Videospiele sind heutzutage vollkommen im Mainstream angekommen. Vorbei sind die Tage, wo es hieß, sie seien nur etwas für verklemmte Jungs und Gewaltfanatiker. Heute gibt es eine immer größer werdende Spielerschaft, wobei auch immer mehr Erwachsene und Mädchen zu dem Controller, der Tastatur oder dem Smartphone greifen. Durch die Beliebtheit und Vielfalt an Möglichkeiten, ein Videospiel zu gestalten, bietet es sich an, das Spielen mit dem Lernen zu verknüpfen und somit das Interesse an wichtigen Themen zu erwecken oder zu fördern. Dieser Artikel stellt Euch heute zwei Videospiele vor, die versuchen, geschichtlich bedeutsame Inhalte zu vermitteln. Dabei handelt es sich nicht um typische Lernspiele, sondern um Videospiele, die ihren Fokus eigentlich rein auf die Unterhaltung legen, aber dennoch Projekte ins Leben gerufen wurden, die das Spiel als Plattform nutzen, um Wissen zu vermitteln.

Lernen über Martin Luther King in Fortnite!

Fortnite ist ein Online-Shooter-Spiel von Epic Games. Zwar wird in diesem Spiel hauptsächlich mit Waffen aufeinander geschossen, dennoch ist es durch seinen comichaften Stil, seinen bunten Farben und dem Fehlen von Blut oder Leichen ein Spiel, welches in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben ist. Dazu kommen haufenweise verschiedene Kostüme, die dafür sorgen, dass es einen eher weniger ernsthaften Look besitzt. Dies sind mit unter anderem die Gründe, warum Fortnite eine große Fanbasis gerade bei jüngeren Spieler:innen besitzt. Die bunte Comicwelt hielt jedoch Fortnite nicht davon ab, auch ein ernsteres Thema einzubinden.

In Kollaboration mit dem Time Magazine hat Epic Games das Projekt „March Through Time“ veröffentlicht. Dabei reisen Fortnitespieler:innen in das Jahr 1963 zurück und besuchen das berühmte Lincoln Memorial in Washington DC und können dort Martin Luther Kings berühmte „I Have a Dream“ Rede miterleben, welche er vor 250.000 Menschen beim Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit gehalten hat. Die Spieler:innen können nicht nur die Rede in voller Länge genießen, sondern dabei auch ein virtuelles Museum besuchen und somit noch mehr über die Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten erfahren.

Auch der spielerische Anteil kommt bei dem Projekt nicht zu kurz. Es gibt eine Vielzahl an Minispielen, wie zum Beispiel ein Quiz über die Bürgerrechtsbewegung. Die meisten der kleinen Aufgaben basieren auf Zusammenarbeit mit anderen Spielern, ganz nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark. Dies soll noch einmal verdeutlichen, dass wir nur gemeinsam als Gesellschaft es schaffen, etwas zum Positiven hin zu verändern. Während dem Absolvieren dieser Aufgaben werden Spieler:innen immer wieder mit weiteren geschichtlichen Fakten rund um das Thema Martin Luther King und die Bürgerrechtsbewegung konfrontiert. Außerdem erhalten alle Spieler:innen, die alle Aufgaben abschließen eine besondere Belohnung. Spielerisch ist also im Grunde alles dabei, was ein gutes Spiel ausmacht und Spieler:innen können gleichzeitig etwas dazulernen.

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Ist Fortnite als Plattform zum Lernen über Martin Luther King geeignet?

