In knapp einem Monat finden die Bundestagswahlen statt. Höchste Zeit, um mal einen Blick in die Wahlprogramme der Parteien zu werfen. Wir haben heute für Euch zusammengetragen, was die Pläne der Parteien zu den Themen Bildung und Digitalisierung sind.

SPD plant „Gigabit-Gesellschaft“ bis 2030

Ziel der SPD ist es, eine digitale Infrastruktur bis 2030 zu etablieren, die eine vollständig digitalisierte Verwaltung sowie ein durchgängig digitalisiertes Bildungssystem mit umfasst. Dazu gehört für die Sozialdemokraten die Versorgung aller Haushalte und Unternehmen mit leistungsstarkem Internet, was mindestens einem Gigabit pro Sekunde entspricht. Über einen Sozialtarif sollen auch Bürger:innen mit geringem Einkommen uneingeschränkten Zugang zum Netz erhalten.

In Sachen digitaler Bildung setzt die SPD auf die bereits durch den DigitalPakt initiierte, bundesweite Open-Source Plattform, die aktuell entwickelt wird. Damit verbunden soll die Entwicklung datenschutzkonformer, intelligenter Lehr- und Lernsoftware sein, um eine entsprechende Qualitätssicherung der auf der Plattform eingestellten Medien gewährleisten zu können. Darüber hinaus fordert die Partei ein Modernisierungsprogramm für Schulsanierungen und digitale Ausstattung sowie den Zugang zu einem Laptop oder Tablet für alle Schüler:innen.

Digitales Lernen sieht die SPD als wichtigen Bestandteil der Persönlichkeitsbildung und der Förderung sozialer Kompetenzen. Daher soll die Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte stark in den Fokus rücken: so genannte bundesweite Kompetenzzentren zur Fortbildung von Lehrkräften sollen diese unterstützen. Darüber hinaus sollen Volkshochschulen durch ein Förderprogramm des Bundes unterstützt werden, um digitale Bildung für alle Bürger:innen zu ermöglichen.

CDU: Plattformen aufbauen, vernetzen, verfügbar machen

Die Idee von bundesweiten Bildungskompetenzzentren taucht auch im Wahlprogramm der Union auf. Als Zweck dieser Zentren wird hier die Vernetzung der Forschungsinstitute und Lehrerfortbildungseinrichtungen einzelner Länder, sowie die praktische Nutzung der dort gewonnenen Erkenntnisse genannt. Bestehende und neue Bildungsplattformen sollen zu einem bundesweiten und europäisch anschlussfähigen Plattform-System zusammengeführt werden, um allen Bürger:innen den Zugang zu digital gestützten Bildungsangeboten zu ermöglichen. Um dieses Vorhaben umzusetzen, will die Union vorerst 150 Mio. Euro dafür zur Verfügung stellen.

Bis 2025 soll ganz Deutschland mit Glasfaserleitungen und 5G ausgestattet werden. Zudem halten die christlichen Demokraten ein Ministerium für Digitalisierung für sinnvoll. Digitale Kompetenzen, die neben Medienkompetenz auch ein technisches und informatisches Grundverständnis beinhalten, sollen im Unterricht behandelt werden. Auch bei der Union spielen die Volkshochschulen eine Rolle: Sie sollen den Wandel von der analogen zur digitalen Welt begleiten und unterstützen. Gegen Cybermobbing müsse aktiv vorgegangen werden, heißt es darüber hinaus im Wahlprogramm der CDU. Wie genau, wird allerdings nicht weiter beschrieben.

Corona-Rettungsschirm für Kinder und Jugendliche: Das fordern die Grünen

„Wir haben verankert, dass jedes Kind ein Recht auf Bildung hat – da muss die Bundesebene stärker einsteigen“, hatte Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock erst kürzlich erklärt. Die Grünen wollen genau wie die SPD, dass alle Schüler:innen Zugang zu einem Laptop oder einem Tablet erhalten. Darüber hinaus fordern sie, einen „individuellen Rechtsanspruch für jedes Grundschulkind auf Ganztagsbildung“ umzusetzen. Im Rahmen eines Corona-Rettungsschirms sollen Sport-, Erlebnis-, und Kulturangebote für Kinder und Jugendliche ausgebaut, das Wissen zur psychischen Gesundheit und Krisen an Schulen besser verbreitet und vermittelt werden.

