Wenn an alternative Schulen gedacht wird, kommen den meisten wohl als erster Gedanke die Waldorfschulen in den Sinn. Jeder kennt doch das Klischee, dass Waldorfschüler ihren Namen Tanzen müssen. Auch wenn die Waldorfschule am bekanntesten ist, so gibt es doch noch mehr Möglichkeiten, die für Eltern und ihre Kinder zur Auswahl stehen. Dieser Artikel stellt Euch einige dieser Schulformen vor und erklärt, was es mit ihnen auf sich hat.

Waldorfschulen

Die erste Waldorfschule wurde von Rudolf Steiner ins Leben gerufen, um die Kinder der Fabrikarbeiter der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik zu unterrichten. Daher kommt auch der Name Waldorfschule. Diese alternative Schulform legt viel Wert auf die praktischen, künstlerischen, kreativen und sozialen Fähigkeiten der Schüler:innen. Der Unterricht an einer Waldorfschule wird in Epochen eingeteilt. Die Schüler:innen arbeiten über mehrere Wochen hinweg an einem Hauptfach. Themen werden häufig auch über mehrere Fächer hinaus bearbeitet. Der Unterricht ist so gestaltet, dass er sich der Entwicklung des Kindes anpasst, somit gibt es keinen festen Lehrplan. Besonders Begabte werden in kleinen Gruppen auch speziell gefördert. Außerdem konzentriert sich die Waldorfpädagogik verstärkt auf sprachliche und künstlerische Fächer. Auch lernen die Schüler:innen mit dem ganzen Körper. Zahlen werden in einem Rhythmus umgesetzt, Buchstaben werden gesungen und beim Ausdruckstanz werden Laute in Bewegungen umgesetzt. Daher kommt auch das Klischee mit dem Namen tanzen.

Die Klassen Gemeinschaft ist möglichst stabil gestaltet, was bedeutet, dass Kinder keine Klassenstufen wiederholen müssen und auch die Klassenlehrer bleiben in der Regel die Gleichen. Auch wird auf Noten verzichtet, dafür händigt die Schule ausformulierte Einschätzungen über die Leistungen der Schüler aus. Waldorfschüler:innen erhalten nach, für gewöhnlich 12 Jahren Unterricht, einen staatlich nicht anerkannten Waldorfabschluss, wofür Schüler:innen eine Jahresarbeit und eine Portfolio-Mappe einreichen müssen. Um einen staatlichen Abschluss zu erlangen, werden die Schüler:innen von einem externen Prüfer getestet. Dabei können sie einen Haupt- oder Realschulabschluss erwerben. Um das Abitur abzuschließen, müssen Schülerinnen und Schüler noch ein extra Vorbereitungsjahr an der Waldorfschule verbringen. Bei Waldorfschulen handelt es sich meistens um private Einrichtungen. Die Kosten schließen sich wiederum auf das Einkommen der Eltern und liegt im Durchschnitt bei 200 Euro im Monat, wobei Kinder grundsätzlich nicht wegen der finanziellen Situation der Eltern abgelehnt werden.

Montessori-Schulen

Zusehen ist das Wort Montessori, welches eine bestimmte alternative Schulform beschreibt und hier in bunten Buchstaben buchstabiert ist.

Das Modell der Montessori-Schulen wurde von der italienischen Ärztin Maria Montessori entwickelt. Dabei stützte sie ihr pädagogisches Model auf empirische Untersuchungen. Ein berühmter Satz, der immer wieder im Kontext der Montessori-Schulen fällt, ist: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Dies ist auch das Grundprinzip der Schulform, denn bei Montessori wird Eigenverantwortung großgeschrieben. Es geht vor allem um die Förderung der Selbstständigkeit der Kinder. Die Schüler:innen lernen eigenständig, handeln selbstständig und treffen eigene Entscheidungen darüber, was und wie sie lernen wollen. Generell gibt es starke Unterschiede zum Lehrablauf von Regelschulen. Während den ersten zwei bis drei Stunden eines Unterrichtstages können sich Schüler:innen frei entscheiden, womit sie sich beschäftigen wollen. Dabei können sie auch in Gruppen zusammenarbeiten. In dieser Zeit werden die Schüler:innen auch nicht nach Alter aufgeteilt, so können die Kleinen von den Großen lernen. Die Lehrer übernehmen in dieser Zeit nur eine unterstützende Rolle.