Durch das Konsumieren eines Videospiels über die Geschichte Amerikas dazu lernen ist definitiv eine gute Lernmethode. Dennoch gibt es im Internet auch viel Spott und Häme für das Projekt. Der Grund dafür ist für die meisten wohl eindeutig. Fortnite ist nicht wirklich eine passende Plattform, um so ernste Themen wie die Bürgerrechtsbewegung und den Kampf gegen Rassismus zu behandeln. Zwischen albernen Kostümen und comichaften Waffen wirkt Martin Luther King doch fehl am Platz. Es untergräbt die Signifikanz des Themas. Dennoch sind solche Projekte sinnvoll, um einen wichtigen Teil der amerikanischen Geschichte jungen Menschen näherzubringen, gerade wenn wir bedenken, wie stark Rassismus tatsächlich auch heute noch ist. Dennoch sollte dieses Thema Kinder und Jugendlichen im Unterricht auf eine andere Weise näher gebracht werden, da Fortnite der Bedeutsamkeit des Lerninhaltes nicht gerecht wird. Eine andere Plattform, vielleicht auch ein anderes Videospiel, wäre daher sinnvoller gewesen.

Discovery Tour: Assassin’s Creed als Lernspiel!

Assassin’s Creed ist eine Spielereihe von der Firma Ubisoft, die ihre Spieler:innen schon immer mit zu historischen Schauplätzen, wie Paris zur Zeit der Französischen Revolution oder London zur Zeit der Industrialisierung, nahm. Die Handlung der Story kombiniert dabei für gewöhnlich historische und fiktionale Elemente. Das Projekt Discovery Tour hingegen konzentriert sich auf die spielerische Übermittlung von historisch akkuraten Wissen. Bei der Discovery Tour handelt es sich genau genommen um zwei Projekte. Einmal um eine Erweiterung für das Videospiel Assassin’s Creed Origins, wo sich die Erweiterung auf das antike Ägypten konzentriert und einmal um eine Erweiterung für Assassin’s Creed Odyssey, wo das antike Griechenland behandelt wird. Die Erweiterungen sind für Besitzer:innen der ursprünglichen Spiele gratis. Außerdem können sie ebenfalls als eigenständige Spiele für je 20 Euro erworben werden.

Zusehen ist eine Frau mit einem Rucksack. Zu ihrer Linken befinden sich mehrere ägyptische und zu ihrer Rechten mehrere griechische Sehenswürdigkeiten.

Durch die Discovery Tour können Spieler:innen entweder das alte Griechenland oder Ägypten frei erkunden. Kämpfe, Missionen, Gewalt und andere Spielelemente, die normalerweise typisch für die Assassin’s Creed Reihe sind, gibt es hier nicht. Der Spieler oder die Spielerin kann sich so frei auf das Erkunden und das Lernen konzentrieren, wobei das Spiel dennoch sehr interaktiv bleibt. Zusätzlich kann an Touren ähnlich wie in Museen teilgenommen werden. Die Touren sind nach Themen, wie unter anderem Architektur, Politik, Bevölkerung und Mythologie gegliedert, wobei eine Erzählerstimme interessante Fakten über die jeweiligen Interessensgebiete erklärt. Zusätzliche Informationen sind ebenfalls durch einen Knopfdruck in schriftlicher Form verfügbar. Bei der Erweiterung für Assassin’s Creed Odyssey, können am Ende einer Tour Spieler:innen an einem Quiz teilnehmen und werden dabei von einer historisch relevanten Figur abgefragt. Hierbei gibt es keine Bewertungen oder Ähnliches, bei falschen Antworten werden die Fehler lediglich aufgeklärt und mögliche Missverständnisse beseitigt.

Assassin’s Creed: Ein Videospiel zum Lernen in Schulen?