Neben dem Posten eines hauptberuflichen Administrators an Schulen, der sich um alle digitalen Belange und deren Verwaltung kümmern soll, setzen sich die Grünen zudem für die Umsetzung des Rechts auf Löschung personenbezogener Daten für Kinder ein. In so genannten „multiprofessionellen Teams“ sollen Schulpsycholog:innen, Sozialarbeiter:innen und digital geschulte Lehrkräfte gemeinsam agieren. Sichere Lernplattformen und Videokonferenzsysteme sollen gefördert und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte in den Fokus genommen werden.

Übersicht der Parteilogos mit entsprechenden Wahlkampfslogans

Linke plant Gemeinschaftsschulen für mehr Bildungsgerechtigkeit

Dem Problem des Lehrkräftemangels möchte die Linke entgegentreten und fordert hier eine entsprechende Offensive von Seiten des Bundes. Schulgebäude sollen flächendeckend saniert und so auch inklusiver gestaltet werden. Das Kooperationsverbot, welches die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen behindert, will die Partei aufheben. Bildungsgerechtigkeit ist den Linken sehr wichtig: neben einem kostenfreien Leihgerät in Form eines Laptops oder Tablets, sowie einem Drucker und kostenfreiem Internetzugang für alle Schüler:innen möchte die Partei Hausaufgaben und die alten Schulformen abschaffen. Stattdessen sollen Gemeinschaftsschulen etabliert werden, die alle bisherigen Schulabschlüsse anbietet. Auch sie wollen entsprechendes Fachpersonal an den Schulen einsetzen, welches sich einzig und allein um die IT kümmert. Die zu wartende Infrastruktur soll Breitbandanschlüsse, WLAN sowie entsprechend ausgestattete Lern- und Arbeitsräume für die gesamte Schule beinhalten.

Der Glasfaserausbau ist ebenfalls im Wahlprogramm der Linkspartei verankert. Ein Anschluss soll in allen Wohnungen möglich sein und an ein einheitliches Mobilfunknetz angeschlossen werden, so dass die Netze aus öffentlicher Hand betrieben werden. 10 Milliarden Euro sind hierfür jährlich vorgesehen.

AfD hält digitale Bildung erst nach der Grundschule für sinnvoll

Die Pläne der AfD bezüglich digitaler Bildung sind recht überschaubar: digitale Bildung soll nur dort zum Einsatz kommen, wo sie sinnvoll ist – und damit laut Parteiprogramm in den ersten vier Schuljahren gar nicht stattfinden, um sich dort auf das Unterrichten von Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu konzentrieren. Eine zeitgemäße IT-Ausstattung sei vor allem für den Informatikunterricht und die Berufsausbildung technischer Berufe notwendig.

Am mehrgliedrigen Schulsystem will die AfD festhalten, ebenso wie an der Erhaltung von Sonder- und Förderschulen. Zugewanderte Schüler:innen sollen auf eine mögliche Rückkehr in ihr Heimatland vorbereitet und bei mangelnden Deutschkenntnissen vom Klassenverband getrennt in ihrer Muttersprache unterrichtet werden; Islamunterricht soll nicht länger stattfinden.

FDP fordert DigitalPakt 2.0

Die Freien Demokraten sprechen sich für einen Glasfaserausbau und 5G bis 2025, sowie für ein Ministerium für Digitalisierung aus. Zudem schlagen sie vor, einen Prozentpunkt des bestehenden Mehrwertsteueraufkommens in die Bildung zu investieren – was jährlich etwa 2,4 Milliarden Euro entspräche und in einem Staatsvertrag verpflichtend festgelegt werden soll. Abschlussprüfungen für die mittlere Reife und das Abitur sollen bundesweit vereinheitlicht werden. Die Schulen sollen durch ein eigenes Finanzbudget autonomer agieren und ihren Unterricht freier gestalten können, um den individuellen Bedürfnissen der Schüler:innen besser entsprechen zu können.

Der DigitalPakt soll in eine zweite Runde gehen: Die FDP fordert einen DigitalPakt 2.0, der die Möglichkeiten zur Kooperation zwischen Bund und Ländern vollständig ausschöpft. Neben technischen Geräten, will die Partei in IT-Administrator:innen,  Dienstgeräte für Lehrkräfte und Fortbildungen investieren. Ziel ist es, digitales Lernen im Präsenzunterricht zu etablieren und nicht nur auf das Distanzlernen zu beschränken.

Habt ihr eure Wahl bereits getroffen? Hier könnt ihr euch die Wahlprogramme der Parteien noch mal im Detail ansehen. Was sagt ihr zu den Plänen der Parteien in Sachen Bildung und Digitalisierung? Teilt es uns gern in den Kommentaren mit. In diesem Artikel könnt ihr lesen, wie die Zwischenbilanz zum DigitalPakt aussieht.