Am ersten und zweiten April luden die deutsche Telekom-Stiftung und die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche zum Medienkompetenz-Kongress nach Berlin ein. Der Kongress hat Interessierte aus den Bereichen Journalismus, Wissenschaft, Landesmedienanstalten und Bildungseinrichtungen versammelt, die sich gemeinsam mit der Vermittlung von Medienkompetenz auseinandergesetzt haben. Auch die Initiative “Journalismus macht Schule” hat dieses Jahr vor Ort in Berlin teilgenommen. Lehrer-News möchte berichten, was auf die Interessierten auf diesem Kongress diskutiert haben und an welchen Themen sich die Initiative beteiligt hat.

Wie die Initiative Medienkompetenz fördern möchte

Vor knapp zwei Jahren haben sich mehrere Medien und Bildungsorganisationen zum bundesweiten Bündnis “Journalismus macht Schule”, kurz JmS, zusammengeschlossen.  Lehrer-News hat bereits Anfang März über diese Initiative berichtet. Bedingt durch die Corona-Krise, die noch einmal eindringlich gezeigt hat, wie wichtig es ist, Informationen von Falschnachrichten unterscheiden zu können, will JmS das Erkennen von Desinformationen vermitteln. Auch und gerade im Kontext des Kriegs in der Ukraine erscheint der Erwerb von Recherchekompetenzen wichtiger denn je.

Im Mittelpunkt dieser Initiative steht die Vermittlung der Medienkompetenz an Schulen. So trägt JmS schon seit Jahren mit Tipps und Tools für den Schulunterricht beim Medienwissen und der Vermittlung praktischer Kenntnisse bei. 

Die Initiative JmS wies auf dem Medienkompetenz-Kongress vorwiegend auf die Vermittlung der Medienkompetenz bei Schüler:innen und Lehramtsstudent:innen hin. Darüber hinaus wurde jedoch auch großen Wert auf die Diskussion der Vermittlung bei Eltern und Senioren gelegt. Denn “die meisten gehen ja nicht in die Schule”, so Telekom-Stiftung Vorsitzender Thomas de Maizière, der als Gastgeber bei diesem Kongress fungierte.

Medienkompetenz als Schulfach fördern?

Bereits auf vergangenen Konferenzen wurde die Möglichkeit diskutiert, Medienkompetenz zu einem Schulfach zu entwickeln. So hatte zum Beispiel Carsten Brosda, Hamburger Senator für Kultur und Medien, bereits 2013 einen Medienpass entwickelt, der als Informationsstelle für Eltern und Schüler:innen im kompetenten Umgang mit Medien dient. Die Debatte hat jedoch gezeigt, dass die Einführung eines solchen Schulfaches alles andere als einfach ist. Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst erklärte, dass sich die Kultusministerkonferenz die Vermittlung von “Nachrichtenkompetenz” für Schüler:innen bereits seit 2016 als Ziel festgeschrieben hat. Wie Kerstin Schröter, Journalistin und Vorsitzende bei JmS betonte, liege das Problem bei der Umsetzung dieses Schulfaches vor allem am fehlenden Engagement der einzelnen Lehrkräfte und Schulleiter:innen. JmS zogen zu diesem Thema bereits im Sommer letzten Jahres im Rahmen ihrer Schulaktionswoche Bilanz und berichteten, dass der Erfolg der Vermittlung von Medienkompetenzen an Schulen zu einem großen Teil von engagierten Lehrkräften abhängig wäre. 

Bildungsjournalist Armin Himmelrath warf in den Raum, dass die Etablierung dieses Schulfaches somit eine “Glückssache” sei, da erfahrungsgemäß immer dieselben Schulen und vor allem nur Gymnasien an solchen Workshops zur Medienkompetenz, wie JmS sie zum Beispiel anbietet, teilnehmen. Seitens der Lehrkräfte wurde dargelegt, dass Schulen mit der Bildung von Demokratie bereits überfordert seien und Lehrkräfte ressourcenmäßig für andere Themen alleine gelassen werden.  

Person hält eine Zeitung hoch vor das Gesicht, auf der Zeitung steht “Fake News”.

Ukraine-Krieg im Mittelpunkt der Medienkompetenz

Aktuell würde jedoch gerade der Krieg in der Ukraine ein gutes Beispiel für Schüler:innen darstellen, wie mit Fehlinformationen, auch Fake-News genannt, auf digitalen Plattformen umgegangen werden kann. So wurde zunächst generell darüber gesprochen, wie Journalist:innen transparenter und dialogorientierter mit Nachrichten über Kriegsgeschehen umgehen sollten. Vor allem wurde jedoch über die Gefahr von Fehlinformationen auf Plattformen wie Tik Tok diskutiert, die mehrheitlich von Schüler:innen genutzt wird. Lehrer:innen und Journalist:innen müssten sich mehr mit diesen Plattformen auseinandersetzen, um Schüler:innen einen geeigneten Umgang mit Falschnachrichten auf eben diesen Plattformen vermitteln zu können. Die Debatte auf dem Kongress hat somit gezeigt: die Etablierung der Medienkompetenz als Schulfach an deutschen Schulen scheint zunächst eher unwahrscheinlich. Ob die Einführung in Zukunft möglich gemacht werden kann, ist ebenfalls fraglich und von vielen Faktoren abhängig.

Wie steht ihr zu der Einführung von  Medienkompetenz als Schulfach? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.