Ziel des Projektes war es, ein Videospiel zu erschaffen, dass Schüler:innen dabei hilft zu lernen, aber auch interessant für die eigentliche Spielerschaft ist. Auch in Schulklassen wurde das Projekt Discovery Tour schon verwendet. Dabei gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten, wie Lehrkräfte eine oder mehrere Unterrichtsstunden gestalten könnten. So könnten Lehrkräfte das Videospiel erst einmal vorstellen, die Funktionen erklären und möglicherweise eine der Touren zusammen mit der ganzen Klasse durchspielen. Anschließend könnten die Schüler:innen in Gruppenarbeit verschiedene Touren eigenständig abschließen. Die gewonnenen Erkenntnisse können dann in der Klasse präsentiert beziehungsweise diskutiert und zusammen mit der Lehrkraft in einen breiteren Kontext gesetzt werden. Die Website Games im Unterricht hat hierfür interessante konzeptionelle Vorschläge zur Implementierung des Videospiels in den Unterricht erstellt. Nachteile hierbei sind zum einen die nötigen Kenntnisse über Videospiele, die die Lehrkraft sich womöglich erst einmal erarbeiten muss und die relativ hohen hardwaretechnischen Anforderungen, die das Videospiel benötigt, damit es reibungslos auf einem Computer läuft. Dabei haben viele Schulen wohl nicht die nötige Ausstattung an Computern, die leistungsfähig genug sind. Ein weiterer Grund warum, die Digitalisierung an Schulen vorangetrieben werden sollte.

Es gibt allerdings auch Kritik zu dem Spiel. So haben zwar die Entwickler aus dem Hause Ubisoft mit Historikern und Experten zusammengearbeitet, jedoch ist das Projekt nicht wirklich transparent, wenn es um die Quellen für die geschichtlichen Fakten geht. Ein Artikel von der Website hsozkult.de, welche sich mit Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften befasst, setzt sich unter anderem genauer damit auseinander. Ein kleiner Kritikpunkt in Hinblick auf das gesamte Projekt. Insgesamt ist das Projekt Discovery Tour von Ubisoft, welches einem virtuellen Museum nicht unähnlich ist, eine spannende und interessante Art Wissen zu vermitteln und eine gute Ergänzung für den Geschichtsunterricht. Laut Ubisoft soll eine weitere Erweiterung dieser Art für den neuesten Ableger der Assassin’s Creed Reihe, Assassin’s Creed Valhalla erscheinen.

Auf was muss bei Videospielen fürs Lernen geachtet werden?

Zusehen sind mehrere Kinder, die auf Computerbildschirme schauen.

Wie Assassin’s Creed und auch Fortnite zeigen, eignen sich Videospiele besonders dazu, geschichtliche Unterrichts- oder Lernthemen zu vermitteln. Spieler:innen kommen in Kontakt mit bedeutsamen Themen aus der Geschichte, mit denen sie sich auf andere Weise vielleicht gar nicht beschäftigt hätten oder möglicherweise auch kein Interesse dafür zeigen würden. Videospiele können demnach ein Medium sein, was durch seinen natürlichen Unterhaltungsaspekt dafür sorgt, dass Spieler:innen motiviert und interessiert lernen. Das Videospiel soll dabei den Unterricht nicht ersetzen, sondern ergänzen und das erlernte Wissen unter anderem auch festigen. Jedoch sollte bei der Konzeption von Lerninhalt für Videospiele auch darauf geschaut werden, ob das Medium zum Inhalt passt. In dem Beispiel von Martin Luther King in Fortnite, wird die Bedeutsamkeit der Bürgerrechtsbewegung durch den Stil des Spiels untergraben. Ganz anders ist es der Fall bei der Assassin’s Creed Videospiel Reihe. Die Reihe ist als Plattform für die Inhalte der Discovery Tour nahezu perfekt geeignet, wodurch Spieler:innen leichter in die Spielwelt eintauchen können und somit auch das Lernen effektiver funktioniert. Außerdem ist es wichtig, dass es sich immer noch um Videospiele handelt. Dementsprechend sollte der Unterhaltungsfaktor auch bei Lernspielen nicht zu kurz kommen. Wenn ein Spiel nichts anderes bietet als Lerninhalte oder Übungen einfach immer wieder stumpf abzuarbeiten, wird das Videospiel, Spieler:innen nicht langfristig motivieren können, weder zum Spielen noch zum Lernen.

Was haltet Ihr davon, Videospiele zum Lernen zu verwenden? Teilt es uns gerne in den Kommentaren mit! Und wenn Ihr Interesse an weitere digitale Hilfsmittel zum Lernen habt, dann schaut Euch doch diesen Artikel über die besten Apps zum Lehren und Lernen einmal an.