Anschließend findet der gebundene Unterricht statt, wobei die Klassen in gleichen Altersgruppen eingeteilt sind. Es werden dann verschiedene Fächer unterrichtet und auch Hausaufgaben verteilt. An Montessori-Schulen nutzen Kinder Arbeitsmaterialien, die so gestaltet sind, dass Kinder den Lernstoff auf eine spielerische Art und Weise erkunden können. Auch auf eine traditionelle Verteilung von Noten verzichtet die Montessori-Pädagogik. An Montessori-Schulen besteht die Möglichkeit, alle drei Arten von staatlichen Abschlüssen durch externe Prüfungen zu erwerben. Einige Studien belegen laut dem Montessori-Zentrum Münster, dass Montessori-Kinder in Fächern wie Mathematik besser abschneiden als diejenigen, die Regelschulen besucht haben, jedoch etwas schlechter in Deutsch und Rechtschreibung sind. Besonders auffallend ist, dass Schüler:innen dieser alternativen Schulart wesentlich besser Soft Skills wie zum Beispiel soziale Kommunikation im Laufe ihrer Schulzeit erlangen. Die meisten Montessori Schulen sind ebenfalls private Schulen und fordern somit einen finanziellen Beitrag von den Eltern. In diesem Fall orientieren sich die Kosten an dem Einkommen der Eltern. Sie zahlen zwischen 100 – 400 Euro.

Demokratische Schulen

Zusehen sind vier Schüler:innen und eine Lehrerin in einer kleinen Gruppe, die an einem Tisch lernt.

Bei demokratischen Schulen stimmen, wie der Name schon sagt, sowohl Schüler:innen als auch Mitarbeiter:innen der Schule, in wöchentliche Schülerversammlungen über Themen ab, die die Schule betreffen, wobei jede Stimme gleich viel zählt. In den Versammlungen wird über Schulpersonal, Lehrpläne, Projekte, Schulregeln und Haushaltsfragen diskutiert und entschieden. Diese Schülerversammlungen gelten somit auch als Orientierungspunkte für die Schulkinder, denn im Allgemeinen wird an dieser alternativen Schulform selbstbestimmt gelernt. Sie können selbst bestimmen welche Themen sie lernen wollen, wann sie sie lernen wollen, wie lange und mit wem. Dementsprechend werden Schüler:innen nicht auf Grund ihres Alters in Gruppen sortiert, sondern auf Grund ihrer Interessen und Fähigkeiten. Lernende besuchen unter anderem auch Schulkurse wie an konventionellen Schulen, jedoch können sie sich auch hier selbst aussuchen, welche Kurse sie besuchen möchten.

Große Teile des Lernens finden auch außerhalb des konventionellen Unterrichts, zum Beispiel durch Projekte, Praktika, beim Spielen oder Surfen im Internet, statt. Ziel ist es, die Neugier und die Interessen von Kindern zu fördern und in den Lernplan miteinzubeziehen, damit sie eine langfristige Motivation und vor allem Spaß am Lernen entwickeln und beibehalten. Laut der Website Demokratische Schule Düsseldorf zeigt die Erfahrung, dass „das gleichberechtigte Leben an demokratischen Schulen Toleranz, Aufgeschlossenheit und Verantwortungsbewusstsein nachhaltig fördert und junge Menschen ermutigt, sich aktiv in demokratische Prozesse einzubringen.“ Bei der alternativen Schulform der demokratischen Schule werden die Schüler:innen darauf vorbereitet, den mittleren Schulabschluss bei einer externen Prüfung abzulegen. Wer diese besteht, kann auf ein Gymnasium wechseln und sein Abitur machen. Auch hier handelt es sich um eine private Schuleinrichtung, wobei sich auch die Kosten wieder am Einkommen der Eltern orientiert. Die durchschnittlichen Kosten sind bei ca. 200 Euro im Monat.

