Mobbing kommt in Schulen leider immer noch zu häufig vor. So waren in Deutschland im Jahr 2018 mehr als 20 Prozent der 15-jährigen Schüler:innen Opfer von Mobbing an ihren Schulen, wie Lehrer News bereits im Artikel vom Vortag berichtete. Aber was passiert eigentlich mit den Mobbing-Opfern? Welche Auswirkungen hat das Mobbing auf sie? Mobbing selbst mag zwar keine Krankheit sein, es kann aber sehr wohl krank machen. Sogar Jahre später können Betroffenen noch unter den Folgen leiden, die sowohl ihren Körper als auch ihren Geist beeinträchtigen.

Welche Krankheiten können entstehen?

Für Mobbing-Opfer ist Mobbing eine schwere Krise, die ähnlich stark empfunden wird, wie ein tief sitzendes Trauma, welches durch einen Raubüberfall oder einen schweren Unfall verursacht wurde. Außerdem ist für betroffene Personen die Verarbeitung der Krisensituation besonders schwer, da sie mit jeder neuen Mobbingaktion wieder in den Krisenzustand hineinversetzt werden. Ob es sich jetzt um Kinder in der Schule handelt oder um Erwachsene auf der Arbeit, die Auswirkungen unterscheiden sich kaum. Mobbing ist immer eine enorme Stressbelastung für die Betroffenen. Diese Belastung führt zu seelischen und sogar körperlichen Erkrankungen. Die ersten Krankheitssymptome sind meistens psychosomatisch. Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Herzrasen, Nervosität, Konzentrationsschwäche und/oder Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Symptomen. Anhaltende Schlafstörungen sind besonders schädlich für Körper und Geist. Personen die unter Schlafstörungen leiden haben Probleme mit dem ein- oder mit dem durchschlafen. Außerdem kann es zu vermehrten Auftreten von Müdigkeit tagsüber kommen. Sie treten besonders häufig bei Mobbingopfern auf, da es ihnen häufig schwerfällt, die für den Schlaf notwendige Entspannung zu erreichen und belastende Gedanken abzuschalten. Dabei ist Schlaf sehr wichtig für Wachstum, Regeneration und  Gedächtnis. Im Schlaf entspannt sich der Körper und die Ereignisse des Tages werden verarbeitet. Bei Schlafentzug werden die Funktionen des Gehirns beeinträchtigt. Die Gedächtnisleistung, das Konzentrationsvermögen, die Sprachfähigkeit, die Reaktionsgeschwindigkeit und die Entschlusskraft sowie das Gefühl für Zeit und Raum werden verringert. Außerdem werden die Gefühlslage und die Ausdauer negative beeinflusst. In den schlimmsten Fällen kann dies zu Depressionen oder einem geschwächten Immunsystem führen. Auch Schulunlust oder ein Leistungsabfall können Anzeichen für Mobbingbetroffenheit sein.

Zusehen ist eine Frau, die wach im Bett liegt und scheinbar nicht einschlafen kann.

Langzeitschäden von Mobbing

Mobbing hört auch nicht einfach auf. Gerade nach längerem Mobbing haben Betroffene selbst Jahre später noch mit den Folgen zu kämpfen. Der Schaden, der dem Selbstbewusstsein zugefügt wurde, verschwindet nicht einfach. Das Opfer beginnt die ihm oder ihr entgegengebrachten Beleidigungen zu verinnerlichen und fängt an zu glauben, dass er oder sie es verdient hätten, gemobbt zu werden. Dadurch entwickeln Betroffene gravierende Selbstzweifel. Das entstandene, negative Selbstbild bleibt vielen auch noch im Erwachsenenalter erhalten. Auch anhaltende Schlafstörungen und Depressionen gehören zu den erheblichen psychischen Langzeitbeschwerden, sowie Persönlichkeitsveränderungen, das Auftreten sozialer Phobien, posttraumatische Belastungsstörungen, funktionelle Störungen sämtlicher Organsysteme, Sucht- und Suizidgefährdung. Eine Analyse zu den Folgen von Cybermobbing bei Kindern und Jugendlichen, welche von britischen Ärzten der Abteilung für Population Psychiatry der Swansea University durchgeführt wurde, fasst 25 Studien zu diesem Thema zusammen. 20 dieser Studien zeigen, dass das Risiko für selbstverletzendes Verhalten, sowie das Suizidrisiko bei Personen, die schon mal Opfer von Mobbing waren, vergleichsweise doppelt so hoch war, wie bei Personen ohne Erfahrungen mit Mobbing. Auch eine Studie, die von britischen Forschern durchgeführt und im The BMJ Journal veröffentlicht wurde, erschließt Hinweise darauf, dass Personen, die als Kinder Opfer von Mobbing wurden, häufiger unter Depressionen im Erwachsenenalter leiden. Für diese Studie wurden 3898 Jugendliche im Alter von 13 Jahren und 5 Jahre später, also im Alter von 18 Jahren, noch einmal befragt. 683 der Teilnehmer:innen hatten im Alter von 13 Jahren angeben, mindestens einmal die Woche drangsaliert worden zu sein. Fast 15% von ihnen litten bei der zweiten Befragung unter Depressionen, was dreimal höher war, als bei den Befragten, die in ihrer Kindheit keinem Mobbing ausgesetzt waren. Laut den Forschern der Studie können ca. 30 % der Depression der Teilnehmer:innen der Studie, davon stammen, dass sie Opfer von Mobbing wurden. Des Weiteren zeigt eine Studie, die im US-Fachmagazin „Psychological Science“ veröffentlicht wurde, dass von Mobbing betroffene Kinder auch noch als Erwachsene öfters Probleme mit der Gesundheit, mit dem finanziellen Status und mit sozialen Beziehungen haben.

Zusehen ist ein Kind, das weinend am Boden sitzt.

Mobbing ist also nicht etwas, durch das man durch muss, um danach stärker daraus hervorzugehen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Niemand sollte ausgegrenzt, beschimpft oder beleidigt werden. Keine Person und kein Kind verdient es aufgrund der sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung, der Hautfarbe, der Körperform, einer Behinderung oder der finanziellen Lage des Elternhauses Schikanen durch Mitschüler:innen ausgesetzt zu sein. Die Betroffenen leiden teilweise ihr ganzes Leben lang an den Folgen von Mobbing. Auf Lehrer News haben wir bereits über die Diskriminierung von LGBTQIA+-Schüler:innen und Rassismus in Schulen berichtet und Tipps zum Kampf gegen Ausgrenzung gegeben.

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Habt Ihr vielleicht Freunde oder Freundinnen, Schüler:innen oder Familienmitglieder, die schon einmal unter Mobbing leiden mussten oder musstet ihr das vielleicht schon mal selbst? Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr Eure Erfahrungen gerne mit uns im Kommentarbereich teilen.