaufnahme des regulären Schulbetriebs nach der Ausgangssperre diskutiert. Diese ist erstmal bis zum 19. April angesetzt. Falls überhaupt die Wiedereröffnung der Schulen beschlossen wird, ist klar, dass der Schulbetrieb nach Ostern nur mit starken Einschränkungen und Schutzmaßnahmen wieder aufgenommen werden kann.

Doch welche Konzepte werden vorgeschlagen und wie stehen verschiedene Gruppen zu den Schulöffnungen?

Vorschläge der nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina

Die nationale Akademie der Wissenschaften, kurz auch Leopoldina, fordert in Ihrer dritten Ad-Hoc Stellungnahme mit dem Titel “Coronavirus-Pandemie – Die Krise nachhaltig überwinden” vom 13. April 2020 eine Öffnung der Bildungsbereiche Schritt für Schritt. Seit starker Verbreitung des Coronavirus in Deutschland wurden alle Bildungseinrichtungen aufgrund Ihrer hohen Kontaktdichte und der damit verbundenen Ansteckungsgefahr geschlossen. Dies soll sich nun sukzessiv ändern. Die Bildungseinrichtungen sollen schrittweise und nach Jahrgangsstufen differenziert wiedereröffnen und Prüfungen sollten auf allen Bildungsetappen ermöglicht werden. Als Zeitpunkt für die geforderten Maßnahmen fordert die Leopoldina, dass diese “so bald wie möglich” umgesetzt werden sollen. 

Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften Logo

Quelle: https://www.dw.com/image/53108307_101.jpg

Angefangen werden soll dabei mit den Grundschulen und in einem weiteren Schritt mit der Sekundarstufe I. Dabei müssen aber stets die jeweiligen Umstände und Gegebenheiten in der einzelnen Bildungseinrichtungen berücksichtigt werden. Alle Schutzmaßnahmen und Hygienevorgaben wie die Einhaltung des Sicherheitsabstands oder eventuell das Tragen von Mund-Nasen-Schutz dürfen dabei keinesfalls vernachlässigt werden. Eine weitere Voraussetzung ist, dass sich die Infektionszahlen auf einem niedrigen Niveau stabilisieren. Außerdem gelte für eine längere Übergangsphase, dass eingeschränkte, wenn auch schrittweise erweiterte Formen von Betreuung und Unterricht akzeptiert werden müssen, um das weiterhin erhebliche Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Das Angebot digitaler Unterrichtsmaterialien muss vergrößert und leicht zugänglich gemacht werden. Welches Konzept die Leopoldina für die jeweiligen Bildungseinrichtungen fordert, könnt Ihr in deren Stellungnahme ausführlich nachlesen. Die Stellungnahme findet Ihr hier.

Markus Söder Corona

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/images/markus-soeder-neujahrsansprache/25378106/1-format43.jpg

Söder sieht es anders.

Die Empfehlungen der Leopoldina treffen allerdings auf widersprüchliche Meinungen. Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder (CSU) hat sich stark von den Empfehlungen der Leopoldina distanziert. Den Vorschlag der Leopoldina Grundschulen zuerst zu öffnen, lehnte er ab. Vielmehr sollte, wenn überhaupt, über die Wiederaufnahme des Schulbetriebs für Abschlussklassen nachgedacht werden, da sich Kinder der Grundschule aufgrund Ihres jungen Alters nicht immer so sehr an die Hygienevorschriften halten können. Diese Haltung des bayerischen Ministerpräsidenten die Grundschulen nicht zuerst zu öffnen, unterstützt auch Armin Nassehi, der selbst Mitgestalter der Leopoldina-Empfehlungen war, mit seiner persönlichen Meinung und widerspricht somit in diesem Punkt dem Konzept der Leopoldina.

Auf der Ebene der Länder insgesamt vertreten allerdings nicht alle Ministerpräsidenten den Standpunkt Söders. Wie genau sich die Wiederaufnahme des Schulbetriebes gestalten wird und wann, darüber diskutieren heute – am Mittwoch dem 5.04.2020 – die Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer. (Quelle: https://www.focus.de/familie/eltern/gibt-damit-soeder-recht-widerspricht-leopoldina-top-soziologe-nassehi-gegen-schnelle-oeffnung-von-grundschulen_id_11882995.html)

Präsident Heinz-Peter-Meidinger des Deutsche Lehrerverband Schulbetrieb nach Ostern

Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/media/thumbs/e/e49509d0384aa00bad5843c91d4548abv1_max_755x425_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2.jpg?key=565dd8

Lehrerverband fordert klares Konzept.

Der deutsche Lehrerverband und deren Präsident Heinz-Peter-Meidinger fordern ein klares Konzept der Politik, um Planungssicherheit zu haben. Denn “Selbst ein schrittweises Hochfahren geht nicht von heute auf morgen. Schulen brauchen etwa eine Woche, um sich darauf vorzubereiten.” Selbst wenn man nur den Unterricht für Abschlussschüler wieder aufnehmen möchte, muss man zahlreiche Vorkehrungen treffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. So müssen beispielsweise Klassenzimmer geteilt werden, um die Abstandsregeln einzuhalten und Hygienestandards eingerichtet werden. Daneben müsse auch die Frage geklärt werden, wie man die Bildung von Gruppen im Pausenhof oder Schulbussen verhindern kann. Sowohl Lehrkräfte als auch Schüler müssen gut eingewiesen sein und ein gut durchdachtes Konzept befolgen. Risikogruppen müssen zudem vom Schulbetrieb nach Ostern ausgeschlossen werden. Dazu fehlt es allerdings noch an Informationen, denn welche Schüler, Eltern oder Lehrer an Vorerkrankungen leiden, ist im Regelfall unbekannt. Meidingers Meinung zu der zeitlichen Staffelung der Öffnung von den einzelnen Bildungseinrichtungen – wie es der Leopoldina Vorschlag empfiehlt – ist, dass diese “falsch und nicht sinnvoll” sei. Stattdessen sollte diskutiert werden, mit welchen Schülergruppen man wieder mit dem Unterricht starten kann. Vor allem auf Abschlussklassen sollte dabei geschaut werden. (Quelle: https://www.br.de/nachrichten/bayern/schule-nach-ostern-lehrerverband-bittet-um-klare-ansagen,Rw2SpR2).

Was genau heute in der Diskussion zwischen Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der einzelnen Ministerpräsidenten beschlossen wird, werden wir Euch in einem nächsten Artikel berichten.

Was haltet Ihr von dem Vorschlag der Leopoldina in Bezug auf die Wiederaufnahme des Schulbetriebes nach Ostern? Fehlt ein klares Konzept? Schreibt uns Eure Meinung in die Kommentare unter dem Artikel oder schickt uns eine E-Mail an redaktion@lehrer-news.de.