Tweedback gibt Schüler:innen die Möglichkeit, anonym in inhaltliche Debatten einzusteigen. Das lockert die Zunge – und hat interessante Effekte auf den Unterricht. Drei Fragen an die Lehrerin Julia Hastädt. 

Was ist der pädagogische Vorteil von Tweedback?

Den Vorteil sehe ich vor allem darin, dass ich meine gesamte Klasse, alle Schülerinnen und Schüler, in sehr kurzer Zeit zunächst anonym mit ihren Positionen und Statements in den Unterricht einbeziehen kann. Würde man gleich offen mit Handabstimmung arbeiten, würde einige Schüler:innen ihre Meinung nicht äußern. Beispiel: Soll das Tempolimit von 130 km/h eingeführt werden, ja oder nein? Eine kurze Abstimmung digital und anonym über das Quiz-Tool von Tweedback – und wir haben das Ergebnis sofort. Schnell kann man darüber sprechen, was die Schüler:innen bewegt hat, dieses oder jenes anzukreuzen. Würde man mit einem offenen Votum arbeiten, hätte man bei vielen Themen das Phänomen des Konformitätsdrucks: Wer meldet sich als erstes, wer gehört zu der Clique dazu, traue ich mich eine andere Position einzunehmen? Mit anonymen Voten hingegen öffnet man die Gruppe – und hat sehr schnell gute Gespräche.

Welche technischen Voraussetzungen braucht man für Tweedback?

Das Instrument ist webbasiert und datenschutzkonform. Das heißt, die einzige Voraussetzung besteht im Grunde im Internetzugang und darin, ob die Schüler:innen ein digitales Endgerät haben, egal ob Smartphone, Tablet oder Laptop. Man kann allerdings zur Unterrichtsvorbereitung ein, zwei Tage vorher den Link einer Umfrage zur Abstimmung freigeben. Dann können die Schüler:innen von zu Hause aus antworten – und man kann mit dem Ergebnis die Stunde beginnen. 

Lässt sich das Instrument auch in Präsenz einsetzen?

Tweedback lässt sich in Präsenz, aber auch im Distanzunterricht verwenden. Ich habe zum Beispiel als Sozialkundelehrerin in Vorbereitung auf die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern mit nicht wahlberechtigten Schülerinnen und Schülern eine Probewahl veranstaltet. Über die entsprechende Quiz-Funktion hat die Klasse die Erst- und Zweitstimme abgegeben. Dann haben wir geschaut, wer würde als Direktkandidat gewählt, wie viele Prozente erringen die jeweiligen Parteien bei den Zweitstimmen usw. Das heißt, mit dem Instrument kann man sehr gut eine praktische Ausgangslage herstellen, um dann vertieft in die fachwissenschaftliche Auseinandersetzung zu gehen.

Pro Tipp 

Digitale Medien sollten nur eingesetzt werden, wenn es didaktisch und pädagogisch sinnvoll ist. An diesem Tool kann man sehen, wie vielfältig die Möglichkeiten sein können – und wie viel sich erreichen lässt, wenn man eine Methode genauer kennenlernt. Ein Beispiel aus dem Sozialkundeunterricht: Wir haben Ferdinand von Schirachs „Terror – Ihr Urteil“ als Grundlage genommen, um in der Klasse zu diskutieren, ob man 164 Menschen töten darf, um 70.000 zu retten. Die Schüler:innen waren überrascht von dem Ergebnis. Dann hat die Klasse versucht, sich dazu zu positionieren. Im weiteren Verlauf haben sich die Lernenden mit den einschlägigen Paragrafen auseinandergesetzt. Wir haben auch mit Szenen aus dem Film gearbeitet. Am Ende unserer Diskussion hat die Klasse noch einmal anonym über die Frage abgestimmt. – Man kann mit dem Instrument aber auch ganz viel basteln. Wir haben darüber zum Beispiel in Zeiten von Corona eine datenschutzkonforme Anmeldung für eine Zeugnisausgabe organisiert – mit allen nötigen Informationen.

Kritik

Es gibt eine Funktion von Tweedback, die man kritisch sehen kann. Um an einer Umfrage teilzunehmen, füllt man eine vierstellige ID aus. Vertippt man sich bei diesen vier Zeichen, kann es sein, dass man in einer Session in einem ganz anderen Teil Deutschlands landet. Dennoch bin ich überzeugt: Tweedback ist ein unterschätztes digitales Instrument für den Unterricht. 

Julia Hastädt unterrichtet Sozialkunde und Geschichte am John-Brinckman-Gymnasium in Güstrow und twittert als @Medien_Lehrerin.

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