Mobbing an Schulen ist leider immer noch weit verbreitet. Was Lehrkräfte tun können und welche Schäden durch Mobbing entstehen, hat Euch Lehrer News bereits präsentiert. Meistens geht das Mobbing nicht nur von einer Person aus, sondern von mehreren. Trotz dessen gibt es meisten einen oder eine Haupttäter:in. Dieser Artikel beschäftigt sich mit Mobbing-Täter:innen und warum ihr Verhalten gezielt darauf absieht, jemanden zu verletzen. Außerdem soll dieser Beitrag erklären, wie es zu Situationen kommt, in denen eine Person Opfer von Mobbing wird.

Wen suchen sich die Mobbing-Täter:innen als Opfer aus?

Die Mobbing-Täter:innen suchen sich ihre Opfer häufig nach bestimmten physischen oder psychischen Eigenschaften oder Verhaltensweisen aus. Ein Kind kann dicker, dünner, besser oder schlechter in der Schule sein, viel lernen oder bestimmte Hobbys haben. All das könnten Gründe sein, warum sie von Mobbing-Täter:innen ausgesucht wurden. Wenn bestimmte Merkmale konzentriert oder kombiniert auftreten, die etwas ungewöhnlich zu sein sind und sich von der Mehrheit der Gruppe unterscheiden, wird die betroffene Person häufig als Mobbing-Opfer auserkoren, besonders dann, wenn der Schüler oder die Schülerin nicht besonders selbstbewusst damit umgeht. Oft werden diejenigen angegriffen, die Mobbing-Täter:innen als fremd oder als anders erscheinen. Deshalb werden Schüler:innen häufig aufgrund von Nationalität, Aussehen, Kultur, Sprache, Kleider oder Religion, den materiellen oder familiären Umstände, als Opfer ausgesucht, ebenso wie LGBTQIA+-Schüler:innen. Auch Schüler:innen, die neu zur Klasse hinzukommen, werden oft schikaniert, da sie häufig noch keine sozialen Kontakte beziehungsweise Freunde in ihrer Klasse haben, die sich für sie einsetzten, könnten. Dasselbe gilt auch für Kinder, die Schwierigkeiten haben mit sozialen Beziehungen. In der Realität entspricht jede Person in bestimmten Bereichen nicht der Norm, weshalb auch jede Person, Mobbing zum Opfer fallen kann. Es reicht aus das falsch zu sagen oder am falschen Ort zur falschen Zeit zu sein. Die Schuld liegt niemals bei den Opfern, sondern bei den Mobbing-Täter:innen.

Zusehen sind mehrere Schüler, die auf einen einzelnen Schüler zeigen und dabei lachen.

Wer sind die Mobbing-Täter:innen?

Oft geht es den Mobbing-Täter:innen darum, ihren sozialen Status zu festigen beziehungsweise zu erhöhen. „Der Täter will dem Opfer nicht um des Schadens willen schaden; er braucht das Opfer, er instrumentalisiert eine Person, um die eigene Position in der Gruppe zu stärken, um an Status zu gewinnen“, sagt die Privatdozentin für Entwicklungspsychologie Mechthild Schäfer von der LMU München. Mobbing-Täter:innen wollen in den meisten Fällen ihre Macht und Überlegenheit möglichst sichtbar öffentlich und auch im Internet demonstrieren, in dem sie schwächere Mitschüler:innen demütigen. Die Täter:innen werden auch leider häufig von ihrem Umfeld als Anführer:in wahrgenommen, akzeptiert und bewundert. So beeinflussen sie die Gruppen oder die ganze Klassengemeinschaft negativ und stiften auch ihre Mitschüler:innen dazu an, Mittäter oder Mittäterinnen zu werden.

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Woher kommt dieses Verhalten?