Freinet-Schulen

Bei Freinet-Schulen treffen Kinder, ähnlich wie bei den demokratischen Schulen, eigenverantwortlich Entscheidungen darüber, was sie und wie lange sie etwas lernen wollen und treffen auch generell Entscheidungen zusammen mit Lehrkräften in einem Klassenrat. Der Klassenrat wird auch von den Schüler:innen gewählt, wodurch bei dem System auch eine soziale Komponente eine Rolle spielt und gleichzeitig die Bedeutsamkeit von Demokratie gelernt wird. Bei dem Lernkonzept kommt es primär darauf an, sich kritisch mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Die Kinder teilen ihre Erfahrungen, die sie bei Projekten oder Ausflügen erhalten haben, mit ihrer Klasse und diskutieren diese. Aus den daraus entstandenen Interessen erstellen die Kinder dann ihre individuellen Lehrpläne. Ob die Schüler:innen die Lernziele einhalten, überprüfen sie bei Klassenversammlung. Dadurch sollen sie sich auch wieder mit Demokratie und der Relevanz von Regeln auseinandersetzen. Bei Freinet- Schulen handelt es sich zumeist um Grundschulen, was bedeutet, dass Schüler:innen nach vier Jahren eine Empfehlung für eine weiterführende Schule bekommen. Viele der Freinet-Schulen sind verstaatlicht, wodurch keine Kosten für Eltern anfallen. Sollte es sich jedoch um eine private Schule handeln, fallen die Kosten zwischen 35 und 380 Euro monatlich an.

Der Umgang mit Corona

Zusehen sind mehrere Darstellungen von Viren oder Bakterien.

An vielen Schulen mit einer alternativen Pädagogik liegt der Fokus auf den individuellen Fähigkeiten der Kinder sowie auf selbstbestimmtes Lernen. Aber wie schlagen sich diese Schulen in der Coronakrise? Da es sich bei den meisten nicht um staatliche, sondern um private und autonome Einrichtungen handelt, ist es schwer zu sagen, wie gut eine bestimmte Schulform in der Coronakrise abgeschnitten hat. Dieser Abschnitt versucht dennoch, die Situation der alternativen Schulen während der Pandemie verallgemeinert darzustellen.

Gerade weil sie autonom handeln, konnten viele der alternativen Schulen individuell und vor allem schneller reagieren, da sie nicht auf staatliche Beschlüsse warten mussten. Viel wichtiger war und ist jedoch, dass sich die Kinder den Umständen besser anpassen konnten, zumindest in Hinblick auf das eigenverantwortliche Lernen. Als es mit dem Distanzunterricht los ging, mussten plötzlich alle Schüler:innen komplett von zu Hause aus und vor allem eigenverantwortlich lernen. Für viele stellte dies eine komplett neue Herausforderung dar, die erst einmal überwunden werden musste. Schüler:innen die eine alternative Bildungseinrichtung besuchen, wie zum Beispiel eine Montessori-Schule, fiel diese Umstellung leichter, da dort Selbstbestimmtheit sowieso immer eine wichtige Rolle spielt. Zwar stellte der digitale Unterricht insbesondere Montessori- und Waldorfschulen vor eine besondere Herausforderung, da diese in der Regel bewusst auf den Einsatz von digitalen Medien in den jüngeren Jahrgangsstufen verzichten. Jedoch, wie die Landweg-Schule, eine Schule nach dem Montessori-Modell, in diesem Bericht zeigt, passen Digitalisierung und Montessori-Schulen sogar sehr gut zusammen und funktionieren auch im Kontext des digitalen Distanzunterrichts.

Wenn es um die Corona-Pandemie geht, hat die Waldorfschule ganz eigene Probleme. Viele der Eltern und Lehrkräfte kritisieren Regulierungen, wie zum Beispiel die Maskenpflicht, die eigentlich zum Schutz vor der Krankheit dient. Einige glauben sogar, die Pandemie sei komplett erfunden und nur ein Mittel zur Kontrolle der Unter- und Mittelschicht. Zwar gibt es einen verhältnismäßig großen Anteil von Eltern und Arbeitskräften im Waldorfbetrieb, die ähnliche Ansichten hegen, jedoch sind das längst nicht alle. Viele Lehrkräfte kritisieren den Umgang ihres Kollegiums mit Corona. Der Bund der freien Waldorfschulen distanziert sich zudem ausdrücklich von allen Versuchen die Pandemie zu verharmlosen.

Auch wenn das eigenständige Lernen der Kinder bei den meisten alternativen Schulformen gut funktioniert, müssen natürlich trotzdem Freiheiten der Schüler:innen eingeschränkt werden. Was die genauen Maßnahmen sind, hängt natürlich wieder von jeder einzelnen Schule ab, aber klar ist das, auch wenn der Unterricht wieder in Anwesenheit stattfindet, der soziale Austausch und die Arbeit in Gruppen auf Grund von Corona eingeschränkt bleibt.

Was haltet Ihr von den jeweiligen Schulformen? Schreibt Eure Meinung gerne in die Kommentare und wenn Ihr Interesse an dem Thema selbstreguliertes Lernen habt, dann schaut euch doch gerne diesen Artikel an.