Mit Videospielen zum Lernen haben wir uns bei Lehrer-News bereits des Öfteren beschäftigt und Euch sogar eine Vielzahl an Spielen vorgestellt, die im Unterricht integriert werden können. Ihre pädagogischen Einsatzmöglichkeiten werden auch in Deutschland immer stärker erkannt. Sogar der E-Sport hat es schon an deutsche Schulen geschafft. Dabei soll er unter anderem hilfreich bei der Entwicklung von Medienkompetenzen sein, welche in unserer heutigen Zeit immer wichtiger werden.

E-Sport ist im Grunde eine elektronische Sportart, bei der einzelne Spieler:innen oder ganze Teams in einem Multiplayer-Videospiel gegeneinander antreten. Ähnlich wie beim Fußball oder Basketball gibt es riesige globale Turniere, an denen professionelle Spieler:innen aus allen Nationen teilnehmen. Die Zuschauerzahlen für solche Events gehen bis in die 100 Millionen

Anzahl der E-Sport-Zuschauer weltweit in den Jahren 2019 und 2020 und Prognosen für 2021 und 2024 (in Millionen)

Lesekompetenz Aufgabe PISA

Was hält der eSport-Bund Deutschlands von E-Sport und Videospielen in Schulen?

Aufgrund der immer größer werdenden Beliebtheit von E-Sport, so wie den möglichen Nutzen den Schüler:innen aus ihm ziehen könnten, haben wir uns darüber erkundigt, was Vertreter:innen von E-Sport-Vereinen, eigentlich über E-Sport oder im generellen Videospiele an Schulen denken. Per E-Mail stellten wir dem eSport-Bund Deutschlands e.V. (ESBD) ein paar Fragen, welche uns der ESBD freundlicherweise beantwortet hat. 

Lehrer-News: Uns interessiert, ob Sie als E-Sport-Verein einen Nutzen beziehungsweise  eine Verwendung von Videospielen in Schulen als sinnvoll ansehen. Haben Sie vielleicht auch konkrete Ideen, wie Videospiele genutzt werden könnten.

ESBD: Hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Videospiele in Schulen Verwendung finden können. Neben den immer weiter verbreiteten Serious Games und dem Einsatz einzelner Spiele bspw. im Geschichtsunterricht, bieten E-Sport Titel die Möglichkeit digitale Kompetenzen aufzubauen, positiven Einfluss auf das Nutzungsverhalten zu nehmen und mit Hilfe des kompetitiven Charakters Persönlichkeiten und Team-Gefüge innerhalb von Klassen und Schulen zu entwickeln. 

Hierzu bietet sich beispielsweise die Teilnahme an speziell für Schulen konzipierten Schulmeisterschaften an, ebenso wie der Aufbau einer E-Sport AG, die unter der Führung von Trainern Struktur in das Spielverhalten der Jugendlichen und Kinder bringen kann. In den Bereichen Inklusion und Integration verfolgt das Team des Landeszentrums für E-Sport und Digitalisierung Schleswig-Holstein aktuell zwei Projekte, bei denen verschiedene Teilnehmer unter fachkundiger Anleitung gemeinsam E-Sport Titel trainieren und so Grenzen überwunden werden können. Ein weiterer Ansatz bietet sich in der Organisation von E-Sport-Aktivitäten innerhalb eines Schul-Kosmos. So hat das Gymnasium Laucha ein eigenes Rocket League Turnier ausgespielt, welches maßgeblich von den Schülern selbst vorangetrieben wurde.
Aus unserer Sicht ist der verantwortungsvolle und strukturierte Umgang mit Videospielen im Schulkontext daher als absolut sinnvoll anzusehen.

Lehrer-News: Könnten Sie sich vorstellen, ob E-Sport-Teams an Schulen ähnlich wie Sport-Teams einen Platz haben, wenn es um Teamarbeit und Kommunikation geht?

ESBD: Absolut. Schon heute sind an einigen Schulen E-Sport-Teams und AG’s im Aufbau oder im Betrieb. Zudem ist im universitären Kontext mit der Uni-Liga ein etabliertes Wettbewerbssystem entstanden. Da ein großer Teil der Jugendlichen und Kinder ohnehin spielt, ist der Gedanke einer Strukturierung und Begleitung der Aktivitäten nicht nur für Schüler, sondern auch für videospielinteressierte Lehrkräfte spannend. In Dänemark und anderen skandinavischen Ländern ist diese Art von Teams heute schon ein Bestandteil des Angebots von Schulen. Perspektivisch sind auch Wettbewerbe an und unter Schulen in Form von Offline-Turnieren denkbar, die einen intensiven Aufbau digitaler Kompetenz aller Beteiligten mit sich bringen würden.

Lesekompetenz Aufgabe PISA

Lehrer-News: Was halten Sie von Lehrkräften und Eltern, die Videospiele als schädlich für Kinder ansehen und dem Medium am liebsten komplett aus dem Weg gehen würden? Sind deren Sorgen begründet?

ESBD: Grundsätzlich kann ich, auch als Vater eines 13-jährigen Sohnes, die Sorgen nachvollziehen. Zugleich ist die Realität jedoch, dass ein großer Teil aller Jugendlichen und Kinder Videospiele für sich entdeckt hat oder im Umfeld damit in Berührung kommt. So sind Verbote aus unserer Sicht nicht der richtige Weg und das digitale Spiel wird auch auf absehbare Zeit nicht an Attraktivität verlieren.

Viel mehr wäre es wünschenswert einen gemeinsamen und positiven Umgang mit dem Medium zu finden. Die Beschäftigung mit dem Hobby Videospiel und der Faszination E-Sport kann Generationen verbinden. Hierzu ist jedoch eine offene Auseinandersetzung notwendig, die vorurteilsfrei geführt wird. Auch ist es notwendig bei Lehrpersonal und Eltern Wissen für einen verantwortungsvollen Umgang aufzubauen. Wie bei jedem anderen Medium auch, bestehen bei einer unreflektierten Nutzung Gefahren, die jedoch der richtigen Struktur und Fokussierung minimiert und in Chancen umgewandelt werden können.  

Was hältst Du von dem Thema E-Sport in Schulen? Schreib Deine Meinung gerne in die Kommentare. Sollten Dich Videospiele, die zum Lernen genutzt werden können, interessieren, schau doch gerne einmal hier vorbei und wenn Du mehr zum Thema Gamification im Unterricht wissen willst, ist vielleicht dieser Lehrer-News Artikel genau das Richtige.