Es ist schwierig, genaue Gründe für das Verhalten von Mobbing-Täter:innen zu bestimmen. Es wird jedoch angenommen, dass die Ursache für dieses Verhalten oft mit den Familienbedingungen der Täter:innen zusammenhängen kann. Häufig fehlt es an liebevollem Umgang miteinander und an Anteilnahme am Leben des Kindes, was das Risiko zu einem aggressiven und feindlichen Verhalten erhöht. Häufig beobachtet wurde auch, dass in den Familien von Mobbing-Täter:innen es zu körperlichen Züchtigungen und heftigen Gefühlsausbrüchen kommt. Auch werden die Täter:innen öfters Zeugen oder Zeuginnen von Gewalt zwischen den Eltern. Das aggressive und empathielose Verhalten wird dementsprechend von zu Hause übernommen. So kann es passieren, dass das Kind den Umgang mit Konflikten oder Meinungsverschiedenheiten nicht erlernt und deshalb keine oder nur sehr beschränkte Möglichkeiten kennt, die zur Bewältigung eines Konfliktes ohne Gewalt und/oder Aggressionen dienen können. Das schlechte und unsoziale Verhalten wird auch dann durch die Erziehungsberechtigten verstärkt beziehungsweise ermöglicht, wenn diese ihrem Kind keine oder kaum Grenzen aufzeigen, wenn diese sich aggressiv gegenüber anderen verhalten. Darüber hinaus verharmlosen Eltern das aggressive Verhalten ihrer Kinder. Oft fallen dann auch geschlechterrollenspezifische Aussagen, wie „So sind Jungs eben“. So lernt das Kind nicht, dass Schäden bei anderen Personen entstehen, wenn sie diese schikanieren.

Zusehen ist ein weinendes Kind auf einem Stuhl und zwei Schatten von streitenden Personen.

Was das Verhalten von Mobbing-Täter:innen auch verstärkt, sind negative Vorbilder in Cliquen oder im Freundes- oder Bekanntenkreis. Wenn das aggressive oder unsoziale Verhalten eines älteren Freundes oder einer älteren Freundin als cool oder bewundernswert bewertet wird, kann dieses zum Nachahmen anstiften. Generell lernen Kinder durch Imitation, was bedeutet, dass auch der ausgeprägte Konsum von Medien mit gewalttätigen Inhalten zu stärkerem aggressiven Benehmen führen kann.

Mobbing-Täter:innen brauchen klare Grenzen

Mobbing ist ein ernstes Problem. Wenn jemand betroffen ist, muss der Person geholfen werden. Das bedeutet nicht, dass sie schwach ist, sondern lediglich, dass sie Unterstützung in einer schwierigen Situation braucht. Niemand kommt jederzeit ohne Hilfe aus. Die Schuld bei den Opfern zu suchen ist schädlich. Deshalb sollte der Untersuchungsschwerpunkt zum Thema Mobbing darin liegen, es zu verhindern, dass jemand Mobbing-Täter:in wird. Eltern müssen ihren Kindern frühzeitig Grenzen aufzeigen, wenn es sich aggressiv oder sogar gewalttätig gegenüber anderen verhält. Sollte das Kind besonders auffällig sein, sollten Eltern auch ihr eigenes Verhalten hinterfragen, denn Kinder lernen eben, indem sie ihre Eltern imitieren. Auch das Schulpersonal muss einschreiten, wenn sie Mobbing bemerken und dürfen dies nicht ignorieren. Hier müssen klare Grenzen gesetzt werden, damit Mobbing-Täter:innen sehen, dass dieses Verhalten nicht geduldet wird und Konsequenzen nach sich zieht.

Trotz der großen Schäden, die das Mobbing anrichten kann, sollten Kinder, die dieses Benehmen zeigen, nicht ihr Leben lang als Mobbing-Täter:in abgestempelt werden. Vielmehr sollte ihnen die Chance und die Unterstützung gegeben werden, ihr Verhalten zu ändern und versuchen ihnen ihr Fehlverhalten aufzuzeigen.

Habt Ihr schon einmal Erfahrungen mit Mobbing-Täter:innen, oder sogar schon mal mit Mobbing-Täter:innen, die ihr Verhalten gebessert haben, gemacht? Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr uns Eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren mitteilen.