Anfang des Monats hat das Hochschulforum Digitalisierung zum Dialog beim University Future Festival 2020 über die Digitalisierung an den deutschen Hochschulen eingeladen. Von Dienstag bis Donnerstag kamen Lehrdidaktikerinnen,
Digitalisierungsexperten, Dozierende und Studierende virtuell zusammen. Im Mittelpunkt stand die
stattfindende Disruption der Wissensvermittlung, der Erfahrungsaustausch über das abgeschlossene
Sommersemester, aber auch die Ausgestaltung der post-COVID19 Zeit

Ein erfolgreiches Semester

Semesterferien – eine Zeit für Lehrende das vergangene Semester zu reflektieren. Ein Semester in
dem (teilweise wortwörtlich) am Tag vor dem Semesterstart das erprobte Konzept der Präsenzlehre
unpassend war und innerhalb kürzester Zeit das Experiment „digitale Lehre“ in voller Kohortengröße
notwendig wurde. Vorlesungen, die um 04.00 Uhr (New York), um 09.00 Uhr (München) und um
17.00 Uhr (Shanghai), stattfinden und internationale Studierende zu unkonventionellen Studienzeiten
gezwungen hat. Auf der anderen Seite steht ein erfolgreiches Semester, indem 85% der Vorlesungen
und Praktika realisiert werden konnten und gegenerwarten die Studierbarkeit größtenteils mehr als
erhalten wurde.

Austausch von Best Practices beim University Future Festival

Das University Future Festival schafft jährlich einen Raum für den Austausch von Best Practices und
der persönlichen Vernetzung. An den drei unterschiedlichen Tage wurde die Möglichkeit für
Diskussionen (erster Tag), internationalen Input aus der Wissenschaft und hochschulpolitische und
gesellschaftspolitische Stimmen (zweiter Tag) und abschließen der Workshop Day an dem
gemeinsam Herausforderungen gelöst wurden, geschaffen. Im Vordergrund stand die Fragestellung
nach dem „New Normal“, Keynote Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung),
infolge und nach der COVID19-Krise, sowie die vielen Herausforderungen, die auf die Hochschulen im
letzten halben Jahr zukamen. 

Angefangen bei der Frage „Welche virtuelle Lehre brauchen wir?“ (Keynote von Peter-Andre Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferen), über „Hybrid-Flexible Learning
Environments“(Forschungsvortrag Brian Betty ,Professor an der San Francisco State University) hin zu
„Wie kann man künstliche Intelligenz an Musikhochschulen einsetzen?“ wurde die Zukunft, in über
100 Sessions diskutiert. Neben den Themen der Lehrdidaktik besetzten auch praktische Themen, wie
etwa die Auswahl des besten Tools zur Umsetzung von digitaler Lehre oder die Integration von neuen
Studierenden in die Universitätsfamilie einen signifikanten Teil des Programmes.
Und der Bezug zur Bildung an der Schule? Das Ziel Wissen zu vermitteln ist das gleiche, sowohl an der
Schule als auch beim großen Bruder, der Hochschule. Die Kohorten sind teilweise größer, vielleicht ist
die technische Ausstattung besser und die Schüler reifer. Aber sind das die Gründe warum die Lehre
an den Hochschulen während COVID-19 (meist) besser funktioniert hat? Ich glaube nicht. Ich glaube,
dass die so verhasste „Freiheit der Lehre“ den größten Beitrag geleistet hat. An einer Universität ist
jeder Lehrstuhl für den Lehrinhalt und die Didaktik eigenverantwortlich. Es gibt keine übergeordnete
Instanz, die Regeln aufstellt. Die Gruppe an schlauen Leuten, die sich mit Lehrkonzepten
auseinandersetzt ist größer als an den Schulen und allein aus statistischer Sicht erhöht sich die
Wahrscheinlichkeit von guten Kursen. Löst man zusätzlich die Herausforderung Kommunikation,
entwickelt die Qualität der Lehre eine Eigendynamik und bringt Ideen hervor, die sich auf alle
Schularten übertragen lassen.

Ein Beitrag von ZDB – Projektstudent (Technologie- und Managementorientierte Betriebswirtschaftslehre,
Technische Universität München)
Jürgen Schiffer